Kabul 43 Menschen sterben bei Heiligabend-Anschlag

Der Anschlag und die Geiselnahme in Kabul am Montag forderten mehr Opfer als bisher bekannt. Noch immer ist nicht klar, wer hinter der Attacke steckte.

Brennendes Regierungsgebäude in Kabul, Afghanistan
AP

Brennendes Regierungsgebäude in Kabul, Afghanistan


Erst sprengte sich am Montag ein Attentäter in einem Auto vor dem Bauministerium in Kabul in die Luft. Dann stürmten Angreifer die nahe gelegene Behörde, töteten zahlreiche Menschen und nahmen Hunderte Zivilisten als Geiseln. Nach stundenlangen Feuergefechten zwischen den Geiselnehmern und afghanischen Soldaten gelang es, 350 Menschen aus dem Gebäude zu retten.

Am Dienstagmorgen mussten die afghanischen Behörden ihre Angaben zur Zahl der Opfer allerdings korrigieren: Zunächst war man von 30 Toten und 17 Verletzten ausgegangen. Inzwischen ist klar, dass der Anschlag mindestens 43 Menschen das Leben kostete. Zudem gebe es mehr als zehn Verletzte, teilten die Behörden am Dienstagmorgen mit. Bei den meisten Toten handele es sich um Behördenmitarbeiter. Zudem seien drei Angreifer erschossen worden.

Bisher hat sich keine Organisation zu dem Anschlag bekannt. In Afghanistan kommt es allerdings immer wieder zu Angriffen auf Regierungsbüros, zumeist von den radikal-islamischen Taliban.

Bereits der 22. große Anschlag in Kabul 2018

In diesem Jahr hatten bereits 21 große Anschläge die afghanische Hauptstadt erschüttert. Dabei starben mehr als 500 Menschen, mindestens 999 wurden verletzt. Den Großteil dieser Anschläge hatte die Terrormiliz "Islamischer Staat" für sich reklamiert.

Die Sicherheitslage hatte sich in den vergangenen Monaten weiter verschlechtert. Die afghanische Regierung kontrolliert nur noch wenig mehr als die Hälfte der Bezirke des Landes. Weitere 30 Prozent sind umkämpft. Erst am Sonntag wurden in Afghanistan der Verteidigungs- und Innenminister ausgetauscht.

Asadullah Chalid und Amrullah Saleh, die das Verteidigungs- und Innenressort bis zu ihrer Bestätigung im Parlament geschäftsführend übernehmen, gelten als Hardliner im Kampf gegen die Taliban. Beide leiteten in der Vergangenheit bereits den Geheimdienst NDS.

Am Donnerstag hatten US-Medien berichtet, dass die US-Regierung die Hälfte ihrer 14.000 Soldaten aus Afghanistan abziehen wolle. Die unbestätigten Berichte sorgten für Unruhe bei der afghanischen Regierung, Bevölkerung und bei den Nato-Bündnispartnern in Afghanistan, darunter auch Deutschland.

pat/wbr/apr/dpa/Reuters

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