Apec-Gipfel in Peking Auftritt einer Weltmacht

Die Führung in Peking scheut auf dem Apec-Gipfel keine Mühen, sich als freundliche Großmacht zu präsentieren. Doch Chinas Ambitionen ängstigen seine Nachbarn. Was fängt das Land mit seinem neuen Selbstbewusstsein an?

Von , Peking

Apec-Gipfel in Peking: Chinesischer Traum statt American Dream
DPA

Apec-Gipfel in Peking: Chinesischer Traum statt American Dream


Das neue China zeigt sich laut und grell. Gleich 1900 Schauspieler begrüßten die 20 Staatsgäste mit Tanz und Trommelsalven, LED-Leuchten zauberten den Staatskarossen einen roten Teppich auf die Straße. Und dann schossen in der Nacht zum Dienstag 15 Tonnen Feuerwerk in den Himmel über Peking. Äußerst umweltfreundlich, weil schwefelreduziert, jubelte die Reporterin im Staatsfernsehen.

Nichts scheint zu aufwendig, wenn China die Staats- und Regierungschef der Pazifikstaaten zum Apec-Gipfel empfängt. Das Treffen ist für die Führung in Peking die wichtigste Bühne seit den Olympischen Spielen 2008. Hier soll der Welt das China im Jahr 2014 präsentiert werden. Ein stolzes Land, das es weit gebracht hat, noch viel ehrgeizigere Pläne hat, vor dem sich aber niemand zu fürchten braucht: Das waren die Botschaften, die Chinas KP in die Welt tragen will - Botschaften, die nicht immer so leicht in Einklang zu bringen sind mit der Realität.

Fotostrecke

3  Bilder
Apec-Gipfel: Putin und Obama in Peking
Staats- und Parteichef Xi Jinping sonnte sich als Gastgeber, der zum Bankett am Vogelnest, dem Olympiastadion, empfing. Das Treffen mit dem japanischen Premier Shinto Abe nach Monaten der Funkstille wurde weltweit als Geste der Entspannung gefeiert. Xis beharrliches Schweigen, als Abe es beim ersten Handschlag der beiden Regierungschefs mit Small Talk probierte, wirkte dagegen schon weniger entspannt. Und Barack Obama konnte pünktlich zum Gipfel Visa-Erleichterungen zwischen Amerikanern und Chinesen verkünden, bei seinen Gesprächen mit Xi am Dienstag dürfte dieser erläutern, dass China ganz andere Vorstellungen vom Freihandel im Pazifik verfolgt als Washington.

"Chinesischer Traum" statt American Dream

Zurzeit sind viele solcher Momente zu beobachten, in denen China gleichzeitig lockt und abblockt, um Sympathien buhlt und Zugeständnisse einfordert. Die Volksrepublik, jahrzehntelang isoliert, drängt unter der Führung Xis wieder auf die Weltbühne. (Lesen Sie im aktuellen SPIEGEL eine Analyse der Ambitionen Xi Jinpings.)

Der Apec-Gipfel soll dabei helfen: Banner auf den Straßen mahnen die Bürger seit Wochen, sich während der Apec-Tagung zivilisiert zu verhalten. Fahrverbote wurden erlassen, Zehntausende Beamte in den Zwangsurlaub geschickt, Schulen und Tausende Fabriken im Umland geschlossen. Das alles, um den Gästen im smog- und staugeplagten Peking freien Blick auf Chinas Fortschritt zu gewähren - allerdings mit begrenztem Erfolg.

In der mittlerweile zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt spricht man derzeit viel von Xis "chinesischem Traum". Als Nachfolger des American Dream soll dieser im 21. Jahrhundert den Massen zu Wohlstand verhelfen, nicht nur in China, sondern auch den "globalen 99 Prozent", wie es heißt. Diese sollen durch Partnerschaften mit chinesischen Firmen verdienen, günstig bei Alibaba einkaufen können. Auf dem Apec-Gipfel sprach Xi dann gar vom "asiatischen-pazifischen Traum".

Die Weltordnung umbauen, nicht umschmeißen

Die staatsnahe "Global Times" erklärt die Ambitionen so: China wolle die Weltordnung ja nicht umschmeißen, aber doch umbauen. Und so kündigte Xi am Wochenende zuletzt einen 32-Milliarden-Euro-Fonds an, der den Bau einer neuen Seidenstraße in Zentralasien beschleunigen soll - die Handelsroute ist zentral in seinem Programm zu Chinas Aufstieg. Dafür gründete Peking auch eine Infrastruktur-Investitionsbank für Asien, was die Wirtschaftsgroßmächte USA als Japan als Konkurrenz zur Weltbank sehen.

Chinas Führung betont immer wieder, dass sie eine friedfertige Außenpolitik ganz im Namen der wirtschaftlichen Entwicklung verfolgt. Doch bei seinen Nachbarn ruft Pekings Gebaren Angst hervor. Japan diskutiert als Reaktion auf die Eiszeit und den Streit um die Inselgruppe, die in China Diayou und in Japan Senkaku genannt wird, eine Änderung der pazifistischen Verfassung. Und im südchinesischen Meer hat China seine Ansprüche gegenüber Vietnam und den Philippinen zuletzt immer wieder mit kleinen Konfrontationen unterstrichen. Das Gerede vom "chinesischen Traum" klingt in Tokio oder Hanoi momentan eher abschreckend als verlockend.

Eine Eskalation dieser Gebietsstreitigkeiten würde allerdings jene wirtschaftliche Entwicklung gefährden, in deren Namen Peking Politik macht. Insofern könnte der Umgang mit Japans Premier stilbildend werden. Ein bisschen Entspannung, ein bisschen Konfrontation - auf diese Art chinesischer Diplomatie darf sich die Welt auch nach dem Apec-Gipfel einstellen.

Der Autor auf Facebook



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 100 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Worldwatch 11.11.2014
1. China vertritt seine Interessen ...
... weniger verschaemt als frueher, steht den unverschaemten Interessenforderungen der USA indes noch weit hinterher. Die heute lauter werdenden Inteessenforderungen Chinas dienen aber auch der Beruhigung von nationalistischen hardliner im Lande, sowie aber auch der Reduktion von zunehenden Unzufriedenheiten im Volk. Denn der "deal" zwischen Partei und Volk lautet, "keine Demokratie, aber wachsender Wohlstand". Gerade dazu aber kommt chinas Fuehrung in schwierigere Fahrwasser aufgrund der weltweiten, insb. von den US of A verursachten Finanz- und Absatzmarktkrisen. So wird alle Kraft darauf ausgerichtet die Job- und Absatzkrise zu ueberwinden.
jjcamera 11.11.2014
2. Zeit
Die chinesische Politik hat etwas, was demokratische Länder nicht haben: Zeit. Die chinesische Führung muss nicht auf die Wahl in 4 oder 5 Jahren schauen, um dann zu entscheiden, wie sie handelt. Sie plant für ein Gesellschaftsmodell in 100 Jahren. Davon können wir uns eine Scheibe abschneiden, wenn wir sehen, dass wichtige und dringende Reformen bis zum nächsten Wahltermin verschoben werden... Die individuelle Freiheit einzelner Personen kann in einem Vielvölkerstaat mit mehr als einhundert verschiedenen Kulturen und Sprachen und rund 1,4 Milliarden Bewohnern nicht die gleiche Bedeutung haben, wie für uns. Wer glaubt, China ließe sich zur Demokratie nach unserem (ach so guten Vorbild) Vorbild bewegen, hat von Politik keine Ahnung oder ist einfach nur dämlich.
rreshron 11.11.2014
3. die latent china-unfreundliche Sicht
kommt ja nun genug zu Tragen. Was heute als diffuses Unbehagen gegenüber den Entwicklungsmöglichkeiten des Riesenreiches transportiert werden soll, kam früher, zu politisch unkorrekteren, aber auch unverblümteren, Zeiten, als "gelbe Gefahr" daher. Nun gut, wenn solcherlei Schwingungen mit Inhalten befördert werden, kann man sich mit den Inhalten auseinandersetzen. Formulierungen wie "Das Gerede vom 'chinesischen Traum'...." lassen eine seltsam anmutende Abfälligkeit aufscheinen, die wohl einer ebenso seltsam anmutenden Sehnsucht entspringen mag, journalistische Arbeit als "Geschreibe" verstanden wissen zu wollen.
ermanerich 11.11.2014
4. Und auf dem geschilderten Missverstehen
Zitat von jjcameraDie chinesische Politik hat etwas, was demokratische Länder nicht haben: Zeit. Die chinesische Führung muss nicht auf die Wahl in 4 oder 5 Jahren schauen, um dann zu entscheiden, wie sie handelt. Sie plant für ein Gesellschaftsmodell in 100 Jahren. Davon können wir uns eine Scheibe abschneiden, wenn wir sehen, dass wichtige und dringende Reformen bis zum nächsten Wahltermin verschoben werden... Die individuelle Freiheit einzelner Personen kann in einem Vielvölkerstaat mit mehr als einhundert verschiedenen Kulturen und Sprachen und rund 1,4 Milliarden Bewohnern nicht die gleiche Bedeutung haben, wie für uns. Wer glaubt, China ließe sich zur Demokratie nach unserem (ach so guten Vorbild) Vorbild bewegen, hat von Politik keine Ahnung oder ist einfach nur dämlich.
beruht auch der aktuelle Tanz mit Putin. Russen wie Chinesen sind langfristig denkende Pragmatiker, die zuerst an ihr eigenes Volk und Machtgefüge denken. Nicht aber sich den Ideen sogenannter Demokratien beugen, die selbst nach der Weltmacht streben. Langfristig gibt es zwei Szenarien: - entweder der westen begreift, dass sein Weg der Dauerexpansion als Wachstumsgarant ein Irrweg ist oder - die autoritären Regime zerreissen an ihren inneren Gegensätzen. Nach Stand der Dinge - siehe China - ist letzters eher unwahrscheinlich.
aude_sapere 11.11.2014
5. Weltmacht
China exportierte im Jahr 2013 in absoluten Zahlen weniger als Deutschland, obwohl es in puncto Bevölkerung (und Fläche) 15 Mal grösser ist als Deutschland. In Bezug auf Umwelt-, Arbeitnehmerschutz und soziale Sicherheit ist es wahrscheinlich 15 Mal schlechter als Deutschland. Angeblich kann man sich das auf Kosten des Wirtschaftswachstums ja nicht leisten, obwohl die obigen Zahlen die Unrichtigkeit dieses Arguments belegen). 51% der chinesischen Exportleistung gehen auf ausländisch-investierte Unternehmen zurück (inklusive auslandschinesischen Investments). Dasselbe gilt für 11% der urbanen Jobs sowie etwa 20% der Wirtschaftsleistung und des Körperschaftseinkommens. Das Wirtschaftswachstum flacht sich (vermutlich stärker als zugegeben) ab, weshalb die chinesische Regierung beginnt, Rohstoffe nicht mehr zu kaufen sondern zu erobern (siehe Philipinen, Japan, etc.). Wenn das eine Weltmacht ist, frage ich mich, wie der Begriff definiert wird. ME hat es da vielmehr einer not, laut autzutrumpfen. Das pazifiische Jahrtausend ist jedenfalls noch nicht ausgebrochen (und wird auch nicht mehr, da die Chinesen in Asien mittlerweile ja so beliebt sind wie die Russen in Osteuropa).
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.