Anti-Terror-Kriege Verwirrung um Bushs göttlichen Auftrag

Eine angebliche Äußerung des US-Präsidenten George W. Bush stiftet Verwirrung: Gegenüber hochrangigen palästinensischen Politikern soll er erklärt haben, er habe von Gott den Befehl zum Einmarsch in den Irak und nach Afghanistan erhalten. Das Weiße Haus dementierte das Zitat.


London - Der ehemalige palästinensische Außenminister Nabil Schaath, inzwischen Informationsminister, zitiert Bush in einem TV-Beitrag der BBC mit den Worten: "Ich handele im Auftrag von Gott. Gott hat mir gesagt: 'George, geh nach Afghanistan und bekämpfe diese Terroristen.' Das habe ich getan, und dann hat Gott mir gesagt: 'George, beende die Tyrannei im Irak...' Und das habe ich getan. Und nun fühle ich, dass Gott wieder zu mir spricht: 'George, gib den Palästinensern ihren eigenen Staat und den Israelis Sicherheit, und bring dem Nahen Osten Frieden.' Und, so Gott es will, das werde ich tun." Bush soll sich Schaath gegenüber so im Juni 2003, vier Monate nach dem Beginn des Irak-Krieges, geäußert haben.

Gottesfürchtiger US-Präsident (Januar 2004): Kriege im Auftrag des Allmächtigen?
REUTERS

Gottesfürchtiger US-Präsident (Januar 2004): Kriege im Auftrag des Allmächtigen?

Der damalige palästinensische Ministerpräsident und heutige Präsident Mahmud Abbas, der damals ebenfalls an dem Treffen in dem ägyptischen Badeort Scharm al-Scheich teilnahm, erinnerte sich laut BBC wie folgt an Bushs Worte: "Ich habe eine moralische und religiöse Verpflichtung."

Nach Angaben der Tageszeitung "Guardian" hatte kurz nach dem Treffen Bushs mit der Palästinenserdelegation bereits die israelische Zeitung "Haaretz" ein Protokoll der angeblichen Bush-Äußerungen veröffentlicht. Damals hätten sich die Palästinenser nicht dazu äußern wollen. Die BBC habe Schaath nun dazu bewegen können, Bushs Äußerungen öffentlich zu wiederholen.

Einem BBC-Sprecher zufolge wurde die US-Regierung über den Inhalt der Fernsehserie "Trügerischer Frieden: Israel und die Araber" informiert. Erst habe es das Weiße Haus abgelehnt, private Gespräche zu kommentieren. Dann aber äußerte sich Bushs Sprecher Scott McClellan mit einem Dementi: "Er hat niemals einen solchen Kommentar gemacht." Er bezeichnete die angeblichen Zitate des US-Präsidenten zudem als "absurd".

USA erhöhen Truppenkontingent im Irak

Die USA haben ihr Truppenkontingent im Irak vor dem für Mitte Oktober geplanten Verfassungsreferendum verstärkt. Es seien inzwischen rund 152.000 US-Soldaten in dem Land stationiert und damit etwa 14.000 mehr als üblich, sagte Brigadegeneral Carter Ham in Washington. Vor dem Referendum werde die Zahl nicht wieder reduziert, betonte er.

Die Aufständischen im Irak haben angekündigt, im muslimischen Fastenmonat Ramadan ihren Kampf gegen die Regierung und die US-Truppen im Land zu verstärken. Zudem wollen sie mit den Anschlägen auch die Vorbereitungen für das Verfassungsreferendum torpedieren.

Bei Militäraktionen im Westen des Irak hat die US-Armee seit Mittwoch mindestens 29 Aufständische getötet. Nach Militärangaben von heute bombardierten Flugzeuge der Koalitionstruppen am Mittwochabend ein Hotel in Hussaibah nahe der Grenze zu Syrien. Dabei seien 20 Rebellen getötet worden. Das dreistöckige Hotel sei von einer dem Terrornetzwerk al-Qaida nahe stehenden Gruppe als Waffenversteck und zur Vorbereitung von Anschlägen genutzt worden, teilte die US-Armee mit.

Am Donnerstag töteten US-Soldaten demnach bei Karabilah im Euphrat-Tal zwei Aufständische. Östlich von Karabilah zerstörten Militärflugzeuge drei Häuser und töteten dabei sieben Rebellen. Die US-Armee hat seit Ende September mehrere neue Offensiven gegen Aufständische im Irak gestartet.



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