Anti-Terror-Kampf USA drohen mit Militäreinsatz in Pakistan

Die USA schlagen Alarm: Die Lage an Pakistans Grenze mit Afghanistan drohe außer Kontrolle zu geraten, Osama Bin Laden habe dort einen sicheren Unterschlupf gefunden - jetzt schließt die Regierung Bush einen direkten Militäreinsatz nicht mehr aus. Pakistan ist entsetzt.


Washington - Die "vorrangige Aufgabe" sei "der Schutz des amerikanischen Volkes": Mit diesem Worten bestätigte Fran Townsend, Anti-Terror-Beauftragte von Präsident George W. Bush, dass die USA einen Militäreinsatz gegen al-Qaida in Pakistan nicht ausschließen. "Wir werden alle unsere Instrumente nationaler Macht einsetzen, um effizient zu sein." Es sei "keine Frage, dass wir jedes verfügbare Instrument einsetzen, um das Problem Osama Bin Laden, Aiman al-Sawahiri und al-Qaida zu lösen". Sawahiri ist Bin Ladens Stellvertreter.

Grenzregion Wasiristan: Suche nach Bin Laden
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Grenzregion Wasiristan: Suche nach Bin Laden

Die USA wollen mit der Drohung offensichtlich den Druck auf Pakistan erhöhen, gegen die Hochburgen von Radikalen im Grenzgebiet zu Afghanistan vorzugehen - notfalls wollen sie in der Region selbst eingreifen.

Geheimdienstkoordinator Michael McConnell hatte gestern gesagt, Bin Laden sei noch am Leben: "Meiner Ansicht nach lebt er noch. Und ich glaube, er ist in der Stammesregion von Pakistan." Bin Laden wird demnach in der Region Wasiristan vermutet, im Westen Pakistans an der Grenze zu Afghanistan. McConnell machte die pakistanische Regierung dafür verantwortlich, dass sich al-Qaida neu gruppieren konnte. Schuld sei vor allem ein umstrittenes Friedensabkommen mit Stammesführern im vergangenen September, das die Grenzregion zu Afghanistan zu einem weitgehend gesetzlosen Gebiet gemacht habe.

Pakistans Präsident Pervez Musharraf hatte das Abkommen mit Stammesführern in Wasiristan getroffen, in dem diese sich verpflichteten, keine Terroristen zu unterstützen. In der vergangenen Woche erklärten jedoch mehrere Stammes-Anführer das Abkommen für nicht mehr gültig, weil die pakistanische Regierung sich nicht an ihren Teil gehalten habe.

Pakistan verwahrt sich gegen Eingriff der USA

Die pakistanische Regierung warnt die USA eindringlich vor einer solchen Militäroperation. So etwas wäre "komplett kontraproduktiv" für die USA, sagte Außenminister Khurshid Kasuri. Er wies die Vorwürfe zurück, zu wenig gegen die Hochburgen der Radikalen zu unternehmen. "Das pakistanische Militär ist bereits in den Stammesgebieten", sagte er. "Pakistans Hingabe kann von niemandem bezweifelt werden." Sein Land habe 85.000 Soldaten in der Grenzregion zwischen Pakistan und Afghanistan im Einsatz.

Sollten die USA dort eingreifen, "werden sie den Krieg verlieren - den Krieg um die Herzen und Hirne", sagte Kasuri. "Unsere Hingabe ist absolut, aber dieser Krieg - oder wie auch immer man das nennen mag - kann nur gewonnen werden, wenn wir die Herzen und Hirne auf unserer Seite haben."

Bei einem Bombenanschlag in Nord-Wasiristan wurden heute erneut fünf pakistanische Soldaten bei einem Anschlag verletzt. Den Behörden zufolge explodierte der Sprengsatz am Straßenrand und traf das Fahrzeug der Sicherheitskräfte. Der Anschlag habe sich etwa 40 Kilometer südlich der Stadt Miranshah ereignet. Nur wenige Stunden zuvor hatte es zwei Raketenangriffe auf einen Stützpunkt der Sicherheitskräfte in einem nahe gelegenen Ort gegeben.

In Pakistan hatte es Anfang Juli einen blutigen Kampf um die Rote Moschee in Islamabad gegeben. Fundamentalisten besetzten das Gelände, bei den Kämpfen und der anschließenden Stürmung der Moschee durch die Armee starben weit mehr als 100 Menschen. Seither gab es zahlreiche Anschläge mit ebenfalls weit mehr als 100 Toten.

flo/Reuters/AFP

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