Vorgetäuschter Mord Russischer Journalist Babtschenko ist am Leben

Der für tot erklärte russische Kriegsjournalist Arkadij Babtschenko lebt. Er trat bei einer Pressekonferenz in Kiew vor die Öffentlichkeit. Der ukrainische Geheimdienst behauptet, er habe einen russischen Mordplan vereitelt.

Mykola Lazarenko/ Ukrainian Presidential Press Service / REUTERS

Der angeblich in Kiew ermordete russische Journalist Arkadij Babtschenko lebt. Der 41-Jährige erschien am Mittwoch in Kiew auf einer Pressekonferenz des ukrainischen Geheimdienstes SBU. Dort entschuldigte sich der verheiratete Vater einer Tochter unter anderem bei seiner Ehefrau für Nachrichten über seinen angeblichen Tod.

Der angebliche Mord sei eine über Monate vorbereitete Aktion gewesen, um Anschlagspläne des russischen Geheimdienstes zu enttarnen, sagte SBU-Chef Wassili Grizak. Russland habe einen Auftragsmörder für die Exekution Babtschenkos angeheuert, hieß es weiter.

Angeblich 40.000 Dollar für Auftragsmord

Der Täter habe von den Hintermännern 30 000 US-Dollar in Aussicht gestellt bekommen, für einen Mittelsmann habe es 10 000 Dollar gegeben, sagte Geheimdienstchef Grizak. Offenbar hätte das Attentat zum Finale der Champions League stattfinden sollen. Weitere Einzelheiten gab der Geheimdienst nicht bekannt.

Babtschenko sagte, er sei vor etwa einem Monat eingeweiht worden. "In diesem Monat habe ich gesehen, wie die Jungs arbeiten, wie eifrig sie sind. Den ganzen Monat über waren wir im Kontakt, haben wir nachgedacht, gearbeitet, gehandelt. Und das Ergebnis war dieser Spezialeinsatz."

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Journalist Babtschenko: Eben noch tot geglaubt - jetzt im TV

Bislang hatten die ukrainischen Behörden mitgeteilt, Babtschenko sei am Dienstagabend in Kiew mit drei Kugeln in den Rücken erschossen worden und sei nach der Tat von seiner Ehefrau in einer Blutlache im Hauseingang gefunden worden. Noch am Mittwochvormittag hatte der ukrainische Premier Wolodymyr Hrojsman die Regierung in Moskau beschuldigt, Babtschenko ermordet zu haben. Zuvor hatte unter anderem das ukrainische Innenministerium die Vorwürfe erhoben. Russland hatte alle Anschuldigungen zurückgewiesen.

Babtschenko hatte Russland Anfang 2017 verlassen, weil sich Drohungen gegen ihn und seine Familie gehäuft hatten. In Kiew arbeitete er zuletzt unter anderem für den krimtatarischen TV-Sender ATR.

Russland wirft Ukraine Propaganda vor

Babtschenko hatte in den Neunzigerjahren als junger russischer Soldat im Tschetschenien-Krieg gedient. Als Journalist arbeitete er bislang unter anderem in den Kriegs- und Krisengebieten Ostukraine, Tschetschenien und Südossetien.

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums erklärte auf Facebook, man sei glücklich darüber, Babtschenko lebend zu sehen. Gleichzeitig warf sie der Regierung in Kiew vor, den Journalisten für Propagandazwecke zu missbrauchen. Der Kreml lehnte eine Stellungnahme zunächst ab. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko erklärte unterdessen, sein Land werde Babtschenko und dessen Familie weiterhin beschützen.

dop/ala/Reuters/AP/dpa/AFP



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