Anti-Rassismus-Plakat der Uno Legostein des Anstoßes

Was hat Lego mit Rassismus zu tun? Das fragten sich viele Dänen angesichts des neuen Uno-Plakats zum Anti-Rassismus-Tag. Die Anspielung auf den Karikaturenstreit scheint der Uno inzwischen peinlich zu sein: Das Plakat wurde von der Website entfernt.

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Berlin - Einen Anlass zum Grübeln und Nachdenken zu geben ist sicher kein Verbrechen. Das Uno-Menschenrechtskommissariat jedoch hat sich gestern einen groben Fehltritt geleistet. Pünktlich zum 21. März, dem jährlichen "Internationalen Tag für die Beseitigung der Rassendiskriminierung", veröffentlichte die Behörde ein Plakat mit dem Titel "Racism takes many shapes" (Rassismus existiert in vielen Formen). Zu sehen ist ein unscharfes dunkles Puzzlefragment und ein klar umrissener roter Legostein.

Uno-Plakat: "Wenn überhaupt, dann ist Lego das Opfer"

Uno-Plakat: "Wenn überhaupt, dann ist Lego das Opfer"

Was will uns die verantwortliche Uno-Menschenrechtskommissarin Louise Arbour damit sagen? Lässt sich das Plakat einfach unter der Kategorie "abstrakte Kunst" ablegen? Soll man es bildlich nehmen und zukünftig mehr puzzeln, nach dem Motto: Kinder, nehmt bloß die Hände vom rassistischen Lego? Warum mutiert der Legostein plötzlich zum Uno-Instrument?

Das Motto des Anti-Rassismus-Tages lässt auf eine politische Metapher schließen, ein Zusammenhang mit dem Karikaturenstreit der vergangenen Monate liegt nahe. Lego ist das bekannteste dänische Produkt, und Dänemark war das Hauptziel der weltweiten Proteste gegen die als rassistisch gebrandmarkten Mohammed-Karikaturen.

Legostein als Agressor

Aber welche Botschaft will die Uno senden? Das Sinnbild des kleinen Dänemarks als Opfer von maßlosen Übergriffen? Das wäre eine durchaus mutige Aussage in Zeiten westlicher Eigenzensur. Doch wird auf dem Plakat nicht etwa der Legostein bedroht, was die Gewaltausbrüche gegen dänische Einrichtungen im Nahen und Mittleren Osten metaphorisch nahelegen würden. Vielmehr ist der Legostein der Aggressor. Die westliche Meinungsfreiheit als Element des Rassismus - ist das die Botschaft der Uno?

Das Menschenrechtskommissariat wiegelt ab. Es sei nie Absicht des Kommissariats gewesen, eine Verbindung zwischen Dänemark und Rassismus herzustellen, erklärt Pressesprecher José Luis Díaz gegenüber SPIEGEL ONLINE. "Ich sage Ihnen, wie ich das Poster sehe: Der Lego-Baustein ist vom Rest ausgeschlossen und wird ferngehalten. Wenn überhaupt, dann ist Lego das Opfer." Doch auch diese Lesart sei ursprünglich nicht beabsichtigt gewesen.

Was aber war dann gemeint? Das Poster muss im Kontext gesehen werden. Jüngste Äußerungen des Uno-Sonderberichterstatters für Rassismus, Rassendiskriminierung und Fremdenhass, Doudou Diène, wecken Zweifel, ob die Aussagen des Pressesprechers common sense in der Uno-Behörde ist. Ein von Diène verfasster, jedoch noch nicht veröffentlichter Bericht zum Karikaturenstreit, aus dem dänische Medien am Wochenende zitierten, übt harsche Kritik an der Regierung Dänemarks. So heißt es, Kopenhagen habe gegen völkerrechtliche Verpflichtungen verstoßen. Der Umgang der dänischen Regierung mit den Mohammed-Karikaturen sei symptomatisch für die politische Banalisierung der Islamophobie und Kränkung einer Religion in Dänemark. "Die Karikaturen waren absolut erniedrigend", heißt es in dem Uno-Bericht.

Plakat von Website entfernt

Vor diesem Hintergrund kommt man an der Dänemark-Interpretation des Plakats nicht vorbei. Die auf der Website des Menschenrechtskommissariats veröffentlichten "Zielsetzungen des Tages" untermauern die fragwürdige Absicht des Gremiums. So soll der internationale Anti-Rassismus-Tag das öffentliche Bewusstsein schärfen "für alltägliche rassistische Einstellungen, die, selbst wenn nicht offen aggressiv und gewalttätig, dennoch erniedrigend, verletzend und provokativ sind sowie Missachtung und Respektlosigkeit vermitteln".

Gestern Abend war das Plakat dann plötzlich von der Website verschwunden. Der Pressesprecher erklärt dies auf Nachfrage so: "Das Plakat wurde für den Anti-Rassismus-Tag am 21. März erstellt. Da ist es doch nur logisch, dass es am Ende des Tages von der Website genommen wird." Man fragt sich allerdings, warum dann alle weiteren Informationen zu diesem Tag noch immer auf der extra für diesen Anlass erstellten Website abrufbar sind. Warum wurde nur das Plakat entfernt, wenn doch die eigentliche Absicht so unschuldig war?

Der wahre Grund für den Rückzieher könnten die dänischen Reaktionen sein, mit denen das Uno-Kommissariat gestern den ganzen Tag konfrontiert war. Die Zeitung "Jyllands-Posten", die die umstrittenen Mohammed-Karikaturen als erste abgedruckt hatte, berichtete ausführlich. Der Direktor des dänischen Instituts für Menschenrechte, Claus Haagen Jensen, verurteilte die Aktion vehement, und Pia Kjærsgaard, die Vorsitzende der dänischen Volkspartei, gab sich schockiert: "Man müsste schon mehr als naiv sein, um diese Aktion nicht als eine abscheuliche Beleidigung zu sehen." Und Lego? Eine Sprecherin des Unternehmens kündigte gestern an, die Uno alsbald in dieser Sache zu kontaktieren.



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