Reaktionen auf Terror-Einsatz Hollande erwartet rasche Auslieferung Abdeslams

Der bei einer Razzia festgenommene Terrorverdächtige Salah Abdeslam soll schnellstmöglich nach Frankreich ausgeliefert werden. Die Terrorbedrohung in Frankreich ist laut Präsident Hollande immer noch groß.


Frankreichs Präsident François Hollande hat eine rasche Auslieferung des in Brüssel gefassten mutmaßlichen Terroristen Salah Abdeslam gefordert. Er gehe davon aus, dass die französischen Justizbehörden schnell einen entsprechenden Antrag stellten, sagte er bei einer Pressekonferenz mit dem belgischen Premier Charles Michel in Brüssel. Für Samstag kündigte Hollande eine Sitzung des französischen Sicherheitsrats an.

Der belgische Justizminister Koen Geens sagte, die Auslieferung Abdeslams sei lediglich eine Formalie. Der 26-jährige Franzose wäre der erste mutmaßliche Terrorist, der wegen der Pariser Anschläge in Frankreich vor Gericht kommt.

Der am Freitag festgenommene Abdeslam sei nach den vorliegenden Erkenntnissen unmittelbar an der Vorbereitung und Organisation der Anschläge in Paris beteiligt gewesen, sagte Hollande. Michel bezeichnete diesen Fahndungserfolg als "äußerst wichtig im Kampf für Demokratie" und gegen den Extremismus. Abdeslam soll unter anderem Mietautos und Zimmer für die Terrorkommandos organisiert und mehrere Attentäter zu Anschlagsorten gefahren haben. (Lesen Sie hier mehr über die Anschlagsserie.)

Hollande sagte, die Zahl derjenigen, die sich an der Vorbereitung der Anschläge in irgendeiner Art und Weise beteiligt hätten, sei größer als zunächst angenommen. Aufgabe der Ermittler sei es, alle zu identifizieren. "Diese Arbeit muss fortgeführt werden", sagte Hollande. "Wir sind mit extrem großen Netzwerken konfrontiert." Die Festnahme ändere kaum etwas an der Gefährdungslage. "Überall, in Belgien wie in Frankreich, ist die Bedrohung sehr groß", sagte er. Aufgabe der Ermittler sei es, alle Verantwortlichen zu identifizieren.

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Belgien: Die Jagd auf die mutmaßlichen Paris-Attentäter
Auch die Hinterbliebenen der Pariser Terroropfer verlangen nach der Festnahme Abdeslams dessen sofortige Auslieferung nach Frankreich. Dies sei der Wunsch ihrer Mandanten, um den in Belgien gefassten Terrorverdächtigen "zur Rechenschaft zu ziehen", sagte die Opferanwältin Samia Maktouf dem Sender BFMTV.

"So kann jetzt ein Urteil über ihn gesprochen werden", sagte der Präsident der Opfervereinigung "13. November", George Salines, dem Sender. Er sei "überrascht, erleichtert und empfinde Genugtuung, dass es einen echten Prozess gegen jemanden geben wird, der sehr direkt in die Attentate verwickelt war".

Die belgische Polizei hatte Abdeslam bei einer Razzia im Brüsseler Stadtteil Molenbeek festgenommen. Die Beamten fassten damit den Hauptverdächtigen der Pariser Attentate im November und vier weitere Personen. Abdeslam war bei dem Polizeieinsatz verletzt worden.

Der französische Präsident Hollande hatte am frühen Abend den EU-Flüchtlingsgipfel verlassen, um mit den belgischen Premier Michel in dessen Amtssitz kurz nach 18 Uhr zusammentreffen. Dieser hatte zuvor bereits fluchtartig das EU-Treffen verlassen. Michel twitterte später ein Bild mit Hollande, "Besprechung des Polizeieinsatzes mit Präsident Hollande".

Die Staatsanwaltschaft hatte kurz zuvor bestätigt, dass nach der Schießerei am Dienstag eine neue Spur des mutmaßlich an den Pariser Anschlägen beteiligten Abdeslam entdeckt worden sei. In einer gestürmten Wohnung im Brüsseler Vorort Forest hatten die Ermittler seine Fingerabdrücke gefunden. Bei dem Polizeieinsatz wurden ein Mann getötet und vier Beamte verletzt.

Der aktuelle Ermittlungsstand zu den Täter und Anschlägen von Paris
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brt/heb/mxw/dpa/AFP

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