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Armut in Afrika: G8-Finanzminister feiern historischen Schuldenerlass

Die Finanzminister der sieben führenden Industrieländer und Russlands haben sich auf einen Schuldenerlass für die ärmsten Länder geeinigt. Mit der historischen Entscheidung werden 18 Staaten sofort von 40 Milliarden Dollar Schulden befreit. Auf längere Sicht profitieren 38 Länder von dem Beschluss.

Beim Treffen der G8-Finanzminister: Historischer Beschluss
DPA

Beim Treffen der G8-Finanzminister: Historischer Beschluss

London - Bundesfinanzminister Hans Eichel bezeichnete die Einigung der G8-Finanzminister als "historischen Beschluss". Es seien harte Verhandlungen gewesen, aber Deutschland habe zugestimmt, weil letztlich eine solide Finanzierung sichergestellt worden sei. Insgesamt werden nach den Angaben über einen Zeitraum von 40 Jahren Schulden in Höhe 55 Milliarden US-Dollar erlassen. Der britische Finanzminister Gordon Brown und sein US-Kollege John Snow bezeichneten den Schuldenerlass als einen "Erfolg für die Welt". "Wir stellen heute die umfangreichste Erklärung vor, die jemals von den Finanzministern zur Schuldenfrage gemacht wurde", sagte Brown vor Journalisten in London.

Nach den Worten Eichels beträgt der deutsche Anteil an dem Schuldenerlass innerhalb der kommenden zehn Jahre insgesamt zwischen 700 und 950 Millionen Euro. Der Schuldenerlass sei an die Bedingung einer "guten Regierungsführung" geknüpft, etwa für den Kampf gegen die Korruption und die sinnvolle Verwendung der Mittel, beispielsweise für das Bildungs- und Gesundheitswesen. 18 Länder erfüllten diese Konditionen bereits.

Konkret sollen die internationalen Finanzinstitutionen Weltbank, Internationaler Währungsfonds (IWF) sowie die Afrikanische Entwicklungsbank die Schulden erlassen. Die Geberländer füllten dann die finanziellen Lücken auf. Gefordert seien dabei auch die Ölförderländer. "Die armen Länder leiden unter den hohen Ölpreisen am meisten", sagte Eichel. Deshalb seien die Ölförderländer neben den reichen Industrieländern auch besonders gefordert, sich an den Kosten der Entschuldung zu beteiligen.

Weitere 20 Länder könnten ebenfalls profitieren, wenn sie die strengen Kriterien erfüllen. Insgesamt könnten Schulden in Höhe von 55 Milliarden Dollar erlassen werden. Von der Übereinkunft in London profitieren unter anderen die afrikanischen Länder Äthiopien, Benin, Burkina Faso, Ghana und Mali, aber auch die lateinamerikanischen Staaten Bolivien und Guyana. Weitere 20 Länder könnten später in das Programm der "Heavily Indebted Poor Countries Initiative" (HIPC) einbezogen werden, wenn sie die Korruption bekämpfen und gute Regierungsarbeit leisten.

Allein die Staaten südlich der Sahara schulden den internationalen Geberorganisationen rund 68 Milliarden Dollar. Der Anstoß für den Schuldenerlass kam vom britischen Premierminister Tony Blair, der die Bekämpfung der Armut in Afrika in den Mittelpunkt seiner G-8-Präsidentschaft stellen will. Blair will dafür die finanzielle Hilfe verstärken, die Schulden erlassen und Exporthürden für die afrikanischen Länder abschaffen. Außerdem fordert Blair, dass die Industriestaaten die Finanzhilfe für Afrika erhöhen. Die USA und Japan lehnen das ab. Es wurde bezweifelt, ob eine Einigung auf dem G-8-Gipfel vom 6. bis 8. Juli im schottischen Gleneagles erreicht werden könnte.

Internationale Hilfsorganisationen begrüßten die Einigung. Sie erklärten, die afrikanischen Staaten könnten damit jährlich 1,5 Milliarden Dollar sparen und dieses Geld in die Gesundheitsfürsorge, Bildung und den Ausbau der Infrastruktur investieren.

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