Assad im deutschen TV: Diktator gibt Westen Schuld für Blutvergießen

Es ist eine weitere Hasstirade gegen den Westen: In einem Fernsehinterview hat der syrische Präsident Baschar al-Assad erneut die USA verantwortlich gemacht für das Blutvergießen in seinem Land. Das Interview wird am Abend in der ARD ausgestrahlt.

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DPA/ SWR

Präsident Assad im Interview: "Ein Präsident sollte nicht davonlaufen"

Frankfurt/Main - Es ist einer seiner seltenen Auftritte im westlichen Fernsehen. In einem Interview, das an diesem Sonntag in der Sendung "Weltspiegel" ausgestrahlt wird, hat der syrische Präsident erneut den Westen für das Blutvergießen in seinem Land verantwortlich gemacht. "Solange sie (die USA, Anm. der Redaktion) in irgendeiner Weise Terroristen Unterstützung gewähren, werden sie zu deren Partner", sagte Assad in einem Gespräch mit dem Publizisten Jürgen Todenhöfer für die ARD.

Seit fast eineinhalb Jahren tobt in Syrien ein blutiger Kampf zwischen der Armee des Diktators und Rebellen. Die USA "sind Teil dieses Konflikt", sagte Assad. "Sie spannen einen Schirm auf und bieten diesen Banden politischen Schutz, um Syrien zu destabilisieren." Einen Rücktritt lehnte Assad, der mit brutaler Gewalt gegen eine immer stärker werdende Protestbewegung vorgeht, ab.

"Ein Präsident sollte vor nationalen Herausforderungen nicht davonlaufen, und wir stehen hier im Augenblick vor einer nationalen Herausforderung in Syrien. Der Präsident kann sich einer solchen Situation nicht einfach entziehen." Aufgezeichnet wurde das in englischer Sprache geführte Interview am 5. Juli vom syrischen Staatsfernsehen im Gästehaus Assads in Damaskus.

Annan trifft in Syrien ein

Der Syrien-Sondergesandte Kofi Annan ist zu Gesprächen mit Syriens Präsident Assad in Damaskus eingetroffen. Das teilte Annans Sprecher Ahmad Fawzi am Sonntag mit. Nähere Angaben zum zeitlichen Ablauf von Annans Besuch in Syrien machte Fawzi nicht.

Der UN-Sondergesandte Annan hatte am Wochenende in einem Interview eingeräumt, dass die internationalen Bemühungen um eine politische Lösung des Syrien-Konflikts gescheitert seien. Ein von Annan vorgelegter Friedensplan begann mit einem Waffenstillstand, der Mitte April in Kraft trat, jedoch bald von beiden Konfliktparteien gebrochen wurde. "Es ist deutlich erkennbar, dass wir nicht erfolgreich waren", sagte Annan der französischen Zeitung "Le Monde".

Ein Beamter des syrischen Außenministeriums sagte am Sonntag, Annan werde voraussichtlich mit Assad zusammentreffen, um die aktuelle "Krise" zu besprechen. In der kommenden Woche wollen sich die Vereinten Nationen erneut mit dem Blutvergießen in Syrien beschäftigen.

Manöver der syrischen Armee

Die syrische Armee begann am Sonntag nach einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Sana mit mehrtägigen Manövern. Bodentruppen, Luftwaffe und Marine seien an den militärischen Übungen beteiligt. Damit solle die "Kampfbereitschaft der Armee" getestet werden.

Oppositionelle berichteten, mindestens elf Menschen seien am Sonntag bei den Auseinandersetzungen in Syrien ums Leben gekommen, darunter zwei Kinder und ein Rebellenkämpfer. Rebellen setzten bei ihren Attacken gegen die Armee erstmals einen Panzer ein, wie die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter berichtete.

Unterdessen entführten mutmaßliche Regimegegner den Sohn eines Angehörigen des inneren Zirkels um Assad. Der Geländewagen von Salim Daabul sei am Sonntag in der Ortschaft Deir Atija nordöstlich von Damaskus von Bewaffneten angegriffen worden, berichteten Regimegegner und Bekannte der Familie. Der Fahrer starb. Der Sohn des langjährigen Büroleiters des Präsidenten sei von den Angreifern verschleppt, drei Leibwächter verletzt worden.

China wies indes die Kritik von US-Außenministerin Hillary Clinton an seiner Haltung im Syrien-Konflikt als "völlig inakzeptabel" zurück. Clinton hatte China und Russland bei einem Treffen der sogenannten Syrien-Freundesgruppe in Paris gebeten, nicht weiter "an der Seitenlinie zu stehen". Beide Großmächte hatten mit ihrem Veto Resolutionen im UN-Sicherheitsrat gegen das syrische Regime blockiert und auch nicht an der Konferenz in Paris teilgenommen.

han/dapd/dpa

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Kampf gegen Assad: Syriens Geisterstädte

Bevölkerung: 22,505 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

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