Anti-Terror-Aktion Jüdische Schulen in Belgien bleiben geschlossen

Nach dem großen Polizei-Einsatz mit zwei Toten gilt in Belgien die zweithöchste Terrorwarnstufe. Jüdische Schulen in Antwerpen und Brüssel bleiben dicht, offenbar standen sie auf der Liste möglicher Ziele der mutmaßlichen Terrorzelle.


Brüssel - Die großangelegte Anti-Terror-Aktion der belgischen Polizei hat bis in die Nacht gedauert. Die Behörden riefen die zweithöchste Terrorwarnstufe für öffentliche Gebäude und Polizeireviere aus.

Verantwortliche der jüdischen Gemeinde entschieden sich einem Medienbericht zufolge dazu, dass am Freitag jüdische Schulen in Antwerpen und Brüssel geschlossen bleiben sollen. Wie auf der Internetseite der Zeitung "Joods Actueel" zu lesen war, waren die Vertreter zuvor informiert worden, dass die Einrichtungen zu potenziellen Anschlagszielen gehörten.

Im Mai vergangenen Jahres waren bei einem Anschlag im Jüdischen Museum in Brüssel vier Menschen getötet worden.

Die Regierung berät über schärfere Sicherheitsmaßnahmen. Bei der Kabinettssitzung am Freitag werde es um die Frage gehen, wie mögliche Terroranschläge verhindert werden könnten, meldete das belgische Radio RTBF. Dabei gehe es etwa um Maßnahmen zum Schutz gegen rückkehrende Kämpfer aus Syrien oder dem Irak. Angedacht sei auch, die Telefon-Überwachung von Verdächtigen auszuweiten.

Mit dem Anti-Terror-Einsatz am Donnerstag hat die belgische Polizei offenbar Anschlagspläne von Dschihadisten vereitelt. Nach Angaben der Ermittler stand ein größerer Angriff unmittelbar bevor. Im Grenzgebiet zu Deutschland wurden bei dem Einsatz zwei Terrorverdächtige bei einem Schusswechsel getötet, ein dritter überlebte. Er wurde bei dem Zugriff in Verviers am Donnerstag festgenommen und soll am Freitag einem Richter vorgeführt werden.

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Belgien: Zugriff in Verviers
Der Zugriff in Verviers unweit der deutschen Grenze erfolgte gegen 18 Uhr. Als die Spezialkräfte eintrafen, hätten die mutmaßlichen Dschihadisten "sofort" das Feuer eröffnet, dabei hätten sie Sturmgewehre und andere schwere Waffen eingesetzt, sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft. Kein Polizist oder Anwohner wurde verletzt.

Durchsuchungen gab es an zehn verschiedenen Stellen im Land, auch in Brüssel und Umgebung. Die Staatsanwaltschaft will sich um 11 Uhr in Brüssel zu weiteren Einzelheiten äußern.

"Insbesondere Polizeikräfte waren das Ziel in Belgien", berichtete der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Eric van der Sypt, auf einer Pressekonferenz am Abend über die mutmaßlichen Pläne der Verdächtigen. Die Ermittler sprachen von einer Terrorzelle; einige ihrer Mitglieder seien aus Syrien heimgekehrt.

Einen Zusammenhang mit den islamistischen Attentaten, die Frankreich vergangene Woche erschüttert hatten, sieht die Staatsanwaltschaft nicht. Ein hochrangiger belgischer Geheimdienstmitarbeiter sagte dem US-Sender CNN, man nehme an, dass die mutmaßliche Zelle Anweisungen von der in Syrien und im Irak aktiven Terrormiliz "Islamischer Staat" erhalten habe.

fab/AFP/dpa



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