Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Appell an Teheran: Bischöfe fordern Freilassung der inhaftierten Reporter

Spitzenvertreter der katholischen und der evangelischen Kirche in Deutschland haben an Iran appelliert, die beiden inhaftierten deutschen Reporter freizulassen. Sie beriefen sich auf die Menschenrechte und Pressefreiheit.

Berlin - Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche (EKD), Präses Nikolaus Schneider, nannte es in der "Bild am Sonntag" nicht hinnehmbar, dass Journalisten, die nach Wahrheit suchten, inhaftiert würden. Der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, mahnte: "Nur eine Gesellschaft, die die Menschenrechte verwirklicht, kann als humane Gesellschaft bezeichnet werden."

Die Reporter waren am 10. Oktober bei dem Versuch verhaftet worden, in Iran den Sohn und den Anwalt von Sakineh Mohammad-Aschtiani zu interviewen, die wegen Ehebruchs zum Tode verurteilt worden ist. Seither sitzen sie im Gefängnis der Provinzhauptstadt Täbris. Vor zwei Wochen hatte Teheran erstmals ihre baldige Rückkehr nach Deutschland in Aussicht gestellt.

Der Münchner Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, bezeichnete die Presse- und Meinungsfreiheit sowie die Freiheit des Individuums als unveräußerliche Menschenrechte. "Ich appelliere an die Verantwortlichen in Teheran: Achten Sie die Menschenwürde und lassen Sie die beiden Journalisten ausreisen!" Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann wertete die Festnahme der Reporter mit Blick auf Menschenrechte, Meinungsbildung und Pressefreiheit im Iran als "große Enttäuschung".

Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle forderte die Freilassung der Gefangenen: "Ich appelliere an die iranische Regierung, vor dem Hintergrund des christlichen Weihnachtsfestes, das auch in der islamischen Welt respektiert wird, ein Zeichen der Menschlichkeit zu setzen", sagte Westerwelle der "Bild am Sonntag". Sein Ministerium und er persönlich arbeiteten intensiv daran, dass die beiden möglichst bald nach Deutschland zurückkehren könnten.

sto/dpa/Reuters

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Bradley Manning
Karl-Friedrich, 19.12.2010
Zitat von sysopSpitzenvertreter der katholischen und der evangelischen Kirche in Deutschland haben an Iran appelliert, die beiden inhaftierten deutschen Reporter freizulassen. Sie beriefen sich auf die Menschenrechte und Pressefreiheit. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,735517,00.html
Ich appelliere an die US-Regierung, vor dem Hintergrund des christlichen Weihnachtsfestes, das auch in den Vereinigten Staaten respektiert wird, ein Zeichen der Menschlichkeit zu setzen und Bradley Manning frei zu lassen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Subventionsabbau im Iran: Angst vor Protesten

Republik Iran
Land
REUTERS
Die Islamische Republik Iran ist mit einer Fläche von rund 1,7 Millionen Quadratkilometern fünfmal so groß wie Deutschland. Das Land besitzt nach Russland die zweitgrößten Erdgasreserven der Welt, beim Erdöl steht Iran auf Platz drei und ist derzeit nach Saudi-Arabien der größte Produzent innerhalb der Opec.
Politik
dpa
Seit der Islamischen Revolution von 1979 haben der Revolutionsführer, aktuell Ajatollah Ali Chamenei (Bild), und der Wächterrat die größte Macht im Staat. Der Wächterrat kontrolliert die Kandidaten für Wahlen. Der Regierungschef ist der gewählte Präsident - seit August 2013 Hassan Rohani.
Leute
Corbis
Iran hat rund 75 Millionen Einwohner. Auf dem Uno-Index menschlicher Entwicklung (HDI) für 179 Staaten belegt Iran Platz 76 (Deutschland ist auf Platz 5). Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 73 Jahren (zum Vergleich: Die Lebenserwartung in Deutschland liegt bei 80 Jahren).
Wirtschaft
REUTERS
Die Wirtschaftsleistung pro Kopf betrug 2008 laut einer Schätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) rund 5200 Dollar. Begünstigt vom hohen Ölpreis wuchs die Wirtschaft zuletzt um etwa sechs Prozent. Neben der Arbeitslosenquote, die laut inoffiziellen Schätzungen bei etwa 30 Prozent liegt, ist die Inflation eines der größten wirtschaftlichen Probleme. 2008 soll sie bei fast 30 Prozent gelegen haben, für 2009 rechnet der IWF mit 25 Prozent. Im Jahr 2005 machten Teherans Ausgaben für das Militär laut Uno-Statistiken 5,8 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung aus (Deutschland: 1,4 Prozent).
Menschenrechte
REUTERS
Nach China ist Iran das Land, in dem die meisten Todesurteile vollstreckt werden. Laut Amnesty International wurden 2009 mindestens 388 Menschen hingerichtet, das waren 42 Hinrichtungen mehr als im Vorjahr. Der Uno zufolge saßen 2007 pro 100.000 Einwohner 214 Menschen im Gefängnis (in Deutschland sind es 95). Korruption ist in Iran weit verbreitet. Auf dem weltweiten Index von Transparency International nimmt Iran 2009 bei 180 beobachteten Staaten den 168. Rang ein (Deutschland: 14).

Fläche: 1.648.195 km²

Bevölkerung: 79,476 Mio.

Hauptstadt: Teheran

Staatsoberhaupt und Religionsführer:
Ajatollah Ali Chamenei

Staats- und Regierungschef:
Hassan Rohani

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia



Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: