Vorstoß aus Rom Italien schiebt Briten Verantwortung für "Aquarius"-Flüchtlinge zu

Wohin sollen die Seenotretter und ihre Schützlinge auf der "Aquarius", die westlich von Malta kreuzt? Italiens rechtsnationale Regierung hat einen neuen Vorschlag: nach Großbritannien.

Flüchtling auf der "Aquarius"
REUTERS

Flüchtling auf der "Aquarius"


Die italienische Regierung sieht Großbritannien in der Pflicht, die Migranten an Bord des Rettungsschiffes "Aquarius" aufzunehmen. Transportminister Danilo Toninelli von der Partei M5S forderte das Vereinigte Königreich via Twitter auf, "seine Verantwortung für den Schutz der Schiffbrüchigen" zu übernehmen, schließlich fahre das Schiff unter der Flagge Gibraltars. Das britische Überseegebiet Gibraltar liegt an der spanischen Südküste.

Transportminister Toninelli (Mitte)
PAOLO GIANDOTTI/HANDOUT/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Transportminister Toninelli (Mitte)

Die Hilfsorganisationen Ärzte ohne Grenzen und SOS Méditerranée hatten am Freitag insgesamt 141 Migranten von Booten vor der libyschen Küste gerettet. Sie warten derzeit auf die Zuweisung eines sicheren Hafens. Das Schiff befand sich am Montag westlich von Malta.

Seit dem Antritt der rechtspopulistischen Regierung zeigt Italien äußerte Härte in der Migrationsfrage. Im Juni verwehrte sie der "Aquarius" erstmals die Einfahrt in einen Hafen. Auch andere Schiffe, die Menschen aus Seenot gerettet hatten, konnten über Tage hinweg nicht anlegen, weil ihnen nicht sofort ein sicherer Hafen zugewiesen wurde. Schließlich landete es am 17. Juni im spanischen Valencia.

"Das Grundprinzip, Menschen in Seenot zu retten, ist bedroht", warnte Aloys Vimard, Projektkoordinator von Ärzte ohne Grenzen. "Schiffe sind nämlich unter Umständen nicht mehr bereit, auf die Hilferufe zu reagieren, weil das Risiko zu hoch ist, dass ihnen ein nächstgelegener, sicherer Hafen verwehrt wird und sie alleingelassen werden."

Gerettete an Bord hätten der Besatzung berichtet, dass sie vor der Rettung durch die "Aquarius" fünf verschiedene Schiffe in der Nähe gesehen hatten, die aber keine Hilfe leisteten.

In den vergangenen Wochen erging es auch anderen Schiffen und ihrer Besatzung wie der "Aquarius". Auch das Schiff "Lifeline" mit dem deutschen Kapitän Claus-Peter Reisch war zu einer unfreiwilligen Zickzackfahrt gezwungen, weil es zunächst kein Land anlegen lassen wollte. Reisch steht aktuell auf Malta vor Gericht, sein Schiff wird wegen mutmaßlicher Verstöße bei der Registrierung des Bootes vorgeworfen.

cht/dpa/AP

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.