Urteil in Pakistan Keine Gnade für Doktor CIA

Akribisch sammelte er Genmaterial - und half den USA so, Osama Bin Laden aufzuspüren. Jetzt hat Pakistan den Arzt zu 33 Jahren Haft verurteilt. Washington hatte vergeblich seine Freilassung verlangt. Die Entscheidung der Richter zeigt, wie tief der Riss zwischen Amerika und Pakistan ist.

Von , Islamabad

Bin Ladens Versteck in Abottabad (Archiv): Vorgetäuschte Impfkampagne
REUTERS

Bin Ladens Versteck in Abottabad (Archiv): Vorgetäuschte Impfkampagne


Fast ein Jahr war Shakil Afridi in Gefangenschaft des pakistanischen Geheimdienstes ISI, weil er den USA beim Aufspüren von Osama Bin Laden in der Garnisonsstadt Abbottabad geholfen hatte. Die pakistanischen Sicherheitsbehörden ließen keinen Zweifel daran, dass sie den Mann wegen Hochverrats verurteilen wollten. Die Regierungskommission, die den US-Schlag gegen Bin Laden untersucht, hatte das im vergangenen Oktober empfohlen. Im schlimmsten Fall drohte ihm der Galgen.

Die Hinrichtung bleibt dem Mediziner erspart, aber wirklich glimpflich ist es für ihn nicht ausgegangen. Am Mittwoch verurteilte ein Gericht ihn zu 33 Jahren Haft sowie zu einer Geldstrafe in Höhe von umgerechnet 2750 Euro. Sollte er das Geld nicht aufbringen können, werde die Haftstrafe um weitere dreieinhalb Jahre verlängert. Nur mit Glück dürfte Afridi - der nach verschiedenen Berichten rund 50 Jahre alt ist - jemals lebend das Gefängnis verlassen.

Das Urteil wurde von einem Gericht in den westpakistanischen Stammesgebieten nahe der Grenze zu Afghanistan gefällt. Im Anschluss wurde er ins Zentralgefängnis der Stadt Peschawar verlegt. Das Gericht entschied, Afridi nach einem alten Gesetz aus britischer Kolonialzeit und nicht nach dem pakistanischen Strafgesetz zu verurteilen. Nur deshalb blieb ihm ein Todesurteil erspart.

Afridi hatte als Leiter eines Impfprogramms der CIA beim Sammeln von DNA-Spuren geholfen. Mit dem Material sollte herausgefunden werden, ob sich tatsächlich der Qaida-Chef Bin Laden in Abbottabad aufhält. In den Monaten vor der Tötung Bin Ladens im Mai 2011 zogen Helfer von Haus zu Haus und täuschten eine Impfkampagne gegen Kinderlähmung vor. Seit Sommer 2010 hatten sich Hinweise verdichtet, dass Bin Laden sich womöglich in einem ganz bestimmten Haus aufhält. Die CIA ließ das Anwesen überwachen, wollte aber vor einem Schlag ganz sicher gehen, dass er sich tatsächlich dort aufhält.

Mit dem Vorhaben hofften die Agenten, an die DNA von Bin Ladens Familie zu kommen. Das Erbgut sollte mit Proben verglichen werden, die die CIA von einer Schwester Bin Ladens erlangt hatte, die 2010 in Boston gestorben war.

Panetta bezeichnet Pakistans Vorgehen als "großen Fehler"

Für diese Aktion war der Amtsarzt Shakil Afridi eigens rekrutiert worden. Eigentlich war er für seine Heimat Khyber in den Stammesgebieten zuständig, aber im März 2011 sei er nach Abbottabad gekommen - offensichtlich für viel Geld. Zudem heißt es, er habe im Auftrag der CIA großzügige Summen an die Helfer bezahlt, ohne sie über den wahren Sinn der Aktion zu informieren.

Der Geheimdienst ISI kam Afridi auf die Spur. Zwei Wochen nach der Tötung Bin Ladens verhaftete er 18 Männer, die die CIA mit Informationen versorgt hatten, darunter auch Afridi.

Mehrfach hatten sich die USA für eine Freilassung Afridis eingesetzt und ihm die US-Staatsbürgerschaft in Aussicht gestellt. Außenministerin Hillary Clinton sprach das Thema bei der Regierung in Islamabad an, zuletzt bat Verteidigungsminister Leon Panetta um Gnade für Afridi. Im Januar bestätigte er zwar, dass Afridi für den US-Geheimdienst tätig war, betonte aber auch, er habe Pakistan "in keiner Weise verraten". "Ich glaube, es ist ein wirklich großer Fehler, den sie begehen, wenn sie gegen jemanden auf diese Art und Weise vorgehen, der dabei geholfen hat, Terrorismus zu bekämpfen", kritisierte Panetta damals das pakistanische Vorgehen.

Vergeblich: Afridi wurde Anfang des Jahres offiziell aus dem Gesundheitsdienst entlassen.

Die Verurteilung zeigt, wie verhärtet die Fronten zwischen den Anti-Terror-Partnern USA und Pakistan sind. Die Tötung zweier Pakistaner durch einen CIA-Söldner im Januar 2011, der Schlag gegen Bin Laden, ohne Pakistan vorher darüber zu informieren, sowie der Luftangriff von US-Kampfhubschraubern auf einen pakistanischen Grenzposten im November, bei dem 24 Soldaten getötet wurden, haben das Verhältnis auf einen Tiefpunkt gebracht.

Nach dem Beschuss der Grenzsoldaten schloss Pakistan die Nachschubwege für die Nato nach Afghanistan. Islamabad verlangt von Washington eine offizielle Entschuldigung. Der Nato-Gipfel in Chicago brachte keine Einigung über die Öffnung der Versorgungswege.

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Seite 1
Mobat 23.05.2012
1. Politik auf den Schultern eines einzelnen Mannes
Zitat von sysopREUTERSAkribisch sammelte er Genmaterial - und half den USA so, Osama Bin Laden aufzuspüren. Jetzt hat Pakistan den Arzt zu 33 Jahren Haft verurteilt. Washington hatte vergeblich seine Freilassung verlangt. Die Entscheidung der Richter zeigt, wie tief der Riss zwischen Amerika und Pakistan ist. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,834751,00.html
Da hat ja Pakistan einen tollen Sündenbock gefunden. Fragt sich nur für wen?
randolftreutler 23.05.2012
2. Es fehlt uns häufig an der nötigen Phantasie...
Zitat von sysopREUTERSAkribisch sammelte er Genmaterial - und half den USA so, Osama Bin Laden aufzuspüren. Jetzt hat Pakistan den Arzt zu 33 Jahren Haft verurteilt. Washington hatte vergeblich seine Freilassung verlangt. Die Entscheidung der Richter zeigt, wie tief der Riss zwischen Amerika und Pakistan ist. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,834751,00.html
aber stellen wir uns einfach einmal vor. Pakistan würde in den USA einen für ihr Land gefährlichen Terroristen vermuten und ähnlich vorgehen, wie die USA in Pakistan? Was würden wohl die Amerikaner mit diesem Arzt machen? Ganz bestimmt nicht an Pakistan ausliefern, bestimmt auch nicht freilassen, den Rest diskutiert selbst. Insofern hat für mich staatsrechtlich Pakistan richtig gehandelt, die Souveränität des Landes musste auch der Bevölkerung deutlich gemacht werden. Was sich die USA im Kampf gegen den Terrorismus herausnehmen, ist kaum erträglich....und eines auf keinen Fall...zu rechtfertigen...auch nicht nach dem 11.09. ....sonst herrscht Willkür und nicht mehr Rechtsstaatlichkeit
Der Pragmatist 23.05.2012
3. Ein weiterer Beweis
Zitat von sysopREUTERSAkribisch sammelte er Genmaterial - und half den USA so, Osama Bin Laden aufzuspüren. Jetzt hat Pakistan den Arzt zu 33 Jahren Haft verurteilt. Washington hatte vergeblich seine Freilassung verlangt. Die Entscheidung der Richter zeigt, wie tief der Riss zwischen Amerika und Pakistan ist. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,834751,00.html
Ein weiterer Beweis dafuer, dass Pakistan eben die Terror Zentrale der Welt ist.
moev 23.05.2012
4.
Die USA sollten die Farce von Pakistan als befreundeten Staat aufgeben und offiziel als den Feind behandeln den das Land darstellt. Keine Finanzhilfen mehr und Abbruch sämlicher Wirtschaftskontakte.
Mobat 23.05.2012
5. Gegenfrage
Zitat von randolftreutleraber stellen wir uns einfach einmal vor. Pakistan würde in den USA einen für ihr Land gefährlichen Terroristen vermuten und ähnlich vorgehen, wie die USA in Pakistan? Was würden wohl die Amerikaner mit diesem Arzt machen? Ganz bestimmt nicht an Pakistan ausliefern, bestimmt auch nicht freilassen, den Rest diskutiert selbst. Insofern hat für mich staatsrechtlich Pakistan richtig gehandelt, die Souveränität des Landes musste auch der Bevölkerung deutlich gemacht werden. Was sich die USA im Kampf gegen den Terrorismus herausnehmen, ist kaum erträglich....und eines auf keinen Fall...zu rechtfertigen...auch nicht nach dem 11.09. ....sonst herrscht Willkür und nicht mehr Rechtsstaatlichkeit
Da hat ein Mann einen international gesuchten Terroristen und Nichtpakistani an einen ausländischen Geheimdienst verraten. Wo ist der Straftatbestand gegen Pakistan gegeben?
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