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Anti-China-Proteste: IOC-Chef droht mit Stopp des Olympischen Fackellaufs

Die Anti-China-Proteste zeigen Wirkung: IOC-Chef Rogge kündigte an, dass das Komitee am Freitag über einen Abbruch des globalen Fackellaufs diskutieren soll. Auch bei der nächsten Station des Laufs in San Francisco werden massive Demonstrationen erwartet.

Peking - Endet jetzt eine jahrzehntelange Tradition der Olympischen Spiele? Dem Internationalen Olympischen Fackellauf droht das Aus: Wegen der Anti-China-Proteste in London und Paris hat sich IOC-Chef Jacques Rogge dafür ausgesprochen, über das Ende des globalen Fackellaufes zu diskutieren. Das Thema solle beim Treffen des IOC-Exekutivausschusses am Freitag besprochen werden, sagte Rogge der Nachrichtenagentur AP. Er sei "tief betrübt" über die gewaltsamen Proteste in London und Paris, sagte Rogge.

IOC-Vizepräsidentin Gunilla Lindberg äußerte sich ähnlich. Auf die Frage, ob sie einen Abbruch des internationalen Teils des Fackellaufs durch das IOC für möglich halte, sagte Lindberg, sie sei sich sicher, dass es darüber bei dem Treffen Diskussionen geben werde.

Zuvor hatte bereits ein weiteres IOC-Mitglied Konsequenzen gefordert: Die "internationale Route" müsse überdacht werden, erklärte Kevan Gosper, australisches IOC-Mitglied. Zwar sollte die 137.000 Kilometer lange Reise nach Peking wie geplant fortgesetzt werden, sagte Gosper. Das IOC solle jedoch erwägen, die Flamme künftig aus dem griechischen Olympia direkt in das jeweilige Gastgeberland zu schicken.

Gleichzeitig verurteilte Gosper die jüngsten Proteste in London und Paris. "Alles, was ich sagen kann ist, dass wir äußerst enttäuscht sind", sagte Gosper. Die Demonstranten zeigten mit ihren Protesten ihren "Hass" gegen China, das Gastgeberland der Olympischen Sommerspiele, und dieser Hass richte sich dann gegen "unsere Fackel".

Nach den Vorkommnissen beim Olympischen Fackellauf in Paris forderte das IOC, "das Recht der Fackel" zu respektieren, "friedlich herumgereicht zu werden". Wie es in einer jetzt veröffentlichten Pressemitteilung am Rande der olympischen Woche in Peking weiter hieß, wird das IOC auch das "Recht einer friedlichen Demonstration" respektieren. Mehrere Tausend pro-tibetische Demonstranten hatten beim Fackellauf in Paris für tumultartige Szenen gesorgt. Die Fackel war nach Polizeiangaben sogar für rund 20 Minuten erloschen. Auch in London hatte sich die Zeremonie am Sonntag zu einem Spießrutenlauf entwickelt.

Der Sprecher des Pekinger Organisationskomitees der Spiele sagte, der Fackellauf werde weitergeführt. "Keine Kraft" könne ihn stoppen. "Der Fackellauf wird seine Reise weiter fortsetzen mit der Unterstützung von Menschen in der ganzen Welt", sagte Sun Weiode. "Wir verurteilen entschieden den Protest einer Handvoll von Demonstranten, die den Fackellauf in Paris sabotieren wollten".

Auch bei der nächsten Station der Olympischen Fackel in San Francisco am Mittwoch wird mit massiven Protesten gerechnet. Pro-tibetische Demonstranten haben schon jetzt mit einer spektakulären Aktion auf der Golden Gate Brücke gegen Chinas Menschrechtspolitik protestiert. Mitglieder der Gruppe "Studenten für ein freies Tibet" erklommen das Wahrzeichen der US-Küstenstadt und hängten zwischen den Stahlseilen ein Transparent mit der Aufschrift "Eine Welt, ein Traum, Freies Tibet" auf. Mehrere Stunden war das Banner zu sehen, bevor es von Brückenarbeitern wieder abgenommen wurde. Sieben Menschen wurden festgenommen. Nach den Protesten in Paris sollen die Sicherheitsvorkehrungen in San Francisco verschärft werden.

Dies kündigte Bürgermeister Gavin Newsom an, ohne aber konkrete Maßnahmen bekanntzugeben. Newsom stellte in Aussicht, dass die geplante zehn Kilometer lange Route für den Lauf entlang einer Hafenpromenade verkürzt werden könnte. Nach Angaben der Polizei werden Beamte zum Schutz der 80 Fackelträger an deren Seite mitlaufen. Mehr als 500 Sicherheitskräfte sollten beim Eintreffen der Flamme aus Paris am Flughafen von San Francisco zugegen sein. Beim einzigen Stopp der Flamme in den USA haben Tibet-Unterstützer und mehrere Menschenrechtsgruppen Kundgebungen und Proteste geplant.

Peter Ueberroth, Chef des Nationalen Olympischen Kommitees der USA (USOC), ist vorzeitig von der Tagung aller NOKs aus Peking abgereist, um als Krisenmanager die Ankunft des Olympischen Feuers in San Francisco zu begleiten. "Er war geschockt, was sich dort gerade aufbaut und welche Gruppen plötzlich auf den Protest aufspringen", berichtete IOC-Vize Thomas Bach. Ueberroth machte sich einen Namen als Organisator der Sommerspiele von Los Angeles 1984, die erstmals ohne staatliche Zuschüsse finanziert wurden und einen Reingewinn von 225 Millionen Dollar brachten.

hen/ffr/dpa/AP/AFP

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