Argentinische Militärdiktatur Männer hinter Mord an Elisabeth Käsemann verurteilt

In Argentinien sind vier frühere Armeeangehörige zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Unter anderem sind sie für den Mord an der Deutschen Elisabeth Käsemann verantwortlich.

Elisabeth Käsemann: 1977 in Argentinien erschossen
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Elisabeth Käsemann: 1977 in Argentinien erschossen


Buenos Aires - In Argentinien sind vier frühere Armeeangehörige wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit während der Militärdiktatur (1976-1983) zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt worden. Unter anderem sind sie für die Ermordung der Deutschen Elisabeth Käsemann verantwortlich. Die vier Männer wurden von dem Gericht in Buenos Aires für schuldig befunden, in dem geheimen Gefängnis Vesubio im Südwesten der Hauptstadt schwere Verbrechen an 204 Häftlingen begangen zu haben.

Laut dem Urteil machten sich die vier Angeklagten, die mittlerweile zwischen 66 und 82 Jahre alt sind, illegaler Freiheitsberaubung sowie der Folter, der Vergewaltigung und des Mordes schuldig. Insgesamt waren in dem Gefängnis zwischen 1976 und 1978 rund 2500 Menschen inhaftiert. Die geheime Hafteinrichtung wurde 1978 abgerissen, als eine Delegation der Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte ihren Besuch ankündigte. Bereits 2011 waren zwei hohe Offiziere wegen der Verbrechen in dem Gefängnis zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Die deutsche Soziologin Elisabeth Käsemann war 1977 verschleppt worden. Acht Wochen später wurde ihre von Kugeln durchlöcherte Leiche zusammen mit den Leichen von 15 anderen Häftlingen auf einer Brachfläche gefunden. Insgesamt wurden nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten während der Militärdiktatur in Argentinien rund 30.000 Menschen ermordet. Seit der Aufhebung einer Amnestie im Jahr 2003 wurden nach Angaben der Justiz mehr als 550 frühere Soldaten und Polizisten wegen Verbrechen unter der Militärjunta verurteilt.

mka/AFP

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insgesamt 14 Beiträge
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singpat 19.12.2014
1. Waere ja auch passend,
wenn man die Personen auf deutscher Seite, die jegliche Hilfe unterlassen hatten und lieber dem Militaerregime in die Hand spielten juristisch auf die Pelle ruecken koennte. Kein Ruhmesblatt der deutschen Aussenpolitik, diese Geschichte
Wellness 19.12.2014
2. Schlechtes Gewissen
Sicher hat dazu beigetragen das Deutschland mitankläger war.In der Zeit der Inhaftierung hat Frau Käsemann keine Unterstützung durch die Botschaft erhalten.Sie wäre frei und am leben gewesen wäre Herr Genscher zu der Zeit Aussenminister vorstellig geworden.Eine unrühmliche Episode der Bundesdeutschen Aussenpolitik.
Haywood Ublomey 19.12.2014
3. Der Kanzler hieß Schmidt.
Ihm war es wichtiger, Kernreaktoren, Panzer und Fregatten zu verlaufen, als sich um ein bisschen Menschenrechte zu kümmern. Da ist er sich ja auch treu geblieben – über China und Russland redet er heute auch nicht anders.
lemmy 19.12.2014
4. Die fehlenden Angeklagten
Schuldig am Tod von Elisabeth Käsemann sind die ehemaligen Staatsminister Klaus von Dohnany, Hildegard Hamm-Brücher, der ehemalige Außenminister Genscher, der DFB Präsident Herbert Neuberger und allen voran der damalige deutsche Botschafter in Buenos Aires Jörg Kastl. Alle fünf Personen hätten ganz persönlich und ohne großen Aufwand die Ermordung von Frau Käsemann verhindern und ihre Freilassung erreichen können. Eine zutiefst beschämende und beängstigende Episode deutscher Geschichte. Eine besonders erschreckende und kaltherzige Figur macht hierbei der damalige deutsche Botschafter Jörg Kastl, der bis heute in Interviews behauptet, Frau Käsemann sei selber schuld und habe den Tod quasi verdient. Die anderen vorgenannten Politiker und Fussballfunktionäre hatten einfach kein Interesse weil eine reibungslose Weltmeisterschaft und das Milliardengeschäft mit dieser Veranstaltung allemal wichtiger war. Wer sich hierüber ausführlich und objektiv informieren will, der schaut am besten die Doku "Das Mädchen" an. Eine traurige und erschütternde Geschichte über das gänzliche Versagen von Politik und jeglicher Form von Menschlichkeit.
Stäffelesrutscher 19.12.2014
5.
Und der DFB ging so bereitwillig zu den Diktatoren und ihren deutschen, nun ja, Vorbildern (Oberst Rudel), wie man es sich heute gar nicht mehr vorstellen kann. Udo Jürgens hat mal irgendwann gesagt, dass er als Akt des Protestes das WM-Lied ("Buenos Dias, Argentina") dermaßen übertrieben kitschig getextet und komponiert habe, dass eigentlich jeder hätte merken können, dass es als Ironie oder Sarkasmus gemeint war.
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