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Anschlagspläne in den USA: Codename "Chevrolet"

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Code-Wörter, konspirative Treffen, verdächtige Telefonate: Die Anklageschrift der US-Fahnder gegen die Verschwörer von Washington enthüllt brisante Details des Komplotts - und sie zeigt, wie tief Drahtzieher aus Iran in den geplanten Anschlag auf den saudischen Botschafter verstrickt sein könnten.

Iranische Agenten: Terrorplot in Washington Fotos
AFP

Berlin - Am 28. September schnappt die Falle zu. An jenem Mittwoch fliegt der iranisch-amerikanische Geschäftsmann Manssor Arbabsiar von Mexiko nach New York. Verdeckte US-Ermittler sind bereits mit an Bord. Kaum ist das Flugzeug auf dem Flughafen John F. Kennedy gelandet, zücken sie die Handschellen, nehmen Arbabsiar fest und bringen ihn in ein New Yorker Gefängnis. Es dauert nicht lange, bis der 56-Jährige gesteht.

Arbabsiar ist die Schlüsselfigur des ungeheuerlichen Anschlagsplans, den die US-Regierung am Dienstag öffentlich machte und der unter Mithilfe von Teilen der iranischen Regierung erarbeitet worden sein soll. Im Verbund mit hochrangigen Hintermännern in Teheran soll Arbabsiar über Monate hinweg geplant haben, den saudi-arabischen Botschafter in Washington, Adil al-Dschubeir, zu töten. Wie die US-Dienste dem Vorhaben auf die Schliche kamen und es letztlich verhinderten, zeigt die inzwischen veröffentlichte Anklageschrift der New Yorker Staatsanwaltschaft. Sie offenbart, wie akribisch die amerikanischen Ermittler vorgingen - und wie tief iranische Stellen in das Komplott verwickelt gewesen sein könnten. Sie sollen sogar das Codewort für die Aktion ersonnen haben: "Chevrolet".

Alles beginnt demnach im Frühling 2011. Der in Texas lebende Arbabsiar trifft sich in Teheran mit seinem Cousin, den er in seinem Geständnis als ranghohes Mitglied der berüchtigten Kuds-Brigaden bezeichnet. Dem Cousin schwebt vor, den saudischen Botschafter zunächst kidnappen zu lassen - und zwar von Leuten aus dem Drogen-Business. Weil Arbabsiar geschäftlich viel in Mexiko unterwegs ist, bietet er an, dort nach geeignetem Personal zu suchen.

Schnell wird er fündig. Am 24. Mai trifft sich Arbabsiar den Unterlagen zufolge in Mexiko mit einem Mann, den er für den Vertreter eines Drogenkartells hält. Was er nicht ahnt: Es handelt sich um einen ehemaligen Dealer, der inzwischen als Informant der US-Drogenfahndungsbehörde DEA sein Geld verdient. In den Akten wird der Agent nur mit einem kurzen Codenamen geführt: "CS-1".

Sein Cousin sei auch schon bei CNN zu sehen gewesen

Arbabsiar baut rasch ein Vertrauensverhältnis zu "CS-1" auf. Noch an jenem 24. Mai erzählt er dem Agenten, er könne sich vorstellen, eine Botschaft Saudi-Arabiens zu attackieren, und fragt, ob sich der vermeintliche Drogendealer im Bombenbau auskenne. Im Juni und Juli trifft er sich mehrfach mit "CS-1", um ihm seine Pläne ausführlicher zu schildern. Erstmals spricht er in dieser Zeit davon, den saudischen Botschafter töten zu wollen. Und "CS-1" solle sich um die Umsetzung kümmern. Die Idee: ein Anschlag auf ein Washingtoner Restaurant, in dem der Botschafter regelmäßig verkehrt.

Fortan zeichnet "CS-1" auf Geheiß seiner Chefs die Gespräche auf. Anmerken lässt er sich nichts. Im Gegenteil. Er brauche für ein solches Attentat "mindestens vier Leute", eröffnet "CS-1" dem iranisch-amerikanischen Geschäftsmann am 14. Juli 2011 und darüber hinaus 1,5 Millionen Dollar. "Das Geld ist im Iran", sagt Arbabsiar und sichert zu, als Anzahlung 100.000 Dollar zu überweisen. Dass es sich um ein Undercover-Konto des FBI handeln würde, weiß er freilich nicht.

Auch über seinen Cousin weiß Arbabsiar in den Gesprächen mit "CS-1" Interessantes zu berichten. Dieser sei "von den USA gesucht", ein "hoher General in der Armee", der auch schon "bei CNN" zu sehen gewesen sei. Sein Verwandter würde "in anderen Staaten für die iranische Regierung arbeiten", trage aber weder Uniform noch Waffe.

Es sind Details, die in den kommenden Wochen noch größere politische Brisanz entfalten könnten.

Am 17. Juli treffen sich die beiden wieder. Im Laufe des Gesprächs zeigt "CS-1" seinem Gegenüber offenbar ein Foto des saudischen Botschafters, das er auf seinem Computer gespeichert hat. "Ist das hier der Typ?", fragt er. Daraufhin Arbabsiar: "Ja, das ist er."

"CS-1" gibt vor, den Diplomaten schon beschatten zu lassen. So habe "sein Mann in Washington" erforscht, dass der Botschafter etwa sieben bis acht Sicherheitsleute um sich herum platziere und ein bis zwei Mal pro Woche ins Restaurant gehe. Dann äußert "CS-1" plötzlich Bedenken. "Ich weiß nicht genau, was Dein Cousin von mir erwartet", sagt er in Richtung Arbabsiar. Der Angesprochene antwortet unmissverständlich: "Er will, dass Du den Typen umlegst."

"CS-1" warnt gegen Ende des Gesprächs vor massenhaften Todesfällen, sollte es tatsächlich zu dem Anschlag in einem Restaurant kommen, auch US-Senatoren könnten dabei getötet werden. "Kein Problem", sagt sein Auftraggeber und fügt mit Blick auf seine Vertrauten in Teheran hinzu: "Sie wollen den Typen ermordet haben, wenn hundert mit ihm gehen, scheiß' auf sie."

Im August fließt die Anzahlung. In zwei Tranchen von jeweils knapp 50.000 Dollar.

Anfang September spricht Arbabsiar erneut mit dem Mann in Mexiko - diesmal am Telefon. Das Gespräch wird von "CS-1" aufgezeichnet. Arbabsiar fragt "CS-1", "ob das Gebäude angestrichen wird" - offenbar ein Code für die Anschlagsplanung. Dann versucht Arbabsiar, dem Mexikaner die Zusammenarbeit weiter schmackhaft zu machen. Er stellt mutmaßlich neue, noch größere Anschläge in Aussicht. "Wenn wir das machen, dann öffnet sich (…) uh (…) dann hast du die Nummer für den Safe".

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1. Genau!
HKo, 12.10.2011
Zitat von sysopCode-Wörter, konspirative Treffen, verdächtige Telefonate: Die Anklageschrift der US-Fahnder gegen die Verschwörer von Washington enthüllt brisante Details des Komplotts - und sie zeigt, wie tief Drahtzieher aus Iran in den geplanten Anschlag auf den saudischen Botschafter verstrickt sein könnten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,791400,00.html
Wer x Mal lügt, ...
2. ...
Netcube 12.10.2011
Was ein Glück, dass R2D2... sorry, natürlich "CS-1" zur richtigen Zeit am richtigen Ort mit dem richtigen Geschick das schlimmste verhindern konnte. Der zweite Held dieser Geschichte, der äußerst auskunftswillige Arbabsiar sollte aber auch nicht verschwiegen werden. Ich muss echt geschädigt sein, aber ich glaube irgendwie nix mehr...
3. .
angnaria 12.10.2011
Und mit dieser Geschichte geht die US Justiz und noch schlimmer das Aussenministerium in die Öffentlichkeit? Die haben nichts in der Hand als dass ein US Bürger (!!!!) 100.000 USD als Anzahlung für ein geplantes Verbrechen geleistet hat. 100.000 USD ist jetzt kein Betrag den ein Autohändler nicht ohne weiteres auftreiben könnte. Und zum angeblichen CNN-berühmten Cousin gibt es keine weitere Spur als die Aussage des Verdächtigen. Das stinkt sowas nach wichtigmachenden Einzeltäter. Aber wir wissen ja aus der Vergangenheit, dass die US Geheimdienste so versessen darauf sind, Erfolge vorzuweisen, dass sogar Berichte über mobile Giftgasproduktionsanlagen unreflektiert als Kriegsgrund herhalten können.
4. Generation YouTube
armintamsarian 12.10.2011
Zitat von NetcubeWas ein Glück, dass R2D2... sorry, natürlich "CS-1" zur richtigen Zeit am richtigen Ort mit dem richtigen Geschick das schlimmste verhindern konnte. Der zweite Held dieser Geschichte, der äußerst auskunftswillige Arbabsiar sollte aber auch nicht verschwiegen werden. Ich muss echt geschädigt sein, aber ich glaube irgendwie nix mehr...
Na Hauptsache du glaubst den YouTube-Loose-Change-Zeitgeist-Filmchen...
5. wo bleibt die ppp
deccpqcc 12.10.2011
Zitat von sysopCode-Wörter, konspirative Treffen, verdächtige Telefonate: Die Anklageschrift der US-Fahnder gegen die Verschwörer von Washington enthüllt brisante Details des Komplotts - und sie zeigt, wie tief Drahtzieher aus Iran in den geplanten Anschlag auf den saudischen Botschafter verstrickt sein könnten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,791400,00.html
etwas verworren das ganze. könnte man nicht in bewährter weise eine power-point-präsentation erstellen? vielleicht hat auch mr. powell wieder zeit sie vorzutragem-
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