Armut Bill Gates schenkt Hungernden 300 Millionen

Microsoft-Gründer Bill Gates fordert die G-20-Staaten auf, ihre finanziellen Versprechen im Kampf gegen den weltweiten Hunger einzuhalten. Er selbst will 300 Millionen Dollar an arme Kleinbauern in Afrika und Indien verschenken - davon profitiert auch eine umstrittene Organisation.

Von Petra Bornhoeft

REUTERS

Berlin - Bisher unterstützt die vom Ehepaar Bill und Melinda Gates 1999 gegründete Stiftung vor allem die Behandlung und Bekämpfung von Krankheiten in Entwicklungsländern. Doch nun wollen sich die Wohltäter verstärkt im Kampf gegen den globalen Hunger engagieren. Hilfe ist bitter nötig. 1,02 Milliarden Menschen leiden unter chronischem Hunger und Armut, wie die Welternährungsorganisation (FAO) am Mittwoch mitteilte.

"Melinda und ich glauben, dass der stärkste Hebel für die Verringerung von Hunger und Armut darin besteht, die Ernten der Kleinbauern zu vergrößern und ihnen Zugang zu den Märkten zu verschaffen", so Gates. Es sei ein großer Fortschritt, dass sich die internationale Gemeinschaft nach nunmehr zwei Jahrzehnten endlich um die ländliche Entwicklung kümmere. Aber nachdem die G-20-Staaten kürzlich rund 22 Milliarden Dollar für arme Kleinbauern in den Entwicklungsländern binnen der nächsten drei Jahre versprochen hätten, müssten sie nun ihre Zusagen präzisieren: "Sie müssen sagen, was die 22 Milliarden Dollar konkret bedeuten, wie viel davon ist altes, früher zugesagtes Geld, wie viel ist neu, wie bald wird das Geld ausgegeben, und wann werden sie mehr tun".

Die Gates-Foundation selbst (Stiftungsvermögen 30 Milliarden US-Dollar) hat bisher mit insgesamt 1,4 Milliarden Dollar die ländliche Entwicklung gefördert. Das jährliche Budget von etwa 300 Millionen Dollar wird auch in diesem Jahr stabil gehalten. Mit dem Geld unterstützt die Stiftung beispielsweise ein Rundfunk-Projekt, mit dessen Hilfe 1,6 Millionen Kleinbauern in Afrika über das Radio Zugang zu Informationen für ihre Arbeit bekommen können. In Uganda soll die verbilligte Nutzung von Handys modellhaft für Kleinbauern in Subsahara erprobt werden. Neben Investitionen in die Erforschung von Produktivitätssteigerungen beim Anbau von Hirse oder Süßkartoffeln werden Programme für Schulspeisung oder die Ausbildung von Bäuerinnen im Boden und Wassermanagement finanziert.

"Die nächste grüne Revolution muss grüner werden"

Einer der größten Teilbeträge, 15 Millionen Dollar, fließt an Kofi Annans "Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika" (AGRA), die sich insbesondere der Steigerung der Produktivität in der Landwirtschaft widmet. Zu deren Sponsoren gehören neben der Gates-Foundation die Rockefeller-Stiftung, die Entwicklungsbehörden der britischen und der US-Regierung.

Im Kreis der Entwicklungspolitiker ist AGRA umstritten, weil die finanzstarke Organisation angeblich mit dem industriellen Agro-Business verbandelt und womöglich ein Trojanisches Pferd für die Einführung und Verbreitung der Gentechnik ist, argwöhnen Kritiker. "Unsere Mission ist es nicht, für oder gegen die Gentechnik zu plädieren", heißt es zurückhaltend bei AGRA, die Regierungen müssten darüber entscheiden.

Gates lehnt die Grüne Revolution in Asien und Lateinamerika während der sechziger bis achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts als Vorbild ab. Trotz der unbestrittenen Erfolge für Ernährung und ökonomische Entwicklung in Asien dürften keinesfalls die Fehler des übermäßigen Gebrauchs von Düngemitteln und bei der Bewässerung wiederholt werden. "Die nächste grüne Revolution muss grüner werden als die erste", sagt Gates, "sie muss gesteuert werden von den Kleinbauern, angepasst sein an die lokalen Bedingungen, und sie muss nachhaltig sein für Wirtschaft und Umwelt."

Gegenwärtig werde der Kampf gegen den globalen Hunger behindert durch einen "ideologischen Keil": Zur Steigerung der Produktivität setzten manche auf Technologie, ohne Umwelt und Nachhaltigkeit genügend Beachtung zu schenken. Andere Gruppen reagierten ablehnend gegenüber jeder Anstrengung zur Steigerung der Produktivität. "Das ist eine falsche Alternative ", so Gates, "wir brauchen beides, Produktivität und Nachhaltigkeit - und das ist möglich."

Im November wollen Staats- und Regierungschefs beim Welternährungsgipfel in Rom erneut über Auswege aus der katastrophalen Situation beraten. Bill Gates machte den Staaten am Donnerstag bei einem Experten-Symposium in Des Moines im US-Staat Iowa Druck: Er forderte eine Gemeinschaftsaktion der Regierungen, Geber, Forscher, Bauernorganisationen und Umweltschützer zur Unterstützung der ärmsten Bauern der Welt.

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insgesamt 842 Beiträge
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Seite 1
shakowsky 14.10.2009
1.
Na da freu ich mich ja jetzt schon auf die aus den Klima Threads sattsam bekannte "selber schuld", "wer arbeitet, hat auch keinen hunger" und "was hat denn hunger in bangla desh mit mir in Wanne-Eickel zu tun" Fraktion. Hiermit reklamiere ich sämtliche "Gutmensch" Keulen für mich. Für alle anderen, die behaupten, das Leben hätte selten einfache Lösungen für komplexe Probleme, denkt Euch bitte neue Schmähungen aus, "Gutmensch" ist besetzt. Zur Frage: TEILEN, TEILEN, TEILEN. Heisst fair handeln und sich evtl. mal nicht 7 Tage in der Woche mit Fleisch vollzustopfen, bis man nicht mehr kann.
kerstin andrea 14.10.2009
2.
Zitat von sysopUno und Welthungerhilfe schlagen Alarm: Die Wirtschaftskrise hat nach Angaben der Ernährungsorganisation FAO verheerende Auswirkungen für die Armen in der Welt. Heute leidet mehr als eine Milliarde Menschen an Unterernährung. Wie kann der Hunger in der Welt bekämpft werden?
Ich kann den Bericht in GEO Oktober 09 empfehlen. Wir sollten uns ernsthaft mit diesem Thema beschäftigen.Welche Landwirtschaft ist die bessere?
LouisWu 14.10.2009
3.
Zitat von shakowskyNa da freu ich mich ja jetzt schon auf die aus den Klima Threads sattsam bekannte "selber schuld", "wer arbeitet, hat auch keinen hunger" und "was hat denn hunger in bangla desh mit mir in Wanne-Eickel zu tun" Fraktion. Hiermit reklamiere ich sämtliche "Gutmensch" Keulen für mich. Für alle anderen, die behaupten, das Leben hätte selten einfache Lösungen für komplexe Probleme, denkt Euch bitte neue Schmähungen aus, "Gutmensch" ist besetzt. Zur Frage: TEILEN, TEILEN, TEILEN. Heisst fair handeln und sich evtl. mal nicht 7 Tage in der Woche mit Fleisch vollzustopfen, bis man nicht mehr kann.
Na, das ist wenigstens mal ein klares Bekenntnis. Jetzt brauche ich aber noch eine Einstufung für mich. Was ist eigentlich das Antonym zu "Gutmensch"? Vielleicht könnte man es "menschenverachtender Egoist" (Vorschlag für ein Akronym: MVE) nennen. OK, ich mache den Job. Irgendeiner muß es ja machen. Tatsächlich erinnere ich mich an Berichte über Hungerkatastrophen in der Welt, seit ich auf derselben bin (50+). Und immer waren es Länder der Sahel-Zone, oder Bangla Desh, oder Burkina Faso, oder Indien. Der ungeheuerliche Gedanke, dass es dort vielleicht mehr Menschen gibt, als das Land (aus welchen Gründen auch immer)- und nicht: "die Welt"! - ernähren kann, scheint tabu zu sein. Wie ein geschätzter Mitforist irgendwo mal schrieb, ist "EIGENVERANTWORTUNG" nicht mehr so sehr "En Vogue". Es gefällt mehr, die Schuldigen irgendwo anders zu suchen, idealerweise bei uns, auf keinen Fall bei der Natur, denn die ist per Definition ein denkbar schlechter Sündenbock. Sie dürfen gerne ihre überzähligen Butterbrote in die Hungergebiete schicken, das hat per se meinen Respekt. Nur bringt es die exponentielle Art der Fortpflanzung mit sich, dass Sie kurze Zeit später die Doppelte, dann die Vierfache, und dann die Achtfache Menge an Butterbroten schicken müssen.
shakowsky 14.10.2009
4.
Zitat von LouisWuNa, das ist wenigstens mal ein klares Bekenntnis. Jetzt brauche ich aber noch eine Einstufung für mich. Was ist eigentlich das Antonym zu "Gutmensch"? Vielleicht könnte man es "menschenverachtender Egoist" (Vorschlag für ein Akronym: MVE) nennen. OK, ich mache den Job. Irgendeiner muß es ja machen. Tatsächlich erinnere ich mich an Berichte über Hungerkatastrophen in der Welt, seit ich auf derselben bin (50+). Und immer waren es Länder der Sahel-Zone, oder Bangla Desh, oder Burkina Faso, oder Indien. Der ungeheuerliche Gedanke, dass es dort vielleicht mehr Menschen gibt, als das Land (aus welchen Gründen auch immer)- und nicht: "die Welt"! - ernähren kann, scheint tabu zu sein. Wie ein geschätzter Mitforist irgendwo mal schrieb, ist "EIGENVERANTWORTUNG" nicht mehr so sehr "En Vogue". Es gefällt mehr, die Schuldigen irgendwo anders zu suchen, idealerweise bei uns, auf keinen Fall bei der Natur, denn die ist per Definition ein denkbar schlechter Sündenbock. Sie dürfen gerne ihre überzähligen Butterbrote in die Hungergebiete schicken, das hat per se meinen Respekt. Nur bringt es die exponentielle Art der Fortpflanzung mit sich, dass Sie kurze Zeit später die Doppelte, dann die Vierfache, und dann die Achtfache Menge an Butterbroten schicken müssen.
sag ich doch, einfache lösung für ein komplexes problem. man kürzt die weltpolitischen zusammenhänge auf "butterbrote nach indien schicken". daß da die BILD noch nicht drauf gekommen ist... zu ihrer "tabu" these...gilt die auch für die USA??? http://www.medicalnewstoday.com/articles/32800.php ist ein alter hut, wenn man mehr tut als schlagzeilen lesen, und bestätigt m.E. die erkenntnis, daß es DAS SYSTEM ist, nichts anderes. nein, ich bin kein kommunist. solange afrikanische bauern ihr eigenes brot aus der EU kaufen und ihr eigenes getreide im eigenen land nicht verkaufen können, beides, weil unsere exportpreise durch subventionen pervers gedrückt werden, und ein deutscher hühnerschenkel in nigeria billiger ist als der vom nachbarhof solange schicke ich auch keine "butterbrote nach afrika" (die liste solcher beispiele lässt sich beliebig erweitern, aber das wissen sie sicher) es muss herrlich sein, wenn die welt so einfach ist.
shakowsky 14.10.2009
5.
schade auch: daß man sich in diesem thread jetzt schon darauf einstellen kann, daß die fraktion, die andersdenkende immer abschliessend mit diesem "gutmensch" attribut belegt, offenbar davon ausgeht, daß man entweder a) enthemmt und unreflektiert konsumiert oder b) butterbrote nach indien schickt. dazwischen gibts nix, weil ja die welt so wunderbar einfach ist. ich halte nichts von entwicklungshilfe, nur um das gleich mal zu klären - ich halte viel von gleichen marktchancen für alle, von faieren preisen für harte arbeit, von nicht entfesselten "freier markt mechanismen". wohin die sogar uns allwissende alles könnende erste welt bringen können, hat man ja gerade erst gesehen.
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