Verdacht auf Hassverbrechen Britische Polizei ermittelt wegen Antisemitismus in Labour-Partei

In Großbritannien wird seit Längerem über Antisemitismus in der Labour-Partei debattiert. Auch Parteichef Corbyn steht in der Kritik. Nun hat die Polizei Ermittlungen aufgenommen.

Jeremy Corbyn
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Jeremy Corbyn


Die britische Polizei ermittelt gegen Mitglieder der oppositionellen Labour-Partei wegen Verdachts auf "antisemitische Hassverbrechen". Das Verfahren stützt sich auf ein Dossier mit internen Dokumenten, teilte die Polizei in London mit. In den Dokumenten seien Äußerungen enthalten, die strafrechtliche Ermittlungen rechtfertigten.

Bei der Untersuchung geht es offenbar um Hassbotschaften, die von Labour-Mitgliedern in sozialen Netzwerken gepostet worden waren. Das interne Dossier war dem Radiosender LBC zugespielt worden, der es dann an die Polizei weiterleitete. Darin sollen 45 Fälle aufgeführt sein, darunter auch Einträge von Parteimitgliedern in sozialen Medien wie: "Wir werden die Juden, die wie ein Krebsgeschwür für uns sind, loswerden."

In Großbritannien wird seit Längerem heftig über Antisemitismus in der linksgerichteten Partei debattiert. Die Partei kündigte am Freitag eine vollständige Zusammenarbeit mit den Ermittlern an. Sie rief Opfer der Hassbotschaften auf, sich bei der Polizei zu melden. Labour werde selbst untersuchen, ob Verstöße gegen Partei-Richtlinien durch eigene Mitglieder vorlägen.

Auch Parteichef Corbyn steht in der Kritik

Dem Parteivorsitzenden Jeremy Corbyn wird seit Jahren vorgeworfen, nicht entschlossen gegen antisemitische Äußerungen in den eigenen Reihen vorzugehen. Im März warfen führende Vertreter der jüdischen Gemeinden in Großbritannien Corbyn zudem in einem Brief vor, "immer wieder" Partei für antisemitische Positionen zu ergreifen. Der Parteichef sei "ideologisch so sehr auf seine weit links stehende Weltsicht fixiert, dass er den jüdischen Gemeinschaften der Mitte instinktiv feindselig gegenübersteht".

Corbyn zählt zum Linksaußen-Flügel der Partei und hat sich wiederholt äußerst propalästinensisch positioniert. Wegen früherer Äußerungen, Taten und Kontakte sah er sich immer wieder dem Vorwurf des Antisemitismus ausgesetzt.

Im August räumte Corbyn dann ein, dass es ein "echtes Problem" in seiner Partei gebe. "Alle, die antisemitisches Gift versprühen, müssen kapieren: Ihr tut das nicht in meinem Namen", schrieb der Oppositionsführerim August in einem Beitrag für den "Guardian". "Ihr seid nicht meine Unterstützer und habt keinen Platz in unserer Bewegung."

Jüdische Organisationen in Großbritannien reagierten zurückhaltend auf den Beitrag. Laut Corbyn leitete seine Partei in den vergangenen drei Jahren 300 interne Verfahren wegen Antisemitismus ein. Etwa die Hälfte davon hätten zu Ausschlüssen oder Rücktritten geführt.

asa/AFP



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