Dänemark Anschläge in Kopenhagen - was passierte wann

Nach der Tat stieg der mutmaßliche Angreifer vom Fluchtwagen ins Taxi um. Der Fahrer lieferte den entscheidenden Hinweis. Im Fall der Anschläge von Kopenhagen werden weitere Details bekannt. Hier eine zeitliche Übersicht der Ereignisse.

Polizist in Kopenhagen: Tote und Verletzte bei Anschlägen
REUTERS

Polizist in Kopenhagen: Tote und Verletzte bei Anschlägen


Bei zwei Anschlägen in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen sind am Samstag und Sonntag zwei Menschen ums Leben gekommen. Der mutmaßliche Attentäter wurde von der Polizei erschossen. Ein Überblick über die Geschehnisse vom Wochenende.

Samstag, kurz vor 16 Uhr: Die Femen-Aktivistin Inna Schewtschenko hält gerade in dem Kulturcafé "Krudttønden" (Pulverfass) im Kopenhagener Stadtteil Østerbro eine Rede über Meinungsfreiheit und Gotteslästerung, da fallen Schüsse (hier lesen Sie ein Interview mit Schewtschenko über das Attentat). Ein zu diesem Zeitpunkt unbekannter Mann feuert mit einer Maschinenpistole von außen durch die Glastüren und Fenster des Veranstaltungsraums, zunächst ist von 30 Schüssen die Rede, später von deutlich mehr.

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Unter den Besuchern ist auch der schwedische Karikaturist Lars Vilks (hier lesen Sie ein Porträt über Vilks): "Zuerst herrschte Panik, Leute sind unter Tische gekrochen", sagt der Künstler, der von seinen Bodyguards in Sicherheit gebracht wurde. Die Polizei glaubt, dass der Anschlag ihm galt. Vilks steht unter Polizeischutz, seitdem er 2007 den Propheten Mohammed als Hund gezeichnet hatte. Drei zum Schutz von Vilks eingesetzte Polizisten wurden im Kulturcafé verletzt.

Vor Schwetschenko hatte der französische Botschafter François Zimeray als Ehrengast gesprochen. "Ich habe das nicht glauben können", sagte er der Pariser Zeitung "Le Monde". "Das konnte doch nicht wieder losgehen wie in Paris! Doch in wenigen Sekunden war mir klar, dass wir dasselbe erleben wie bei 'Charlie Hebdo'."

Bei dem Anschlag kommt der 55-jährige Regisseur Finn Nørgaard ums Leben. Als die Schüsse begannen, hatte er versucht, sich durch die Tür des Cafés nach draußen zu retten. Drei Polizisten werden verletzt. Die Polizei geht zunächst von zwei Tätern aus, später nur noch von einem. Er flüchtet in einem VW Polo.

Gegen 16.15 Uhr: Ein paar Kilometer vom Tatort entfernt lässt der mutmaßliche Schütze seinen Polo stehen und steigt in ein Taxi. Er fährt zu einem Haus nach Nørrebro - und verlässt es rund 20 Minuten später wieder. Der Taxifahrer wendet sich an die Polizei.

19.30 Uhr: Zum ersten Mal fällt von offizieller Seite das Wort "Terrorangriff". Die dänische Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt sagt: "Alles deutet darauf hin, dass die Schüsse eine politisch motivierte Attacke darstellen und deswegen ein Akt des Terrorismus sind."

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Anschläge in Kopenhagen: Bilder vom Tatort
20 Uhr: Die dänische Polizei veröffentlicht ein erstes Fahndungsfoto. Auf der Aufnahme einer Überwachungskamera ist ein vermummter Mann zu erkennen, der einen dunklen Anorak und eine rotbraune Mütze trägt. Er soll zwischen 25 und 30 Jahre alt sein. Die ersten Staatschefs und Außenminister sprechen Dänemark ihr Mitgefühl aus. An den deutschen Grenzen kontrolliert die Bundespolizei Autofahrer.

Gegen 23 Uhr: Die Polizei überwacht das Haus in Nørrebro, zu dem sich der mutmaßliche Täter hatte bringen lassen.

Fahndungsfoto der Behörden
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Fahndungsfoto der Behörden

Sonntag, 1.07 Uhr: Der nächste Anschlag in Kopenhagen: Diesmal ist eine Synagoge in der Innenstadt das Ziel, in der Nähe des Bahnhofs Nørreport, wieder fallen Schüsse. Laut Polizei findet in dem Gotteshaus gerade eine Bar-Mitzwa-Feier mit etwa 80 Teilnehmern statt, ein jüdischer Mann hält vor dem Gebäude Wache. Laut Dänemarks höchsten jüdischen Rabbi Jair Melchior soll es sich dabei um den 37 Jahre alten Dan Uzan handeln, einen langjährigen Wachmann der jüdischen Gemeinde.

Der Angreifer, bei dem es sich um denselben Mann handeln soll wie beim Überfall auf das Café, schießt dem Wachmann in den Kopf. Dieser stirbt später an seinen Verletzungen. Außerdem verletzt der Angreifer zwei Polizisten an Armen und Beinen. Der Attentäter schafft es nicht, in die Synagoge einzudringen. Erneut flieht er, diesmal zu Fuß.

Kurz nach dem Anschlag auf die Synagoge führt die Polizei einen Mann in der Nähe des Gebäudes ab. Der Hintergrund dieser Aktion bleibt aber unklar, die Behörden bestätigten auch keine Festnahme. Die Einsatzkräfte suchen danach einen nahegelegenen Park ab. "Es ist ein größeres Aufgebot an Polizisten in der Kopenhagener Innenstadt - folgt ihren Anweisungen und passt auf Euch auf", schreibt die Polizei bei Twitter.

Gegen 5.30 Uhr: Im Morgengrauen taucht der mutmaßliche Täter vor einer Wohnung im Stadtteil Nørrebro auf, die von Polizisten observiert wird. Als die vor dem Haus postierten Polizisten den Mann ansprechen, eröffnet dieser offenbar direkt das Feuer. Die Beamten schießen zurück, der Mann wird getötet.

8 Uhr: Die Polizei gibt auf einer Pressekonferenz den Tod des mutmaßlichen Attentäters bekannt. Die Behörden gehen davon aus, dass der Mann beide Anschläge verübt hat. Zur Identität des Mannes werden zunächst keine Angaben gemacht.

10 Uhr: Auf einer Pressekonferenz spricht die dänische Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt von einem "zynischen Akt der Gewalt" und einem "Terrorakt". Niemand dürfe ungestraft die "offene, freie und demokratische dänische Gesellschaft angreifen".

13 Uhr: Die Behörden geben bekannt, dass der mutmaßliche Attentäter identifiziert wurde. Demnach soll der Mann aus Kopenhagen stammen und den Sicherheitsdiensten bekannt gewesen sein. Es gebe zwar noch keine Klarheit über das Motiv, doch es sehe so aus, als sei die Tat vom Terroranschlag in Paris auf die Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" inspiriert gewesen.

Gegen 15.30 Uhr: Die Polizei nimmt in einem Internetcafé im Stadtteil Nørrebro mehrere Männer fest. Nach verschiedenen Medienberichten sind es vier Männer oder "mindestens zwei". Die Razzia sei Teil der Ermittlungen, sagte ein Polizeisprecher dem Radiosender DR.

Was noch unklar ist:

  • Details über die genaue Identität des mutmaßlichen Attentäters,
  • seine Motive,
  • wer der Mann ist, der kurz nach dem Anschlag auf die Synagoge abgeführt wurde.

bka/fln/vet/AP/dpa/AFP/Reuters

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