Südamerika Generalstreik legt Argentinien lahm

Busse und Bahnen stehen still, Inlandsflüge werden gestrichen. Argentiniens Gewerkschaften protestieren mit einem Generalstreik gegen die Politik von Präsidentin Kirchner und lähmen das Land. Die Regierung wettert: Das sei Erpressung.

AP/dpa

Buenos Aires - Der Generalstreik hat Argentinien vorübergehend verwandelt. An sonst belebten Busbahnhöfen bleiben die Straßen und Bürgersteige leer. Über Autobahnen ziehen Demonstranten mit Plakaten. Die Eingänge der sonst vollen U-Bahnhöfe sind verriegelt. In der Hauptstadt Buenos Aires türmen sich die Müllberge.

Aus Protest gegen die Wirtschaftspolitik der Regierung haben mehrere Gewerkschaften den Donnerstag zum "Tag des Streiks" erklärt und das Land weitgehend lahmgelegt.

Die Forderungen der Verbände sind vielfältig. Sie wollen ein Zeichen gegen die grassierende Kriminalität und für mehr Sicherheit in dem südamerikanischen Land setzen. Aber es geht vor allem um die Wirtschaftspolitik von Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner - und die hohe Inflation. Die Regierung hat versucht, die Lohnsteigerungen zu begrenzen. Die Gewerkschaften dagegen verlangen ein Gehaltsplus in Höhe der erwarteten Inflation von mehr als 30 Prozent.

Innenminister Florencio Randazzo bezeichnete den Streik als "erpresserisch". Das Lahmlegen der Transportmittel verhindere die Beförderung derjenigen Arbeitnehmer, die sich nicht dem Streik anschließen wollten.

Auf einer Autobahn bei Buenos Aires wurden bei Auseinandersetzungen fünf Polizisten und ein Demonstrant verletzt. Ein Gewerkschafter wurde festgenommen, wie der Nachrichtensender C5N berichtete.

Die Inlandsflüge wurden am Donnerstag gestrichen. Der internationale Flugverkehr startete und landete in Buenos Aires dagegen größtenteils nach Plan. Die Zeitungen vom Donnerstag wurden vorzeitig gedruckt und am Mittwoch vor Mitternacht ausgetragen. "Über eine Million Arbeiter haben sich dem Streik angeschlossen", sagte ein Sprecher der Gewerkschaftszentrale CGT.

Die Lehrer der Provinz Buenos Aires hatten Ende März nach einem 17-tägigen Streik in ihrer Tarifrunde eine Gehaltserhöhung von 31 Prozent durchgesetzt. Die regierungsfreundlichen Gewerkschaften der Bau- und Metallarbeiter schlossen Anfang April Anpassungen von knapp unter 30 Prozent ab. In den meisten Gewerkschaften stehen die Tarifverhandlungen erst am Anfang.

Die wirtschaftliche Lage verärgert viele Argentinier. In den ersten beiden Monaten dieses Jahres wurde eine Inflation von akkumuliert 7,2 Prozent ermittelt. Wirtschaftsexperten schätzen, dass sich die im Januar beschlossene Abwertung des Peso um 22 Prozent noch nicht voll auf die Preisentwicklung ausgewirkt hat. Die Regierung hat eine starke Erhöhung der Gas- und Strompreise angekündigt, um die Kosten der Energie-Importe zu senken.

kgp/dpa

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raber 10.04.2014
1. Argentinien würgt sich selber ab
Wie soll das Land auch richtig funktionieren, trotz inmenser Bodenreichtümer, wenn z.B. in sehr guten Wohngegenden wie Recoleta oder Palermo, viele Mieter insgesamt maximal 10 Euro an Wasser- und Stromkosten monatlich zahlen weil es von der Regierung subventioniert wird? Dadurch besteht schon bei Kindern kein Anlass umweltfreundlich damit umzugehen und die Klimaanlage läuft voll im Sommer, selbst wenn niemand zuhause ist, und die Heizung voll im Winter. Wenn der Wasserhahn 365 Tage im Jahr tropft ist es auch kein Problem weil es ja so billig ist. Und diese Mentalität spiegelt sich leider überall und zu oft wieder. Die Massen verdienen wirlkich wenig und die Oberen sehr viel. Damit ist es eine explosive Situation die alle para Jahre hochkommt, aber die Argentinier können damit leben. Man braucht sich nur die Wahlergebnisse mehrerer Jahrzehnte anzusehen um es auch dort feststellen zu können.
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