Tod bei Jagdgesellschaft Die letzten Stunden des Verfassungsrichters Scalia

Als Antonin Scalia starb, befand er sich in illustrer Gesellschaft: Die "Washington Post" berichtet, dass der Verfassungsrichter seine letzten Stunden im Kreise eines Jägerbunds verbrachte.

US-Richter Scalia (2011): "Ehret den Schöpfer, indem ihr seine Geschöpfe ehrt"
AP/dpa

US-Richter Scalia (2011): "Ehret den Schöpfer, indem ihr seine Geschöpfe ehrt"


Als der Verfassungsrichter nicht zum Frühstück erscheint, fängt John Poindexter an, sich Sorgen zu machen. Antonin Scalia ist der prominente Gast der Jagdgesellschaft, die sich auf seiner Cibolo Creek Ranch zusammengefunden hat. Poindexter klopft an Scalias Zimmertür. Als der Richter noch immer nicht reagiert, öffnet er die Tür. Er findet Scalia leblos im Bett vor.

Der Jurist starb am 13. Februar eines natürlichen Todes. Doch sein plötzliches Ableben hat Washington erschüttert. Denn mitten im Präsidentschaftswahlkampf ist nun ein Platz im Supreme Court vakant geworden. Barack Obama will rasch einen Nachfolger benennen, um im neunköpfigen Verfassungsgericht eine linke Mehrheit herbeizuführen. Dagegen sperren sich die Republikaner: Sie wollen eine Nachbesetzung so lange blockieren, bis Anfang November Obamas Nachfolger gewählt ist.

Die "Washington Post" hat nun enthüllt, mit wem Scalia die letzten Stunden seines Lebens verbrachte. Gastgeber John Poindexter hatte insgesamt 36 Männer zu der Jagdpartie auf seine Ranch geladen. Viele von ihnen gehören dem Internationalen St.-Hubertus-Orden an, einem Jägerkonvent, der 1695 vom österreichischen Adligen Graf Franz Anton von Sporck gegründet wurde.

Poindexter und der Washingtoner Rechtsanwalt C. Allen Foster, der gemeinsam mit Scalia im Privatjet nach Texas geflogen war, haben in dem Orden Führungspositionen inne. Ob der Verfassungsrichter selbst Mitglied war oder welche Beziehungen er zum Orden unterhielt, ist bislang unklar. "Mir ist keine Verbindung zwischen der Organisation und Richter Scalia bekannt", sagte Poindexter der "Washington Post".

Der Internationale St.-Hubertus-Orden ist ausschließlich Männern vorbehalten. Die Mitglieder "tragen zu Ordensfesten das grünsamtene Pluviale mit roter Fütterung, auf dessen linker Seite befindet sich das in einem helleren Grün mit silberner Tresse umfasste gekerbte Ständerkreuz", heißt es auf der Webseite des Konvents. Auf dem Kreuz prangt der Leitspruch des Ordens: "Deum Diligite Animalia Diligentes." - "Ehret den Schöpfer, indem ihr seine Geschöpfe ehrt."

Zwei weitere Jagdgäste, die sich zum Zeitpunkt von Scalias Tod auf der Ranch aufhielten, sollen Führungspositionen im texanischen Ableger des Ordens innegehabt haben. Sie wollten sich in der "Washington Post" nicht äußern.

Gastgeber Poindexter hatte Scalia nach eigenen Angaben am Abend des 12. Februar zum letzten Mal lebend gesehen. Sie hätten zu Abend gegessen und geredet, sagte Poindexter dem ermittelnden Sherriff. Dann habe der Richter gesagt, dass er müde sei und verschwand in seinem Zimmer.

syd



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.