Argentinien Familie will Mord an Staatsanwalt Nisman belegen können

Die Angehörigen des Staatsanwalts Alberto Nisman erheben schwere Vorwürfe: Untersuchungen würden belegen, dass der Jurist nicht durch Suizid oder Unfall gestorben sein kann. Argentiniens Präsidentin Cristina Kirchner wird das kaum tangieren.

Demonstrant mit Porträt Nismans (am 18. Februar): Mord mit Kalkül?
AFP

Demonstrant mit Porträt Nismans (am 18. Februar): Mord mit Kalkül?


Buenos Aires - Die Familie des unter ungeklärten Umständen gestorbenen argentinischen Staatsanwalts Alberto Nisman geht von einem Mord aus. Unabhängige forensische Tests hätten ergeben, dass der Jurist getötet worden sei, sagte Nismans Exfrau laut der britischen BBC und der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Ergebnisse der Untersuchungen würden die bislang vertretene Hypothese widerlegen, Nisman sei bei einem Unfall gestorben oder habe sich das Leben genommen.

Die genauen Umstände von Nismans Tod Mitte Januar sind bislang nicht geklärt. Ein Mord wird nicht ausgeschlossen. Die argentinische Präsidentin Cristina Kirchner äußerte den Verdacht, dass der Geheimdienst Secretaría de Inteligencia den Staatsanwalt ermordet haben könnte, um ihr anschließend Vertuschung vorzuwerfen. Sie ließ den Geheimdienst daraufhin auflösen und durch eine neue Behörde ersetzen.

Keine Klage gegen Kirchner

Seit einer Woche ist bekannt,dass Kirchner nicht wegen des Verdachts angeklagt wird, Ermittlungen zu einem Terroranschlag auf ein jüdisches Gemeindehaus behindert zu haben. Diesen Verdacht hatte Nisman offenbar, eine Anklage hatte er kurz vor seinem Tod bereits vorbereitet.

Kirchner wurde vorgeworfen, nach einem Anschlag auf das jüdische Gemeindehaus "Amia" in Buenos Aires im Jahr 1994 ein Vertuschungsmanöver initiiert zu haben. Vorgebracht wurde die Anklage Mitte Januar von dem ermittelnden Staatsanwalt Alberto Nisman. Als Drahtzieher des Attentats vermuten die Ermittler ehemalige Regierungsmitglieder aus Iran.

Wenige Tage später wurde Nisman mit einem Kopfschuss tot in seiner Wohnung aufgefunden - nur Stunden vor einer geplanten Anhörung im Parlament, in der er der Präsidentin vorwerfen wollte, seine Ermittlungen zu behindern.

Vor zwei Wochen hatte ein weiterer Staatsanwalt die Vorwürfe Nismans gegen Kirchner und Außenminister Héctor Timerman bekräftigt. Er warf Kirchner vor, die Ermittlungen zu dem Bombenanschlag in Buenos Aires zu behindern, um die Beziehungen zu Iran nicht zu belasten. Der Richter sagte, er nehme den Fall nicht an, da keine Straftat begangen wurde.

mxw/Reuters



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insgesamt 3 Beiträge
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Pfaffenwinkel 05.03.2015
1. Alle Fakten
sprechen für einen Mord. Der oder die Täter werden in diesem Land aber vermutlich nicht belangt werden.
abc-xyz 05.03.2015
2. Argentinien - auf dem Weg zum Unrechtsstaat
Argentinien entgleitet immer mehr zum Unrechtsstaat. Ich erkenne immer mehr Analogien zu Venezuela, Zimbabwe und eben dem Iran. Die Freundschaft zu diesen Staat ist offensichtlich. Selbst das Ablenken auf äußeren Feinden wie zum Beispiel die britischen Falkland Insel sind gewohnte Mittel eines Unrechtsregimes. Der Mord an Nisman könnte kaum offensichtlicher sein.
bulleroth74 05.03.2015
3. Alle Fakten
im Mordfall Kennedy sprechen gegen einen Einzeltäter. Kugeln die um die Ecke fliegen. 3 Kugeln 7 Einschüsse. Aber die Täter werden in diesem Land seit 40 Jahren nicht belangt. Ist der gleiche Fall wie hier. Geheimdienste töten einen Staatsdiener und werden nicht belangt. Das gleiche wie bei Barschel. Da gibt es in jedem Land genug Fälle.
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