Anschlagsversuch auf "Jyllands-Posten" Terrorverdächtige werden Haftrichter vorgeführt

Die Terrorverdächtigen, die einen Anschlag auf die dänische Zeitung "Jyllands-Posten" geplant haben sollen, sind dem Haftrichter vorgeführt worden. Aus Geheimdienstkreisen verlautete, einer der Männer solle freikommen.

Sprengstoffverdacht: Ein dänischer Polizist beim Einsatz im Kopenhagener Vorort Greve
DPA

Sprengstoffverdacht: Ein dänischer Polizist beim Einsatz im Kopenhagener Vorort Greve


Kopenhagen - Die Polizei kam mit großem Aufgebot: Dänische Sicherheitskräfte haben ein Haus im Kopenhagener Vorort Greve weiträumig abgesperrt - es wurde wegen der Gefahr einer Explosion vorsorglich evakuiert. Die Beamten hatten einen verdächtigen Gegenstand in den Räumen eines der Männer gefunden, die am Mittwoch im Zusammenhang mit einem geplanten Terroranschlag auf das Hauptstadtbüro der dänischen Zeitung "Jyllands Posten" in Kopenhagen festgenommen worden waren.

Den Zeitungen "Politiken" und "Jyllands-Posten" zufolge wurde der Fund in der Wohnung eines 26-jährigen Asylbewerbers aus dem Irak gemacht.

Die Polizei wollte zu den Berichten über die Evakuierung auf Nachfrage zunächst keine Stellungnahme abgeben. Laut "Politiken" sei ein Roboter für Bombenentschärfungen in das Gebäude gebracht worden. Das Gebäude sei in einem Umkreis von 100 Metern abgesperrt worden, außerdem habe ein Krankenwagen bereitgestanden. Eine Hausbewohnerin berichtete laut "Politiken": "Ein Polizist kam und sagte, wir sollten rausgehen und das sofort. Er sagte außerdem, wir sollten eine Menge warmer Kleider mitnehmen, weil das sehr lange dauern würde."

Aus Geheimdienstkreisen in Kopenhagen verlautete am Donnerstag, der Iraker solle wieder auf freien Fuß kommen. Der Asylbewerber gelte aber weiterhin als verdächtig, sagte ein Mitarbeiter des Geheimdienstes, der nicht genannt werden wollte. Die anderen drei in Dänemark festgenommenen Männer wurden einem Haftrichter vorgeführt.

Am Mittwoch hatten Sicherheitskräfte zwei Wohnungen in Vororten von Kopenhagen gestürmt und dabei insgesamt vier Männer festgenommen. Ein fünfter Terrorverdächtiger wurde in der schwedischen Hauptstadt Stockholm gefasst. Nach Angaben des dänischen Geheimdienstes PET hatten die mutmaßlichen Islamisten geplant, in den "kommenden Tagen" eine blutige Kommandoaktion ähnlich wie bei den Terroranschlägen im indischen Mumbai im Jahr 2008 im "Jyllands-Posten"-Gebäude zu verüben. Die Zeitung hatte im September 2005 umstrittene Karikaturen des Propheten Mohammed veröffentlicht und damit in der muslimischen Welt eine Welle der Empörung ausgelöst.

Dänemark reagierte entsetzt auf den nur knapp vereitelten Terroranschlag. Es bestehe für sein Land eine "sehr ernste Bedrohung" durch Terroristen, sagte Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen. Ungeachtet aller Gefahren dürfe die dänische Gesellschaft aber nicht ihre Offenheit verlieren. Die Grundwerte wie Demokratie und Meinungsfreiheit müssten davon unangetastet bleiben.

Auch der Karikaturist Kurt Westergaard, der mit seinen Mohammed-Zeichnungen den Hass der Islamisten auf sich zog, mahnte Beharrlichkeit an. "Wir dürfen und werden uns Kritik am radikalen Islamismus nicht verbieten lassen. Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen", sagte Westergaard der "Bild"-Zeitung. Der "Jyllands-Posten"-Zeichner war vor fast genau zwölf Monaten von einem Islamisten aus Somalia überfallen und dabei fast erschlagen worden.

hen/AFP/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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hr_schmeiss 30.12.2010
1. ...hm?
"Dänische Polizei räumt Haus von Terrorverdächtigem": Hm, Gehnietief und so, müsste das nicht heissen: "...räumt dem Terrorverdächtigen sein Haus"? Oder hat die Polizei den Terrorverdächtigen rausgeräumt? Vielleicht phällt das auch bald in den Aufgabenbereich des Sourcreme-Ministers...
meta_morfos 30.12.2010
2. Man darf gespannt sein..
Wo sind denn die Beweise? Was hat man denn bei den Männern gefunden? Wo sind denn die Waffen? Bis jetzt beruht das ganze nur auf Infos von Geheimdienstlern, die geheim sind. Nicht eine einzige Tatsache wurde bisher bekannt, die die Geschichte untermauert, nur Sätze mit "gefährlich", "Blut", "Tote" usw. Passiert ist aber gar nichts. Nichts! Was ist das für eine Berichterstattung? Noch besser ist der Deutschlandfunk: Da wird alle halbe Stunde wiederholt, dass es bei dem Anschlag "möglichst viele Tote" geben sollte. Was ist das für eine Info? Wer hat das gesagt? Und was bitte ist ein "verdächtiger Gegenstand"? Das ganze ist doch eine Farce.
Geziefer 30.12.2010
3. Was ist bloß aus Dänemark geworden?
Zitat von sysopHatte er Sprengstoff in seiner Wohnung versteckt? Die Polizei in Dänemark hat das Wohnhaus eines Irakers geräumt, der zuvor als Verdächtiger wegen eines geplanten Anschlags auf die Zeitung "Jyllands-Posten" festgenommen worden war. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,737110,00.html
Als die Dänen noch in großer Zahl mit den Schiffen der internationalen Handelsflotten über alle Meere und in alle Länder der Welt fuhren, war das Land weltoffen und liberal. Die Bauern-Dänen, die nur ihre Ackerfurchen zogen und selten darüber hinaus schauten, blieben in der Minderheit. Heute scheint sich das Verhältnis umgekehrt zu haben: Das Land ist weltweit dafür bekannt, dass es Menschen, die nicht von den Wikinger abstammen, nicht in ihrem Land sehen will. Wer ablehnt und diskriminiert und zugleich noch relativ klein ist, muss sich nun, wie die Dänen, mit den Reaktionen darauf auseinander setzen. Pawlow hätte seine "Freude" an der Aufschaukelung dieser mörderischen Auseinandersetzung.
Oscar Madison 30.12.2010
4. Lesen hilft
Zitat von meta_morfosWo sind denn die Beweise? Was hat man denn bei den Männern gefunden? Wo sind denn die Waffen? Bis jetzt beruht das ganze nur auf Infos von Geheimdienstlern, die geheim sind. Nicht eine einzige Tatsache wurde bisher bekannt, die die Geschichte untermauert, nur Sätze mit "gefährlich", "Blut", "Tote" usw. Passiert ist aber gar nichts. Nichts! Was ist das für eine Berichterstattung? Noch besser ist der Deutschlandfunk: Da wird alle halbe Stunde wiederholt, dass es bei dem Anschlag "möglichst viele Tote" geben sollte. Was ist das für eine Info? Wer hat das gesagt? Und was bitte ist ein "verdächtiger Gegenstand"? Das ganze ist doch eine Farce.
"PET-Chef Scharf erklärte, dass bei den Männern unter anderem mit Schalldämpfern ausgerüstete Maschinenpistolen und weiße Plastikriemen, wie sie zum Fesseln von Hand- und Fußgelenken benutzt werden, gefunden worden seien. " Wahrscheinlich wollten sie nur Gotcha spielen.
cproft, 30.12.2010
5. Hier könnte Werbung für Asyl und Multikulti stehen
Zitat von meta_morfosWo sind denn die Beweise? Was hat man denn bei den Männern gefunden? Wo sind denn die Waffen? Bis jetzt beruht das ganze nur auf Infos von Geheimdienstlern, die geheim sind. Nicht eine einzige Tatsache wurde bisher bekannt, die die Geschichte untermauert, nur Sätze mit "gefährlich", "Blut", "Tote" usw. Passiert ist aber gar nichts. Nichts! Was ist das für eine Berichterstattung? Noch besser ist der Deutschlandfunk: Da wird alle halbe Stunde wiederholt, dass es bei dem Anschlag "möglichst viele Tote" geben sollte. Was ist das für eine Info? Wer hat das gesagt? Und was bitte ist ein "verdächtiger Gegenstand"? Das ganze ist doch eine Farce.
Es dürfte doch nachvollziehbar sein, daß man die Leute beschattet, bis man belastbare Beweise hat. Es dürfte nachvollziehbar sein, daß man Vorkehrungen trifft, um einzugreifen, falls die eigentliche Tatausführung anläuft. Es dürfte ferner klar sein, daß man nicht mit Einzelheiten an die Öffentlichkeit geht, um die Ermittlungen nicht zu gefährden und Detailwissen an evtl. Mittäter weiterzuleiten. Als die Dänen noch weltoffen waren, hatte man die Türken vor Wien zurückgeschlagen und der Islam hatte für einige Jahrhunderte gelernt, daß sein Eroberungswillen in Europa auf wenig Gegenliebe stößt. Mittlerweile gibt es konservative Strömungen im Islam, die versuchen, eine Religion und Weltanschauung, die in Europa nach wie vor auf wenig Gegenliebe stößt, hier mit allen Mitteln zu etablieren. Finanzielle Ressourcen aus Bodenschätzen und die zunehmende Vernetzung der Welt im Rahmen der Globalisierung erleichtert ihnen ihre Vorgehensweise. Wer aber versucht, einem anderen Kulturkreis -wie unserem- seine aus unserer Sicht archaische Lebensweise aufzudrücken und sich gegenüber den Errungenschaften der Aufklärung verschließt (dazu gehört auch die Möglichkeit, etwas zu karikieren, ohne daß gleich der "heilige Krieg" ausgerufen wird), braucht sich über Ablehnung und Diskriminierung nicht zu wundern. Wenn dann noch "Asylbewerber" hier als Islamisten auffallen, braucht es auch nicht zu wundern, wenn die Bereitschaft, Menschen aus islamischen Ländern aufzunehmen, gegen Null geht.
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