Antisemitismus Gedenkstein für Synagoge in Straßburg geschändet

Die Zahl antisemitischer Übergriffe in Frankreich ist im Jahr 2018 deutlich gestiegen. Nun wurde in Straßburg ein Gedenkstein für eine von den Nazis zerstörte Synagoge beschädigt.

Gedenkstein für Synagoge in Straßburg
AFP

Gedenkstein für Synagoge in Straßburg


In Straßburg ist ein Gedenkstein für die von den Deutschen zerstörte Alte Synagoge geschändet worden. Der Stein sei in der Nacht zu Samstag von seinem Sockel gestoßen und "beschädigt" worden, teilte der stellvertretende Bürgermeister Alain Fontanel auf Facebook mit.

Es handele sich "offensichtlich um eine neue antisemitische Tat in unserer Stadt", schrieb Fontanel. "Wir tun zusammen mit der Polizei alles in unserer Macht Stehende, damit die Verantwortlichen festgenommen werden."

Nach Angaben des Departements Bas-Rhin wurden Ermittlungen eingeleitet. Straßburgs Bürgermeister Roland Ries verurteilte die Tat: "Es reicht", bekräftigte er mit Blick auf antisemitische Straftaten auf seiner Facebook-Seite. Der Präsident der Region Grand Est, Jean Rottner sicherte der gesamten jüdischen Gemeinde Unterstützung zu.

Der Sprecher des Regionalverbands der israelitischen Gemeinde, Thierry Roos, sagte, es gebe "keinen Zweifel daran, dass dies eine vorsätzliche Tat ist. Man wollte das Gedenken an die Synagoge auslöschen".

2018: Zahl antisemitischer Übergriffe um 74 Prozent gestiegen

Mitglieder der Hitlerjugend hatten nach der Eroberung Straßburgs im Zweiten Weltkrieg die Hauptsynagoge der Stadt am zentral gelegenen Quai Kléber zunächst geplündert und anschließend niedergebrannt.

In Frankreich war die Zahl antisemitischer Übergriffe im vergangenen Jahr um 74 Prozent gestiegen. Im Februar wurden auf einem jüdischen Friedhof im Elsass rund 100 Grabsteine mit Hakenkreuzen beschmiert. Auch in Paris sind in den vergangenen Wochen wiederholt antisemitische Schmierereien aufgetaucht. Der Philosoph Alain Finkielkraut wurde am Rande einer Gelbwesten-Demonstration in Paris antisemitisch beleidigt.

Präsident Emmanuel Macron kündigte mittlerweile ein härteres Vorgehen gegen Judenhass an. Mitte Februar hatte es in Paris und 60 anderen Städten Proteste gegen Antisemitismus gegeben. Allein in Paris demonstrierten laut Veranstalter rund 20.000 Menschen.

bam/dpa



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