Aorta-Riss Österreichs Innenministerin Prokop überraschend gestorben

Österreich trauert um Innenministerin Liese Prokop. Die frühere Spitzenathletin wurde 65 Jahre alt. Todesursache ist ersten Angaben zufolge eine geplatzte Hauptschlagader in der Nähe des Herzens. Politiker aller Parteien sind erschüttert über den plötzlichen Tod Prokops.


Wien - Liese Prokop starb nach Angaben der österreichischen Nachrichtenagentur APA auf dem Weg ins Krankenhaus St. Pölten. Die Politikerin erlag gegen 22 Uhr den Folgen eines Risses in der Aorta nahe dem Herzen. Sie war gestern Abend in ihrem Haus in Annaberg (Niederösterreich) zusammengebrochen. Die Notärzte hatten nach Aussagen von Spezialisten keine Chance, das Leben der Politikerin zu retten, die innerhalb von Minuten innerlich verblutete.

Liese Prokop: Überraschender Tod in der Silvesternacht
REUTERS

Liese Prokop: Überraschender Tod in der Silvesternacht

Prokop war Mitglied der konservativen Volkspartei (ÖVP) des scheidenden Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel. Bis Freitag hatte sie an den Verhandlungen mit den Sozialdemokraten (SPÖ) über die Bildung einer Regierungskoalition teilgenommen. Drei Monate nach der Parlamentswahl gab es bei den Gesprächen zwar Fortschritte, eine Einigung steht aber weiter aus. Schüssel hat inzwischen kommissarisch Prokops Innenressort übernommen.

Spitzenpolitiker aller österreichischen Parteien zeigten sich über den Tod der Politikerin entsetzt. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) sagte, Prokop sei "eine außergewöhnliche Frau mit einem bemerkenswerten Leben gewesen". Auch der mit der Regierungsbildung beauftragte sozialdemokratische Oppositionsführer Alfred Gusenbauer zeigte sich über den Tod Prokops erschüttert. Der Landeshauptmann von Prokops Heimatbundesland Niederösterreich, Erwin Pröll, sprach von einem "schweren Schlag". "Es ist für mich unvorstellbar, dass diese Frau, die ihr Leben für Niederösterreich gelebt hat, nicht mehr unter uns ist", sagte er.

Prokop galt nach Angaben der österreichischen Nachrichtenagentur APA als Politikerin des Ausgleichs und erwarb sich über ihre Partei hinaus hohes Ansehen. Ihre wichtigsten Projekte als Innenministerin waren das neue Ausländerrecht, bei dem sie eine Übereinstimmung mit der SPÖ zu Stande brachte, eine Verkürzung des Zivildienstes sowie ein neues Staatsbürgerschaftsrecht.

Die gebürtige Wienerin wechselte nach ihrer sportlichen Karriere, die bei den Olympischen Spielen in Mexiko 1968 mit einer Silbermedaille im Fünfkampf hinter der Deutschen Ingrid Mickler ihren Höhepunkt erreichte, 1969 als Seiteneinsteigerin in die Politik und stieg bis 1992 zur stellvertretenden Regierungschefin (Landeshauptmann) von Niederösterreich auf. Seit Dezember 2004 führte sie das Innenressort im Kabinett von Wolfgang Schüssel. Sie war die erste Frau in diesem Amt.

Als Sportlerin qualifizierte Prokop sich im Hochsprung für die Olympischen Spiele in Tokio 1964, bevor sie sich auf Anraten ihres Trainers und Ehemanns, des Sport- und Skilehrers Gunnar Prokop, auf den Fünfkampf konzentrierte. In dieser Disziplin verbesserte sie zwei Mal den Weltrekord. Ihr Landesrekord im Kugelstoßen von 16,04 Meter hatte bis 1999 Bestand.

ffr/AFP/dpa/Reuters



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