Protest gegen Armut Vierter Bulgare stirbt nach Selbstverbrennung

Es war ein Akt der Verzweiflung: Ein 40-jähriger Bulgare hat sich selbst angezündet, um gegen Armut und Korruption in seinem Land zu protestieren. Er starb nun an seinen Brandwunden und ist bereits das vierte Opfer von Selbstverbrennungen in dem EU-Land.

Wütende Proteste in Sofia (10. März): Ärmstes Land der EU
AFP

Wütende Proteste in Sofia (10. März): Ärmstes Land der EU


Sofia - Die Serie von Selbstverbrennungen hat in Bulgarien ein viertes Todesopfer gefordert. Wie das Marinekrankenhaus in Warna am Freitag mitteilte, konnten die Ärzte das Leben eines 40-Jährigen nicht retten. Der Arbeitslose hatte sich am Mittwoch im Dorfstadion von Sitowo im Nordosten des Landes angezündet - aus Protest gegen die bittere Armut und Korruption.

Der Vater eines Kindes ist das vierte Todesopfer, das an seinen Brandwunden nach einer Selbstanzündung stirbt. Seit Februar haben sich bereits sechs Menschen in Bulgarien in Brand gesteckt. Ein Fünftel der Bulgaren lebt in dem ärmsten EU-Land unter der Armutsgrenze. Sie liegt bei umgerechnet 120 Euro im Monat.

Als erstes zündete sich am 19. Februar ein Mann aus dem mittelbulgarischen Weliko Tarnowo an. Er setzte sich auf einem Zebrastreifen der Stadt in Brand. Ende Februar hatten Arbeitslosigkeit und Armut einen Vater von fünf Kindern im südbulgarischen Dorf Radnewo in den Verbrennungstod getrieben. Besonders provokativ war der Versuch eines arbeitslosen Eisenschmieds. Er versuchte, sich vor dem Präsidentensitz in Sofia selbst zu verbrennen. Sicherheitskräfte vor dem Eingang retteten sein Leben.

Kirchenoberhaupt: "Nicht der Hoffnungslosigkeit zum Opfer fallen"

Selbstanzündungen in der Öffentlichkeit hat es in anderen Ländern immer wieder gegeben. Dutzende Tibeter haben sich seit 2009 aus Protest gegen die chinesische Unterdrückung bereits angezündet. Ein junger Tunesier löste mit seiner Selbstverbrennung Ende 2010 soziale Unruhen aus, die zum Arabischen Frühling führten. Der tschechische Student Jan Palach verbrannte sich 1969 aus Protest gegen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen öffentlich in Prag. Er wurde zur Symbolfigur für den Widerstand gegen den Kommunismus.

Einen Jan Palach hat nun auch Bulgarien, er heißt Plamen Goranow. Der 36-Jährige zündete sich am 20. Februar in Warna an. Er verlangte damit den Rücktritt des Altbürgermeisters der Hafenstadt, dem er korrupte Machenschaften vorwarf. Mit Erfolg: Am landesweiten Trauertag für Goranow gab der Beschuldigte sein Amt auf. Goranow, dessen Name aus dem Bulgarischen mit "feuerlich" übersetzt werden kann, wurde schnell zur Symbolfigur der Protestbewegung seines Landes.

Mit Massenprotesten gegen hohe Strompreise und Korruption erzwangen die Demonstranten am Tag seiner Selbstanzündung den Rücktritt der bürgerlichen Regierung in Sofia.

Die Kirche ist beunruhigt angesichts der Selbstverbrennungen. Das orthodoxe Kirchenoberhaupt Neofit rief die Bulgaren auf, sich trotz der Massenarmut "unter keinen Umständen" das Leben zu nehmen. "Die Bulgaren dürfen nicht der Hoffnungslosigkeit zum Opfer fallen."

Die neue Interimsregierung traf sich am Freitag mit Arbeitgebern und Gewerkschaften, um dringende Maßnahmen zur Unterstützung der sozial schwachen Menschen zu erörtern. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, will die Regierung Gelder für die Armen bereitstellen.

heb/dpa



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testthewest 22.03.2013
1.
Zitat von sysopAFPEs war ein Akt der Verzweiflung: Ein 40-jähriger Bulgare hat sich selbst angezündet, um gegen Armut und Korruption in seinem Land zu protestieren. Er starb nun an seinen Brandwunden und ist bereits das vierte Opfer von Selbstverbrennungen in dem EU-Land. Armut in Bulgarien: Vierter Mann stirbt nach Selbstverbrennung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/armut-in-bulgarien-vierter-mann-stirbt-nach-selbstverbrennung-a-890384.html)
Wars früher nicht besser für solche Länder, als jeder auf seiner Scholle saß und sich selber ernähren konnte? Da war man zwar arm, aber selbstständig und hatte Arbeit. Nun hocken sie in den Städten und werden nicht gebraucht und können auch nichts mehr mit sich selbst anfangen...
walter_de_chepe 22.03.2013
2. Ein Lügengebäude bricht zusammen!
Die EU ist ein Lügengebäude und bricht zusammen! Für die jungen Demokratien im Osten und Südosten Europas ist sie schlimmer als ein Krieg.
ziegenzuechter 22.03.2013
3. Die EU
ist das allerletzte. vor dem eu beitritt hat sich in bulgarien niemand selbst verbrannt.
Trollvottel 22.03.2013
4.
Die EU und der Euro sind vor allem eine politische Missgeburt unter der die Europäer leiden.
mborevi 22.03.2013
5. Es ist eine Schande ...
... für die EU und ein Armmutszeugnis für die Regierungen, dass man der "Rettung" irrsinnig gewordener Bänker den Wohlstand der Bevölkerung opfert. Wie lange soll das weiter gehen???
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