Anschlag in Pakistan Attentäter ermordet Benazir Bhutto

Die pakistanische Oppositionsführerin Benazir Bhutto ist bei einer Wahlkundgebung in Rawalpindi erschossen worden. Danach sprengte sich der Attentäter selbst in die Luft und riss viele Menschen mit in den Tod.


Berlin - Die frühere pakistanische Ministerpräsidentin Benazir Bhutto ist bei einem Selbstmordattentat getötet worden. Das teilte ihre Partei mit. "Sie starb um 18.16 Uhr", sagte ein Parteimitglied im Krankenhaus von Rawalpindi. Auch ein Sprecher des pakistanischen Innenministeriums bestätigte Bhuttos Tod.

Die Nachrichtenagentur AP zitierte einen Helfer Bhuttos mit der Aussage, ein Attentäter habe der Politikerin in Hals und Brust geschossen, als diese in ihr Fahrzeug steigen wollte. Anschließend habe sich der Mann in die Luft gesprengt.

Ein Polizist bestätigte die Version. "Der Mann schoss zuerst auf Bhuttos Wagen. Sie suchte Schutz, dann sprengte sich der Mann in die Luft", zitierte die Agentur Reuters einen Beamten. Kurz nach der Explosion hatte es zunächst geheißen, Bhutto habe den Anschlag unverletzt überstanden.

Der Anschlag auf die Wahlkampfveranstaltung von Bhuttos Partei in der Garnisonsstadt Rawalpindi riss nach ersten Zeugenaussagen mindestens 20 Menschen in den Tod, etwa 20 weitere wurden verletzt. Bhutto hatte knapp zwei Wochen vor der Parlamentswahl vor Tausenden Anhängern gesprochen.

Proteste von Parteianhängern

Vor dem Krankenhaus versammelten sich Anhänger Bhuttos. Einige traten vor Wut die Glastür am Haupteingang ein, andere brachen in Tränen aus. Viele bedachten den Präsidenten Pervez Musharraf mit Schmährufen, beschimpften das Staatsoberhaupt als "Hund".

Die charismatische 54-Jährige Bhutto spielte seit Jahrzehnten in der pakistanischen Politik eine maßgebliche Rolle, von 1988 bis 1996 war sie Premierministerin von Pakistan. Wegen Korruptionsvorwürfen wurde sie abgesetzt, was aber ihrer Popularität im Volk keinen Abbruch tat.

Der Anschlag am Donnerstag war bereits der zweite Anschlag auf Bhuttos Leben nach ihrer Rückkehr aus dem Exil vor rund zwei Monaten. Am 18. Oktober hatten Selbstmordattentäter den Autokorso aus Anlass ihrer Rückkehr angegriffen. Dabei starben über 140 Menschen.

Bhuttos Anwalt Babar Awan bezeichnete sie als "Märtyrerin". In Pakistan soll am 8. Januar ein neues Parlament gewählt werden. Bhuttos Pakistanischer Volkspartei (PPP) wurden dabei gute Chancen eingeräumt.

Überfall auch auf Kundgebung von Sharif

Zuvor war bereits eine Wahlkampfveranstaltung des früheren Ministerpräsidenten Nawaz Sharif in der Nähe von Islamabad überfallen worden. Laut Polizei töteten unbekannte Angreifer mindestens drei Menschen. In Agenturberichten war von mehreren Verletzten die Rede.

Sharif, der die Veranstaltung besuchen wollte und in der Nähe war, blieb unverletzt. Er warf den Behörden vor, absichtlich nicht genug für die Sicherheit seiner Anhänger gesorgt zu haben. Die Polizei nahm Ermittlungen auf, von wem der Angriff ausging.

Bei den Toten und den drei Verletzten soll es sich allesamt um Mitglieder von Sharifs Partei Pakistanische Muslimliga (PML) handeln. Oppositionspolitiker Sharif war Ende November aus Saudi-Arabien zurückgekehrt. Er ist neben Bhutto einer der prominentesten Gegner von Staatspräsident Musharraf.

cvo/phw/dpa/AP/Reuters/AFP



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