Lastwagen-Anschlag Israels Regierung plant Haft ohne Anklage für IS-Anhänger

Vier Soldaten kamen bei einem Lastwagen-Anschlag in Jerusalem ums Leben. Der Täter war laut Israels Premier IS-Unterstützer. Seine Regierung will jetzt härter gegen Anhänger der Terrormiliz vorgehen.


Nach einem Anschlag mit einem Lastwagen am Sonntag in Jerusalem will Israel entschlossener gegen Anhänger der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) vorgehen.

Bei einer Sitzung des israelischen Sicherheitskabinetts wurde unter anderem beschlossen, das Haus des Attentäters zu zerstören. Außerdem sollten IS-Anhänger in sogenannte Administrativhaft ohne Anklage genommen werden, berichteten israelische Medien. Die Administrativhaft erlaubt es, Häftlinge für jeweils verlängerbare Zeiträume von sechs Monaten ohne offizielle Anklage festzuhalten. Menschenrechtler haben diese Praxis immer wieder scharf kritisiert.

Israels Sicherheitskabinett beschloss zudem, die Leiche des Attentäters nicht an die Familie zu übergeben. Auch ein Antrag auf Familienzusammenführung mit Einwohnern des Gazastreifens solle nicht genehmigt werden, berichtete der Rundfunk am Montag.

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Lkw-Attacke in Israel: Entsetzen und Tränen am Anschlagsort

Israels Premier Benjamin Netanyahu hatte am Sonntag mitgeteilt, es handele sich bei dem Attentäter "nach allen Anzeichen" um einen IS-Anhänger. "Wir kennen die Identität des Angreifers, der allen Hinweisen zufolge den 'Islamischen Staat' unterstützte." Netanyahu erklärte weiter, er sehe mögliche Parallelen zwischen dem Lastwagen-Anschlag und ähnlichen Attacken in Europa. "Wir wissen, dass es hier eine Serie von Anschlägen gibt, und es kann durchaus sein, dass eine Verbindung zwischen ihnen besteht, erst Frankreich und Berlin, und jetzt Jerusalem", sagte Israels Premier.

Hamas-Sprecher begrüßt Anschlag

Bei der Attacke waren am Sonntag vier israelische Soldaten ums Leben gekommen. Die Armee bestätigte den Tod von drei Frauen und einem Mann im Stadtteil Armon Hanaziv, alle im Offiziers- oder Kadettenrang. 17 weitere Offiziere und Kadetten seien verletzt worden, als der palästinensische Fahrer mit dem Laster gezielt in eine Gruppe von Soldaten raste. Der 28 Jahre alte Attentäter wurde erschossen. Netanyahu sprach von einem "grausamen und tragischen Terroranschlag".

Armon Hanaziv liegt in dem 1967 von Israel eroberten Teil Jerusalems. Die Palästinenser beanspruchen das Gebiet als Teil einer künftigen Hauptstadt für sich. Israel sieht jedoch ganz Jerusalem als seine "ewige, unteilbare Hauptstadt". In dem Stadtteil war es seit Beginn der neuen Gewaltwelle im Herbst 2015 immer wieder zu Anschlägen gekommen.

Der russische Präsident Wladimir Putin sprach Israels Premier Netanjahu sein Beileid aus, wie die Agentur Tass meldete. Frankreichs Präsident versicherte den Opfern und ihren Angehörigen seinen Beistand. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) verurteilte den Anschlag aufs Schärfste. "Wir stehen in diesen schweren Stunden an der Seite unserer israelischen Freunde", sagte er nach Angaben des Auswärtigen Amtes. "Der Terrorismus bedroht uns alle gemeinsam."

Im Video: Anschlag in Jerusalem

Auch die US-Regierung reagierte bestürzt. "Solche feigen Aktionen können niemals gerechtfertigt sein", erklärte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, Ned Price. Zugleich bot er Israel die "volle Unterstützung" der USA bei den Ermittlungen an.

Palästinenser im Gazastreifen hatten den Anschlag gefeiert und auf der Straße Süßigkeiten verteilt. Ein Sprecher der im Gazastreifen herrschenden Hamas begrüßte den Anschlag, die Organisation bekannte sich aber nicht zu der Tat.

anr/dpa



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