Ägypten: Mehrere Tote bei Protesten gegen Präsident Mursi

Hunderttausende Ägypter haben von Präsident Mursi den Rücktritt verlangt - bei den Protesten kam es zu Gewalt. Mindestens sieben Menschen starben, Hunderte wurden verletzt. Gegner des Staatschefs attackierten mit Brandsätzen und Schusswaffen die Parteizentrale der Muslimbruderschaft.

Kairo - Die Zentrale der ägyptischen Muslimbruderschaft in Kairo ist am Sonntag während der Proteste gegen Präsident Mohammed Mursi mit Brandsätzen und Schüssen angegriffen worden. Rund "150 Rowdys" hätten Molotow-Cocktails und Steine auf das Gebäude im Stadtteil Mokattam geworfen und mit feinem Schrot geschossen, sagte ein Sprecher der Islamisten.

Im ägyptischen Fernsehen war zu sehen, wie Dutzende Menschen das Gebäude attackierten. Regierungsgegner setzten die Zentrale der islamistischen Muslimbruderschaft in Teilen in Brand und lieferten sich Schießereien mit dem Wachpersonal. Zwei Menschen starben. Die Muslimbruderschaft unterstützt Präsident Mursi.

Mindestens sieben Tote

Insgesamt waren landesweit Hunderttausende Mursi-Gegner auf den Straßen und forderten dessen Rücktritt. Zu Massendemonstrationen kam es in der Hauptstadt Kairo sowie in Alexandria, im Nildelta und in weiteren Städten des Landes.

Mindestens sieben Menschen seien getötet, mehr als 600 Menschen verletzt worden, berichtete "al-Ahram". Die Zeitung berief sich auf das Gesundheitsministerium.

Vier Tote bei den Demonstrationen

In der südlichen Provinz Assiut eröffneten nach Angaben der Sicherheitsbehörden bewaffnete Unbekannte auf einem Motorrad das Feuer auf protestierende Aktivisten. Dabei seien drei Menschen getötet worden, mindestens acht erlitten Verletzungen. Ein Demonstrant starb laut lokalen Medienberichten in der Stadt Bani Suwaif bei Zusammenstößen zwischen Unterstützern und Gegnern Mursis. In Fajum sei ein 18-Jähriger ums Leben gekommen.

In der Hafenstadt Alexandria klagten mehrere Demonstranten über Vergiftungserscheinungen, nachdem sie von Unbekannten am Straßenrand umsonst Flaschen mit Wasser und Limonade erhalten hatten.

Bei den zentralen Kundgebungen auf dem Kairoer Tahrir-Platz und vor dem Präsidentenpalast blieb es hingegen ruhig. Bis zum frühen Montagmorgen harrten dort zahlreiche Menschen aus. Oppositionsaktivisten kündigten an, so lange demonstrieren zu wollen, bis Mursi zurücktrete. Ähnliche Szenen hatten sich im Arabischen Frühling 2011 bei den Protesten gegen den damaligen Machthaber Husni Mubarak abgespielt.

Wenige Kilometer vom Amtssitz Mursis entfernt versammelten sich im Kairoer Vorort Nasr-City Zehntausende Anhänger der islamistischen Parteien, um ihre Solidarität mit dem Präsidenten zu bekunden. Einige von ihnen trugen Stöcke und Helme bei sich.

Mursi war am Sonntag ein Jahr im Amt. Die Opposition rief ihre Anhänger auf, bis zum Rücktritt Mursis auf den Straßen zu bleiben. In einer am Sonntagabend veröffentlichten Erklärung mit dem Titel "Revolutionserklärung 1" hieß es, "alle revolutionären Kräfte und alle Bürger" sollten ihren friedlichen Protest fortsetzen, "bis der letzte dieses diktatorischen Regimes fällt".

heb/ade/AFP/Reuters/dpa

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insgesamt 27 Beiträge
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1. Mutig
theresarain 30.06.2013
und nur konsequent. Bliebe Mursi im Amt, wäre der "arabische Frühling" nämlich eher ein "arabischer Winter". Denn ein islamistischer Staat wie Mursi ihn anstrebt wäre wohl noch schlimmer als alles was vorher war. Ich wünsche den liberalen Kräften im Land alles Glück der Welt!!!
2. Zehntausende?
blaupunktrochen 30.06.2013
Zitat: "Insgesamt waren landesweit zehntausende Gegner Mursis auf den Straßen und forderten dessen Rücktritt." SPON sollte sich mal besser informieren - und hier nicht desinformieren! Es waren (und sind noch) MILLIONEN von Ägyptern landesweit auf der Straße um gegen Mursi zu demonstrieren! Wer´s nich glaubt, sollte man AlJazeera schauen oder folgenden Link anklicken: http://english.ahram.org.eg/NewsContentP/1/75341/Egypt/Live-updates--Millions-pour-onto-Egypts-streets-fo.aspx
3. Bürgerkrieg
ediart 30.06.2013
Kann man ja schon mal in der Politik Überlegungen anstellen, wem man demnächst Waffenlieferungen zu kommen lässt. Muss natürlich abgewogen werden wo die Vorteilnahme b.z.w. wie die Interessenlage der industriestaaten zu bewerten ist.
4. Diese Politiker
Lengsteiner 30.06.2013
riskieren eher einen Bürgerkrieg und ihren eventuellen Tod, bevor sie verstehen wollen, dass sie nicht mehr das Vertrauen eines Teiles des Volkes haben. Gewinner des Aufstandes wird wohl das Militär sein.
5. Tja,
teletube 30.06.2013
nicht mehr so einfach für die religiösen Flachpfeifen, einen Gottesstaat zu errichten, was ja nichts anderes bedeutet, als Unterdrückung, Machterhalt und dabei selbst in Saus und Braus leben auf Kosten der Bevölkerung. Ich bin etwas beruhigt, denn die Menschen dort lassen sich nicht mehr so einfach verscheißern von dem blöden Geschwätz der Religiösen. Dasselbe gilt für die Türkei.
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Fläche: 1.002.000 km²

Bevölkerung: 81,121 Mio.

Hauptstadt: Kairo

Staatsoberhaupt:
Adli Mansur (interimistisch)

Regierungschef: Ibrahim Mahlab

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