Franziskus in Armenien Papst legt sich mit Erdogan an

Das dürfte Streit mit der Türkei geben: Bei einem Besuch in Eriwan hat Papst Franziskus die Verfolgung der Armenier als "Genozid" bezeichnet.

Papst Franziskus in Eriwan
AFP

Papst Franziskus in Eriwan


Papst Franziskus hat die Verfolgung der Armenier im Ersten Weltkrieg wie schon im Vorjahr als Völkermord eingestuft. "Diese Tragödie, dieser Genozid hat leider den Beginn der traurigen Serie von riesigen Katastrophen im vergangenen Jahrhundert markiert", sagte das Kirchenoberhaupt bei einem Treffen mit dem armenischen Präsidenten Sersch Sarkissjan in Eriwan.

Damit ist Streit mit der Türkei programmiert. Ankara hatte 2015 kurzzeitig den Botschafter aus dem Vatikan abberufen, nachdem Franziskus von einem Genozid gesprochen hatte. Der Botschafter des Vatikans war ins Außenministerium einbestellt worden. Die Türkei lehnt den Begriff Genozid ab.

Bei den Massakern im Osmanischen Reich wurden schätzungsweise bis zu 1,5 Millionen Armenier getötet. Franziskus hatte vergangenes Jahr in einer Predigt den "ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts" verurteilt. Zuletzt hatte eine Resolution des Deutschen Bundestags, die explizit von einem Völkermord an den Armeniern spricht, für diplomatische Verwerfungen zwischen Ankara und Berlin gesorgt.

Armeniens Präsident würdigte die Haltung des Papstes zu den Massakern vor 101 Jahren als "Botschaft der Gerechtigkeit".

Franziskus würdigte Armenien als die erste christliche Nation der Welt. Das Christentum wurde in Armenien nach der Überlieferung schon im Jahre 301 Staatsreligion, das Römische Reich folgte erst 380.

Zuletzt hatte 2001 Papst Johannes Paul II. die Kaukasusrepublik besucht. An diesem Samstag will der Papst unter anderem die Genozid-Gedenkstätte Zizernakaberd in Eriwan besuchen und später im Zentrum der Hauptstadt ein Friedensgebet sprechen. Dazu werden rund 60.000 Menschen erwartet.

als/dpa/AFP

insgesamt 45 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
lukapp 24.06.2016
1. Dieser Franziskus
wird ja immer sympathischer!
AllesKlar2014 24.06.2016
2. Respekt!!
Was für ein Mensch. Meine größte Achtung. Wie erbärmlich wirkt dagegen alles andere was man sich in Sachen "das hat aber doch nichts mit Religion zu tun" anhören muss.
vantast64 24.06.2016
3. Er hätte auch zeitnäher argumentieren können Erdogans blutige Hände
erwähnen können. Dieser erwähnt immer wieder "Terroristen", dabei hat er mehr unschuldige Menschen auf dem Gewissen (?), als jeder echte Terrorist.
isegrim der erste 24.06.2016
4. Die Ermordung von 1,5 Millionen Armeniern war ein Genoizid
aber leider nicht der erste im 20. Jh. Vorher, im Jahre 2004 begingen Kolonialtruppen des deutschen Kaiserreiches den Völkermord an den Herero.
itajuba 24.06.2016
5. Vergangernheit
Man muss sich mit der Vergangenheit auseinandersetzen , denn nur, wenn man man seine Fehler eingesteht, kann man es in Zukunft besser machen. So wie die Deutschen nach dem 3. Reich, so sollte Erdogan die Fehler eingestehen, er hat ja persönlich keine Schuld an den damaligen Zuständen. Warum ist er also so borniert?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.