Anschlag in Jerusalem Bulldozer kippt Bus um, mehrere Tote

Im Zentrum von Jerusalem hat ein Palästinenser mit einem Bulldozer einen vollbesetzten Bus gerammt und ist in eine Menschenmenge gerast. Mindestens vier Personen kamen ums Leben, Dutzende wurden verletzt. Eine weitgehend unbekannte Gruppe bekannte sich zu der Attacke.


Jerusalem - Der Angriff kam überraschend: Der Mann setzte sich in einen Bulldozer und gab Gas - erste rammte er mehrere Autos, dann einen vollbesetzten Bus und raste schließlich auf eine Menschenmenge zu. Bislang sind vier Todesopfer zu beklagen, mindestens 45 Menschen wurden verletzt.

Hunderte Menschen stürzten in Panik durch die Straßen der Innenstadt. Demolierte Autos stehen am Straßenrand, Verletzte sitzen zwischen den Wracks und warten auf Hilfe. Am Himmel kreisen Hubschrauber.

Ein Polizist habe aus unmittelbarer Nähe mehrere Schüsse auf den Fahrer abgegeben und ihn getötet, berichten Zeugen.

Zu dem blutigen Angriff mit einem Bagger in Jerusalem hat sich eine weitgehend unbekannte Gruppe bekannt. Ein Sprecher der Gruppe "Die Brigaden der freien Menschen von Galiläa" bekannte sich am Mittwoch in einem Telefonanruf bei der Nachrichtenagentur AFP in Ramallah zu der Attacke, bei der ein Palästinenser mit einem großen Bagger einen Bus und mehrere Autos rammte und umstürzte. Der Bekenneranruf konnte zunächst nicht auf seine Glaubwürdigkeit überprüft werden. Die Gruppe hatte sich im März auch zu einem Anschlag auf eine Talmudschule in Jerusalem bekannt. Dies konnte bislang nicht bestätigt werden.

Augenzeugen berichten von grausigen Szenen. "Ich sah, wie die Planierraupe ein Auto mit seiner Schaufel zermalmte", sagte ein 18-jähriger Student. "Er zerquetschte den Mann auf dem Fahrersitz." Ein anderer sagte, der Bulldozer habe die Autos wie Spielzeug durch die Straßen geschleudert. "Ich bin schockiert. Ich habe gesehen, wie ein Mensch ausgerastet ist. Alle sind weggerannt, aber sie hatten keine Chance."

Der Anschlag ereignete sich in einem Bereich, in dem derzeit eine neue Bahnstrecke gebaut wird. Dadurch gibt es in weiten Teilen der Jerusalemer Innenstadt große Baustellen.

Am Morgen hatte Israel die Grenzübergänge in den Gaza-Streifen für Waren wieder freigegeben. Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak hatte die Wiedereröffnung zwei Wochen nach Vereinbarung einer Waffenruhe mit den militanten Palästinensergruppen angeordnet.

ffr/AP/AFP/dpa



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