Armenien Regierungsgegner in Eriwan lassen Polizisten frei

Die Geiseln in der besetzen Polizeistation in der Hauptstadt Armeniens wurden freigelassen. Die Geiselnehmer verlangten ein Gespräch mit Journalisten. Und fordern weiterhin den Rücktritt der Regierung.

Geiselnehmer bei einer Pressekonferenz
DPA

Geiselnehmer bei einer Pressekonferenz


Eine Woche nach der Besetzung eines Polizeigebäudes in Armenien haben radikale Regierungsgegner ihre letzten vier Geiseln freigelassen. Zwei Vizepolizeichefs hätten nach Verhandlungen das Haus verlassen, teilten die Behörden in der Hauptstadt Eriwan mit. Zwei Polizeichefs wurden freigelassen, nachdem den Geiselnehmern Zugang zur Medienvertretern garantiert wurde.

Die bewaffneten Geiselnehmer hatten vergangenen Sonntag das Eingangstor des Polizeiareals mit einem Lastwagen durchbrochen und bei einem Feuergefecht einen Polizisten getötet und vier verletzt. Insgesamt nahmen sie sieben Menschen als Geiseln. In den vergangenen Tagen ließen sie immer wieder einzelne von ihnen frei - "als Zeichen des guten Willens".

Das Gebäude blieb allerdings besetzt. Die bewaffneten Angreifer fordern mit der Besetzung die Freilassung von politischen Gefangenen und den Rücktritt der Regierung. "Falls die Behörden unsere Forderungen nicht erhören, werden wir weitere Schritte unternehmen. Wir haben genug Waffen und Leute", sagte einer der Männer.

Die Regierungsgegner in der Südkaukasusrepublik kritisieren insbesondere die Politik von Präsident Sersch Sargsjan. Sie werfen dem Staatsoberhaupt Machtmissbrauch und Unterdrückung der Opposition vor.

Oppositionsführer in Haft

Am Mittwoch waren mehr als 1500 Menschen in Eriwan auf die Straße gegangen, um gegen die Regierung zu protestieren und ein friedliches Ende der Geiselnahme zu verlangen. Die Polizei ging mit Tränengas und Blendgranaten gegen die Menge vor.

Der Oppositionsführer Dschirair Sefiljan sitzt seit Juni wegen Waffenbesitzes in Haft. Ihm und sechs seiner Anhänger, die ebenfalls festgenommen wurden, wird vorgeworfen, die Besetzung mehrerer Regierungsgebäude und Telekommunikationseinrichtungen geplant zu haben.

Das christliche Armenien mit drei Millionen Einwohnern verfolgt eine "Schaukelpolitik" zwischen Ost und West. Einerseits ist die frühere Sowjetrepublik Mitglied des EU-Partnerschaftsprogramms. Andererseits trat Armenien 2015 der von Russland dominierten Zollunion bei.

sun/dpa/AP/AFP

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