Rettungsschiff droht Lizenzentzug "Ohne Flagge können wir nicht retten"

Der "Aquarius" könnte die Flagge Panamas entzogen werden. Die Mission des Rettungsschiffes wäre damit beendet. Die Verantwortlichen des Boots kritisieren Italien nun scharf.

Rettungsschiff "Aquarius"
AP

Rettungsschiff "Aquarius"


Der deutsche Eigner des Flüchtlingsrettungsschiffes "Aquarius" hat Italien vorgeworfen, den Flaggenentzug für das Schiff mit starkem politischen Druck durchgesetzt zu haben. Rom habe den Flaggenstaat Panama dazu gedrängt, die Registrierung der "Aquarius" zu streichen, kritisierte Christoph Hempel der Geschäftsführer der Bremer Reederei Jasmund Shipping.

Er befürchtet, dass Italien damit droht, Schiffe unter panamaischer Flagge generell nicht mehr in italienische Häfen einlaufen zu lassen, sollte Panama der Forderung Roms im Fall der "Aquarius" nicht nachkommen.

Das von der Hilfsorganisation SOS Méditerranée gecharterte und mit dem Verein "Ärzte ohne Grenzen" betriebene Schiff liegt derzeit unter panamaischer Flagge in Marseille. Die Streichung aus dem Register des mittelamerikanischen Landes sei aber definitiv, sagte Hempel.

Demonstration für die "Aquarius"
AP

Demonstration für die "Aquarius"

Wann wie genau vollzogen wird, steht noch nicht fest. "Ich denke, ich habe noch eine Woche." Es sei bereits in den Parlamenten der Schweiz, in Luxemburg sowie in Venezuela über die Möglichkeit einer Flaggenvergabe gesprochen worden. Sobald Panama dem Schiff die Flagge tatsächlich entzieht,wäre die Mission der "Aquarius" beendet.

"Wir sind derzeit komplett handlungsunfähig"

"Ohne Flagge könnten wir nicht retten", sagte Jana Ciernioch, Sprecherin von SOS Méditerranée Deutschland. "Wir sind derzeit komplett handlungsunfähig." Seit Anfang 2016 habe die 77 Meter lange "Aquarius" knapp 30.000 Menschen aus dem Mittelmeer vor dem Ertrinken gerettet. Die deutsche Regierung müsse sich konkret für eine neue Flagge einsetzen. "Die Bundesregierung hat eine klare Verantwortung, sich zu positionieren, was sie bisher wenig bis gar nicht getan hat", bemängelte Ciernioch.

Schon mehrfach irrte die "Aquarius" auf der Suche nach einem Hafen über das Mittelmeer. Die Regierung in Italien lässt bereits seit dem Sommer keine Rettungsschiffe mehr in Häfen des eigenen Landes einlaufen. Besonders dramatisch wurde es im Juni: Damals hatte die "Aquarius" 629 Flüchtlingen an Bord - und durfte weder in Italien noch in Malta anlegen. Schließlich fand das Rettungsschiff Zuflucht in Valencia.

aev/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.