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Anschlag in Kopenhagen: Mutmaßlicher Täter war erst 22 Jahre alt

Fahndungsfoto der Polizei: Der mutmaßliche Täter wurde bei einem Polizeieinsatz erschossen Zur Großansicht
DPA

Fahndungsfoto der Polizei: Der mutmaßliche Täter wurde bei einem Polizeieinsatz erschossen

Motiv? Komplizen? Hintergrund? Über den mutmaßlichen Attentäter von Kopenhagen ist bislang wenig bekannt. Fest steht jetzt: Er ist 22 Jahre alt, in Dänemark geboren - und den Sicherheitsbehörden war er bekannt.

In der dänischen Hauptstadt Kopenhagen sind am Samstag und Sonntag zwei Menschen bei Anschlägen auf ein Kulturcafé und eine Synagoge getötet worden. Am Sonntagmorgen erschoss die Polizei den mutmaßlichen Täter.

Er ist offenbar kein Unbekannter: Am Sonntagmittag teilten die Behörden mit, dass der mutmaßliche Attentäter identifiziert wurde - seinen Namen nannten sie zunächst nicht. Sonntagabend dann gaben sie etwas mehr Informationen preis: Den Angaben zufolge ist er 22 Jahre alt und in Dänemark geboren. Die Polizei kennt ihn bereits: Mehrfach sei er durch verschiedene Straftaten aufgefallen, unter anderem wegen Waffenbesitz, Gewalttaten und im Zusammenhang mit Bandenkriminalität. Erste dänische Zeitungen veröffentlichen inzwischen Namen und Foto des mutmaßlichen Täters. Angeblich soll er gerade erst aus dem Gefängnis entlassen worden sein.

Zuvor hatte Jens Madsen, Chef der dänischen Sicherheitsbehörde (PET), bereits mitgeteilt: "PET hatte ihn auf dem Radar." Was genau das bedeutet - ob er beispielsweise überwacht wurde -, führte Madsen nicht aus. Auch sei bisher nicht bekannt, ob sich der Mann vor der Tat in Syrien oder im Irak aufgehalten hat. Hinweise darauf gibt es bislang nicht. Das stehe im Zentrum der Untersuchungen, sagte Madsen bei der Pressekonferenz.

Das Motiv: Die Polizei vermutet, dass sich der mutmaßliche Täter von dem Anschlag auf "Charlie Hebdo" in Paris hat inspirieren lassen. Anfang Januar hatten drei islamistische Attentäter die Redaktion der französischen Satirezeitung sowie einen jüdischen Supermarkt gestürmt. 17 Menschen kamen dabei ums Leben. Auch das Propagandamaterial des Islamischen Staats könnte ihn inspiriert haben, sagt Sicherheitsbehördenchef Madsen.

Die Tatwaffe: Die Polizei teilt Sonntagabend mit, dass sie in der Nähe der Wohnung des mutmaßlichen Täters eine automatische Waffe gefunden habe sowie Kleidung, die mit der Beschreibung des Tatverdächtigen übereinstimmt.

Weitere Festnahmen: Zunächst teilte die Polizei mit, es gebe keine Hinweise auf Komplizen. Sonntagnachmittag nahm sie dann mehrere Männer in einem Internetcafé fest - unweit der Wohnung, vor der der mutmaßliche Täter erschossen wurde. Unter anderem die dänische Zeitung "Ekstra Bladet" meldet vier festgenommene Männer, der Fernsehsender TV 2 spricht von mindestens zwei Männern. Die Aktion stehe im Zusammenhang mit den aktuellen Ermittlungen, sagte der Pressesprecher der dänischen Polizei dem Sender "Danmarks Radio".

Die weiteren Schritte: Die Polizei untersucht derzeit unter anderem den Tatort, durchsucht die Wohnung, befragt Nachbarn und wertet die Bilder der Überwachungskameras aus. So hofft sie unter anderem eine Antwort auf diese Frage zu bekommen: Was hat der mutmaßliche Täter in den Stunden zwischen den Anschlägen auf das Kulturcafé "Krudttønden" (Pulverfass) und der Synagoge gemacht?

"Akt des Terrorismus": Die dänische Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt hat sich bei einer Pressekonferenz zu den Anschlägen geäußert; alles deute darauf hin, dass die Schüsse eine politisch motivierte Attacke darstellen, sagte sie. Sie betonte auch: "Das ist kein Kampf zwischen dem Islam und dem Westen. Das ist kein Kampf zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen. Das ist ein Kampf zwischen der Freiheit des Individuums und einer dunklen Ideologie."

fln

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Mutmaßlicher Doppel-Anschlag: Kopenhagen unter Schock


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