Hamburg/Rom - Die Schüsse, die am Sonntagvormittag vor dem Chigi-Platz fielen, waren eigentlich für einen oder mehrere Politiker gedacht. Das teilte der Attentäter Luigi Preiti am Nachmittag dem ermittelnden Staatsanwalt mit. Preiti habe aus Wut auf die italienischen Politik gehandelt, teilte die Ermittlungsbehörde mit.
Gegen 11.30 Uhr hatte sich Preiti im schwarzen Anzug und mit Krawatte den Polizisten vor dem Amtssitz des Ministerpräsidenten im Zentrum Roms genähert und geschrien: "Schießt auf mich, schießt auf mich." Dann hatte er eine Pistole gezogen und auf die Beamten gezielt. Mindestens acht Schüsse will eine Zeugin gehört haben.
Zwei Polizisten wurden von den Schüssen verletzt. Einer der beiden Beamten ist in den Nacken getroffen worden, sagte ein Polizeisprecher. Sein Zustand ist ernst, aber nicht lebensbedrohlich. Auch eine Passantin - schwanger, mit Mann und Kind auf dem Platz - wurde durch einen Streifschuss leicht verletzt. Anschließend versuchte Preiti zu fliehen, wurde aber überwältigt und leicht verletzt. Eigentlich hatte der Schütze geplant, sich nach seiner Tat selbst zu erschießen, aber alle Patronen waren verschossen.
Luigi Preiti ist 49 Jahre alt und stammt aus dem Süden Kalabriens. Nach Berichten einiger Zeitungen ist er bereits in der Vergangenheit mit "mentalen Problemen" auffällig geworden, soll jedoch nicht vorbestraft sein. Der Sender Sky TG24 TV zitierte den Bruder des Attentäters, der erzählte, Preiti habe gerade seinen Job bei einer Baufirma verloren und sei durch Eheprobleme belastet gewesen.
Die Amtseinführung der neuen italienischen Regierung wurden durch den Anschlag im Wesentlichen nicht gestört. "Die Nachricht erreichte uns erst nach der Vereidigung", sagte Dario Franceschini, einer der insgesamt 21 neuen Minister. Am Sonntagvormittag hatten die Mitglieder des Kabinetts um den neuen Ministerpräsidenten Enrico Letta im Präsidentenpalast die entsprechenden Amtseide ablegte. Der 46-jährige Sozialdemokrat führt eine große Koalition aus seiner Demokratischen Partei (PD) und der rechten Partei Volk der Freiheit (PdL) von Silvio Berlusconi an.
Nach Aussagen einer Assistentin der Außenministerin Emma Bonino wurde die neuen Minister nach der Schießerei nur gebeten, kurz in den Innenräumen zu verweilen, bis klargestellt gewesen sei, dass keine weitere Gefahr herrsche.
cbu/AP/Reuters
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