Arabische Presse zu Annapolis "Schwache Israelis, schwache Palästinenser, schwache Amerikaner"

Meint es Bush mit seiner Friedensinitiative für den Nahen Osten wirklich ernst? Und sind Olmert und Abbas stark genug, einen Kompromiss durchzusetzen? Das arabische Echo auf die Konferenz von Annapolis ist halb skeptisch, halb optimistisch.

Von Yassin Musharbash


Berlin – Die in London erscheinende panarabische Tageszeitung "Al-Sharq al-Awsat" druckte heute eine Karikatur, die die Stimmung in der arabischen Presse treffend wiederspiegelt: Eine Schwangere ist da zu sehen, die einen riesigen Bauch vor sich herträgt - darin befindet sich ein winziger Fötus.

Die Annäherung zwischen Israelis und Palästinensern sei längst nicht so weit gediehen, wie es der Nahost-Gipfel von Annapolis suggeriere, so die Botschaft der Karikatur - und so auch der Tenor der meisten arabischen Kommentare am Mittwoch.

Abbas, Bush und Olmert auf der Titelseite: Im Gaza-Streifen verkauft ein Palästinenser Tageszeitungen
REUTERS

Abbas, Bush und Olmert auf der Titelseite: Im Gaza-Streifen verkauft ein Palästinenser Tageszeitungen

Die palästinensische Tageszeitung "al-Quda" ("Jerusalem") beginnt mit der Feststellung, dass das Treffen wichtig gewesen sei – auch wenn es "symbolisch war, die Details ungeklärt und die Standpunkte der verschiedenen Seiten noch unklar sind".

Gelobt wird die Ansprache des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas, "der sagte, dass er an den palästinensischen Rechten und Grundsätzen festhalten und nicht von ihnen abrücken wird". Diese Worte seien "erstens an die Israelis gerichtet und zweitens an die palästinensischen und arabischen Parteien". Die islamistische Hamas hatte die Annapolis-Konferenz abgelehnt. Nach Einschätzung von "al-Quda" liegt es nun an den USA und Israel, die neue Friedensinitative voranzubringen: Der Ball liege nun "in der israelischen Spielfeldhälfte". Es sei an den USA, Druck zu machen, damit Israel "ernsthaft mitwirkt". Dies sei der wahre Maßstab für Erfolg oder Misserfolg des Treffens.

Gipfel der Schwachen

In der palästinensischen Zeitung "al-Ayyam" weißt Kommentator Hani Habib auf den Konflikt zwischen Abbas' Fatah und der Hamas hin: Genau wie seinerzeit Jassir Arafat beim Gipfel von Camp David habe diesmal Mahmud Abbas nicht alle Palästinenser hinter sich. Habib kritisiert, dass Abbas in Annapolis als Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde geführt wurde – nicht als Präsident der PLO, die für Verhandlungen mit Israel im Namen aller Palästinenser zuständig sei.

In der panarabischen Tageszeitung "al-Hayat" drückt der Ägypter Hasan Nafia seine Skepsis aus: "Die amerikanischen und die israelischen Vorstellungen für eine endgültige Lösung" des Nahost-Konflikts hätten sich nicht verändert. Annapolis sei ein Gipfel der Schwachen: Die Palästinensische Autonomiebehörde sei nicht stark, weil sie angesichts des Konflikts mit der Hamas nicht alle Palästinenser repräsentiere. Die Israelis seien nicht stark, weil sie im vergangenen Jahr den Libanon-Krieg gegen die Hisbollah verloren hätten. Und die US-Amerikaner seien nicht stark, weil sie im Irak und in Afghanistan unter Druck stünden. Alle anderen Teilnehmer, namentlich die arabischen Staaten, könnten dagegen an den Realitäten der israelischen Besatzung ohnehin nichts ändern. Er sehe keinen Hinweis, dass das Treffen einen Erfolg bringen könne - "aber ich hoffe, dass ich falsch liege", schreibt Nafia: "Ein Scheitern wäre katastrophal."

In der englischsprachigen libanesischen Zeitung "Daily Star" wird ein Kommentar von Hasan Abu Nimah abgedruckt, der die Teilnahme der arabischen Staaten bei dem Treffen "vernünftig" nennt. Die Kritik sei zwar richtig, dass die Teilnahme Israel die Gelegenheit gebe, auf gleicher Augenhöhe und ohne Gegenleistungen mit arabischen Staaten zu verkehren, mit denen es keine diplomatischen Beziehungen gibt. Genauso vertretbar sei eine Boykottforderung angesichts der Tatsache, dass das israelische Parlament "eine Gesetzgebung erlaubt hat, die jede Diskussion der Zukunft Jerusalems verbietet". Doch eine Verweigerung der Araber wäre als "unfreundlicher Akt" interpretiert worden. Eine Nichtteilnahme der Araber "hätte für Israel eine Win-Win-Situation bedeutet".



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