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Antisemitismus: Nach Anschlägen schwinden Vorurteile gegen Juden

Jüdisches Museum in Brüssel (Archiv): Vergangenes Jahr starben hier vier Menschen Zur Großansicht
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Jüdisches Museum in Brüssel (Archiv): Vergangenes Jahr starben hier vier Menschen

In Frankreich, Belgien und Deutschland gab es zuletzt Übergriffe auf jüdische Einrichtungen - und in allen drei Ländern ging danach laut einer Studie die antisemitische Stimmung zurück. Grund könnte staatliches Durchgreifen sein.

Nach den jüngsten antisemitischen Anschlägen in Frankreich, Belgien und Deutschland hat sich die Einstellung der Bevölkerung gegenüber Juden verändert. Das ergibt eine Untersuchung der Anti-Defamation-League, über die das "Wall Street Journal" am Dienstag berichtet. Untersucht haben die Autoren der Studie Veränderungen der antisemitischen Haltung zwischen 2014 und 2015. Die Anti-Defamation-League mit Sitz in New York setzt sich weltweit gegen die Diskriminierung von Juden ein.

In allen drei Ländern hatte es in dieser Zeit Anschläge auf jüdische Einrichtungen gegeben, teils starben Menschen.

Der Untersuchung zufolge nahm die Zahl der Bürger, die Vorbehalte gegen Juden haben, in allen drei Ländern signifikant ab: In Frankreich von 37 auf 17 Prozent, in Belgien von 27 auf 21 Prozent, in Deutschland von 27 auf 16 Prozent. Für die Untersuchung wurden rund 10.000 Menschen in insgesamt 19 Ländern befragt. Für Frankreich, Belgien und Deutschland gab es zudem noch eine zusätzliche Befragung von rund 500 Personen.

Eine der Hauptursachen für die veränderte Einstellung der Bevölkerung sieht Abraham Foxman, Direktor der Anti-Defamation-League, im Verhalten der staatlichen Einrichtungen der Länder. Alle drei Regierungen hätten den Antisemitismus scharf verurteilt, sagte er dem "Wall Street Journal". Teilweise seien Tausende Sicherheitskräfte eingesetzt worden, um jüdische Einrichtungen zu schützen. "Reaktionen der Regierungen auf antisemitische Ausbrüche, Gewalt und Tod haben eine positive Auswirkung auf antisemitische Einstellungen", so Foxman.

Demos in Frankreich - und am Brandenburger Tor

Vor allem in Frankreich hatte das Attentat auf einen jüdischen Supermarkt, das am selben Tag stattfand wie der Anschlag auf die Satirezeitschrift "Charlie Hebdo", heftige Diskussionen ausgelöst. Millionen Menschen dort, aber auch Regierungschefs aus der ganzen Welt, beteiligten sich damals an Demonstrationen gegen Antisemitismus.

In Deutschland sei zwar bei den Zwischenfällen niemand ums Leben gekommen, sagte Foxman dem "Wall Street Journal". Dafür aber reagierten die Menschen hierzulande wegen der Geschichte besonders empfindlich auf antisemitische Übergriffe. Das habe sich auch bei einem Auftritt von Kanzlerin Angela Merkel bei einer Demonstration am Brandenburger Tor gezeigt. Merkel bezeichnete es damals als nationale Aufgabe, anti-jüdische Vorurteile zu bekämpfen.

ler

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