Assads Mann auf dem Golan: Im falschen Ort geboren
Der junge Araber Hamad Awidat lebt auf dem israelisch besetzten Teil der Golanhöhen. Er hat die israelische Staatsbürgerschaft - ist aber glühender Anhänger des syrischen Assad-Regimes. Von seinem Dorf aus verbreitet er dessen Staatspropaganda in die ganze Welt.
Wenn Hamad Awidats Leben so verlaufen wäre, wie er es geplant hatte, wäre der 28-Jährige an diesem Morgen in Tel Aviv. Er würde als Programmierer in einem großen internationalen Unternehmen arbeiten, das er nicht genannt haben will. Stattdessen sitzt der junge Araber an seinem Schreibtisch in Madschdal Schams, einem Dorf im israelisch besetzten Teil der Golanhöhen und berichtet über Syrien - aus der Sicht des Assad-Regimes.
"Manche Völker verbrennen sich, um ihren Präsidenten los zu werden", steht auf einem Plakat, das er in seinem Büro aufbewahrt. "Wir verbrennen uns, um unseren Führer Assad zu behalten." Seine Presse-Weste zeigt links auf der Höhe des Herzens ein Bild von Syriens Präsident Baschar al-Assad und auf der Rückseite die syrische Flagge und den Schriftzug "Suria biheir - Syrien geht es gut und wird es künftig noch besser gehen."
Hamad Awidat sieht sich als Unterdrückter in den Händen des Feindes. Er wurde auf dem Teil der Golanhöhen geboren, der 1967 von Israel besetzt wurde. Zwischen Israel und Syrien bestehen keine diplomatischen Beziehungen: Golanbewohner auf der israelischen Seite können nicht auf die syrische Seite und umgekehrt.
Nationalität "undefiniert"
Awidat hat einen israelischen Reisepass, in dem als Nationalität "undefiniert" eingetragen ist - ein Problem. Anders als die meisten Länder unterscheidet Israel zwischen Staatsbürgerschaft und Nationalität, die bei den meisten Israelis "jüdisch" ist - eine Religionszugehörigkeit. Bei der zweitgrößten Gruppe steht unter Nationalität "arabisch", eine ethnische Zugehörigkeit, in der Regel gleichbedeutend mit "palästinensisch". Aber es gibt auch noch über hundert andere Möglichkeiten.
Eine Option ist etwa "drusisch", die Minderheitenkonfession, der Awidat angehört. Anders als die Araber leisten die Drusen Wehrdienst in der israelischen Armee - mit Ausnahme der Drusen auf den Golanhöhen. Awidat wurde daher nicht als Druse eingestuft, aber auch nicht als Araber.
Der Undefinierte verlor seinen Job als Programmierer, als sein Arbeitgeber einen Auftrag bekam, den man als kritisch für Israels Sicherheit einstufte - und Awidat als Sicherheitsrisiko. Seit der Kündigung schlägt er zurück. Er entschied sich, Journalist zu werden. "Ich kämpfe mit meinem Kopf", sagt er. "Meine Kamera ist meine Waffe." Jetzt dient er den Feinden Israels. Sein Arbeitgeber ist der staatliche iranische Fernsehsender Press TV, der für seine pro-Assad-Berichte bekannt ist.
An diesem Dienstagmorgen schaut sich Awidat die Videoberichte an, die ihm seine Press-TV-Kollegen aus Aleppo und Damaskus geschickt haben. Die Journalisten bezeichnen die Rebellen als Kriminelle, die es zu vernichten gilt. Das Videomaterial wird von Awidat bearbeitet und an Teheran weitergeleitet, zusammen mit seinen eigenen Berichten vom Golan, aus dem Westjordanland und Israel.
Komplizierte Arbeit für den Feind
"Ich bekomme inzwischen Morddrohungen, weil ich die syrische Regierung mit meinen Berichten verteidige", erzählt Awidat. Ein Press-TV-Kollege wurde am 26. September von Unbekannten erschossen, als er im Zentrum von Damaskus vor der Kamera stand. Angst habe er nicht, sagt Awidat trotzig. "Wenn mir jemand eine Ohrfeige gibt, macht mich das nur noch entschlossener."
Weil er für den Feind arbeitet, ist alles etwas komplizierter. Awidat hat meist drei, vier Handys dabei. Mit seinen Kollegen in Syrien tauscht er sich über internetbasierte Chatprogramme wie iMessenger und Blackberry-Messenger aus oder über sein Handy mit palästinensischer Sim-Karte. Israelische Nummern lassen sich von Syrien aus nicht anrufen.
Sein Geld verdient er mit TV-Beiträgen. Er liefert Berichte an das iranische Fernsehen. Im Gegenzug darf er iranische Beiträge an das russische und das chinesische Staatsfernsehen verkaufen und das Geld dafür behalten. Am Ende des Monats wird überprüft, ob sich die Anzahl der gelieferten und der weiterverkauften Berichte ausgleicht. Wenn nicht, überweist ihm Teheran die Differenz. "Von Iran in die Türkei nach Gaza ins Westjordanland und dann nach Israel", erklärt er.
Awidat kennt seinen Feind genau. Problemlos kann er auflisten, wie viele Dörfer Israel auf dem Golan dem Erdboden gleich gemacht hat und wie viele Menschen vertrieben wurden. Etwa 7000 von den rund 130.000 Einwohnern blieben nach dem Krieg übrig. Es macht ihn wütend. Viele Drusen auf dem Golan fühlen ähnlich. Doch in ihrer Haltung gegenüber dem Assad-Regime sind sie uneinig. Ein Teil steht auf Seiten des Regimes, ein anderer auf Seiten der Rebellen.
Das Land, dem seine Loyalität gilt, kennt Awidat kaum. Zuletzt war er vor sieben Jahren in Syrien. Über eine Ausnahmeregelung für die Drusen des Golans konnte er vier Jahre lang nach Damaskus, um Informatik zu studieren - für einen Abschluss, der danach in Israel nicht anerkannt wurde. Er studierte ein zweites Mal Informatik, dieses Mal in Tel Aviv. Noch einmal nach Syrien darf er nicht. Er hat keine Verwandten mehr dort, keine Freunde. "Nach über 40 Jahren Besatzung fangen wir an, die Verbindung zu verlieren", sagt er.
Die Überreste des Lebens auf dem Golan vor dem Krieg kann Awidat mit eigenen Augen sehen, wenn er über das 1200 Quadratkilometer große Gebiet fährt: überwachsene Friedhöfe, ein zerstörtes Minarett. Steinhaufen, die Dörfer waren. Halb zerbombte Häuser mitten im Nichts. Dem Leiden der Menschen in Syrien gegenüber ist er blind. "Es ist normal, dass die Armee Häuser bombardiert. Es ist normal, dass Zivilisten sterben - so ist Krieg."
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- Dienstag, 23.10.2012 – 11:34 Uhr
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Bevölkerung: 22,505 Mio.
Hauptstadt: Damaskus
Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad
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Fläche: 22.072 km²
Bevölkerung: 7,418 Mio.
Regierungssitz: Jerusalem
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Regierungschef: Benjamin Netanjahu
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