Tathergang, Opfer, Attentäter Terror in Nizza - was bisher bekannt ist

Ein Lkw rast in Nizza in eine Menschenmenge, mehr als 80 Personen sterben. Wie lief der Anschlag ab? Was weiß man über die Opfer? Antworten auf die wichtigsten Fragen.


Wie lief der Anschlag ab?

Gegen 23 Uhr am Donnerstagabend raste ein Mann mit dem Lastwagen in eine feiernde Menschenmenge auf der Flaniermeile Promenade des Anglais in Nizza. Er kam fast zwei Kilometer weit. Bei dem Anschlag habe der Lastwagen "mindestens einmal seine Richtung geändert", heißt es in Behördenkreisen. Das Ziel des Fahrers sei eindeutig gewesen, "so viele Opfer wie möglich" zu töten.

Mindestens 84 Menschen starben, darunter zehn Kinder und Jugendliche. Zudem gibt es mehr als 200 Verletzte, 52 schweben noch in Lebensgefahr.

Sind Deutsche unter den Opfern?

Bei dem Anschlag sind eine Lehrerin und zwei Schüler einer Berliner Schule ums Leben gekommen. Das Bezirksamt von Berlin-Charlottenburg bestätigte dies am Nachmittag. "Wir sind zutiefst bestürzt", erklärte Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann.

Die Opfer waren auf Kursfahrt in Nizza. Insgesamt hatten sich Klassen aus sechs Berliner Schulen in der Stadt aufgehalten. Fünf Schulen haben mitgeteilt, dass ihre Schüler in Sicherheit seien. Vertreter des deutschen Generalkonsulats Marseille sind nach Angaben des Auswärtigen Amts auf dem Weg in die südfranzösische Küstenstadt, um vor Ort die Lage aufzuklären und betroffenen Deutschen Hilfe und Beistand zu leisten.

Was ist über den Täter bekannt?

Der Fahrer des Wagens ist nach den Erkenntnissen der französischen Polizei nicht als politisch radikalisiert bekannt. Es handelt sich um Mohamed Lahouaiej Bouhlel, einen franko-tunesischen Mann, der 1985 in Nizza geboren wurde. Er war Kurierfahrer, wegen Gewaltdelikten vorbestraft und auf Bewährung frei. Im Lastwagen wurde ein Ausweis entdeckt. In der Fahrerkabine stellten die Ermittler auch anhand von Fingerabdrücken fest, dass es sich um den getöteten Täter handelt. Innenminister Bernard Cazeneuve nannte den Fahrer des Lkw einen Terroristen.

Video: Polizisten feuern auf den Attentäter im Lkw

Ermittler haben mit Unterstützung von schwer bewaffneten Mitgliedern der Spezialeinheit Raid die Wohnung des Mannes im Osten von Nizza untersucht. Auch Polizeitechniker und Forensiker waren im Einsatz.

War er ein Einzeltäter?

Staatschef François Hollande sagte, es gebe bisher keine Hinweise auf Komplizen. Der Staatschef sprach aber von einem "terroristischen Charakter" der Tat.

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Nizza: Attacke am Nationalfeiertag

Wie kam der Attentäter an das Fahrzeug?

Der 19 Tonnen schwere Lastwagen wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft zwei Tage vor dem Anschlag angemietet.

Welche Waffen wurden gefunden?

In dem Fahrzeug entdeckten die Ermittler laut Staatsanwaltschaft ein automatisches Gewehr und Munition. Außerdem sollen sich darin Attrappen von Kalaschnikow- und M16-Sturmgewehren, Granaten sowie ein Mobiltelefon befunden haben. Der Täter hatte auf Polizisten gefeuert.

Wie wurde der Täter getötet?

Erschossen wurde der Attentäter von einer Eingreifgruppe der französischen Polizei, der CDI, aus dem Département Alpes-Maritimes, das östlich der Stadt Nizza liegt. Auf Bildern sind Einschusslöcher in der Windschutzscheibe des Lastwagens zu sehen.

Wie reagiert Frankreichs Führung?

Präsident Hollande verlängerte den Ausnahmezustand im Land, der am 26. Juli hätte enden sollen, um drei Monate. Zusätzliche Sicherheitskräfte sind im Einsatz. Zudem kündigte Hollande eine Verstärkung der französischen Aktivitäten im Irak und in Syrien an. Dort fliegt Frankreich als Teil der internationalen Koalition Angriffe gegen den IS.

Die Bundespolizei verstärkte die Kontrollen an der Grenze zu Frankreich. Dies gilt neben den Straßen- und Schienenverbindungen auch für die Flughäfen.

Ministerpräsident Manuel Valls hat eine dreitägige Staatstrauer angekündigt. Alle Fahnen an öffentlichen Gebäuden sind bis dahin auf Halbmast.

Wo können sich Angehörige informieren?

Die Zentrale für Opferhilfe im französischen Außenministerium hat eine Notrufnummer für Angehörige eingerichtet: +33-1431-75646. Facebook aktivierte seinen Sicherheitscheck: Damit können die Menschen in der Region ihren Freunden in dem sozialen Netzwerk mitteilen, ob sie in Sicherheit sind.

als/cht/kev/dpa/Reuters/AFP



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