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Arafat-Trauerfeier: Joschka Fischer wie lästiger Demonstrant behandelt

So wurde Außenminister Joschka Fischer noch nie im Ausland empfangen: Erst musste er wie zahlreiche andere Ehrengäste im Flugzeug Warteschleifen drehen. Dann wurde gedrängelt und geschubst. Am Ende verpassten die Europäer die Trauerfeier für Jassir Arafat.

Kairo - Nach Angaben westlicher Diplomaten konnte kein einziger europäischer Gast an der zentralen Trauerfeier auf dem Flughafen in Kairo teilnehmen, weil offenbar Gäste aus islamischen Ländern von den Organisatoren bevorzugt eingelassen wurden.

Zunächst konnten viele Flugzeuge, darunter auch das des deutschen Außenministers, nicht landen, weil der Andrang auf dem Flughafen zu groß war. Nach vielen Warteschleifen mussten Fischer und seine Delegation noch eine weitere Dreiviertelstunde in der Maschine ausharren.

Als sie schließlich am Ort der Zeremonie eintrafen, schlossen die Sicherheitskräfte gerade das Tor. "Es ist vorbei", riefen sie den Deutschen zu. In der Delegation befanden sich auch der SPD-Generalsekretär Klaus Uwe Benneter und der 82-jährige, frühere Nahost-Beauftragte Hans-Jürgen Wischnewski.

Vor dem Tor des Militärflughafens herrschte zeitweise völliges Chaos. Die angereisten Ehrengäste wurden von den ägyptischen Sicherheitskräften herumgeschoben wie lästige Demonstranten. Die Leibwächter der verschiedenen europäischen Delegationen lieferten sich Rangeleien mit den Sicherheitskräften und untereinander, um ihre jeweiligen Schützlinge heil durch das Chaos zu steuern.

Dabei wurde der französische Außenminister Michel Barnier heftig gegen Journalisten geschubst. Wischnewski, der im Rollstuhl sitzt, wurde massiv von Sicherheitsbeamten abgeschirmt, um keinen Schaden zu nehmen. Auch der außenpolitische Beauftrage der Europäischen Union, Javier Solana, steckte im Gedränge fest.

Nachdem zum vorgesehenen Beginn der Zeremonie noch viele Gäste fehlten, wurde eilig eine zweite Zeremonie organisiert, ebenfalls in der Nähe des Flughafens Kairo. Wie viele andere kam Fischer auch in diese Veranstaltung nicht hinein.

Fischer blieb dennoch gelassen. "Das ist eine große Herausforderung, vor der die Ägypter standen und hier ist niemandem ein Vorwurf zu machen", sagte er. Nach zwei Stunden auf ägyptischem Boden flog er zurück nach Berlin. Sein Besuch sei nicht vergeblich gewesen: "Ich denke, die Geste war ganz entscheidend."

Immerhin gelang es Fischer noch, in einem nahegelegenen Hotel ein kurzes Gespräch mit Solana, einem Arafat-Bruder und dem Uno-Beauftragten für den Nahost-Friedensprozess, Terje Roed-Larsen, zu führen.

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