02. Dezember 2012, 19:56 Uhr

Grenzkonflikt mit Syrien

Türkei fürchtet Einsatz chemischer Waffen

Das syrische Regime erwägt den Einsatz chemischer Sprengköpfe gegen die Rebellen - das glauben zumindest türkische Sicherheitsbeamte. Dies soll mit ein Grund sein, warum Ankara "Patriot"-Abwehrraketen der Bundeswehr angefordert hat.

Brüssel - Die Zwischenfälle an der türkisch-syrischen Grenze reißen nicht ab, Ankara will seine Grenze verteidigen - bald auch mit Hilfe der Nato und der Bundeswehr. Deutschland ist zur Entsendung von Luftabwehrraketen vom Tpy "Patriot" bereit. Bis Weihnachten will man sich im Bundestag über die Details der deutschen Unterstützung entschieden haben.

Wie jetzt bekannt wurde, gibt es offenbar einen ganz konkreten Grund, warum die Türkei die Nato um Hilfe bat und einen Antrag auf Unterstützung per Raketenabwehr stellte: Türkische Beamte sagten dem britischen "Guardian", man habe Geheimdienstinformationen darüber, dass die syrische Regierung den Einsatz von Raketen in Erwägung ziehe, möglicherweise mit chemischen Sprengköpfen.

Den Beamten zufolge habe man glaubwürdige Beweise dafür, dass Assads Regime von Raketen und chemischen Waffen Gebrauch machen könnte, sofern es dem syrischen Militär nicht gelingt, die Rebellen durch Bombardement der besetzten Gebiete zurückzuhalten. "Wir haben Geheimdienstinformationen aus mehreren Quellen", sagte ein hochrangiger Beamter dem "Guardian". Zunächst habe Syrien die Infanterie auf die Rebellen gehetzt. Dabei hätten viele Männer ihr Leben verloren oder die Seiten gewechselt. Dann hätten sie Panzer geschickt, die von Anti-Panzer-Raketen getroffen wurden. "Jetzt ist die Luftwaffe an der Reihe. Sollte diese versagen, werden es Raketen werden. Vielleicht mit chemischen Sprengköpfen", so der Beamte. "Deshalb haben wir die Nato um Verteidigungshilfe gebeten."

Größere Bedrohung durch chemische Waffen

Der Einsatz von Raketen, insbesondere mit chemischen Waffenköpfen, wäre für die aber eine weitaus größere Bedrohung für die grenznahen Gebiete und Städte in der Türkei. Vor Kurzem hatte die Türkei offiziell die Nato um Hilfe mit "Patriot"-Abwehrraketen gebeten. Ein Bericht in der "New York Times" scheint die Befürchtungen der Türkei zu bestätigen: Demnach haben westliche Geheimdienste verdächtige Aktivitäten in der Nähe chemischer Waffenlager des syrischen Militärs ausgemacht. Laut CIA verfügt das Assad-Regime über Senfgas, Sarin und VX. "Die bewegen nicht nur Zeug herum", zitiert die Zeitung einen amerikanischen Beamte. "Das sind verschiedene Arten von Aktivitäten." Und diese sähen aus, als würden sie die Waffen auch benutzen.

Die "Patriot"-Raketenabwehrsysteme sind vor allem gegen syrische Raketen des in der einstigen Sowjetunion hergestellten Typs Scud-B gerichtet. Sie haben eine Reichweite zwischen 400 und 700 Kilometern und können nach Ansicht von Fachleuten sowohl mit konventionellen Sprengköpfen als auch mit chemischen oder biologischen Waffen bestückt werden.

Kommenden Dienstag beraten die Außenminister der Nato in Brüssel über den möglichen Einsatz deutscher, niederländischer und US-amerikanischer "Patriot"-Luftabwehrraketen. Das Bundeskabinett wird möglicherweise bereits zwei Tage später über ein deutsches Mandat für den Einsatz sprechen. Sollte es dazu kommen, werden die Systeme von einem Nato-Luftwaffenkommando in Ramstein in Rheinland-Pfalz aus gelenkt. Eine Staffel von "Patriot"-Abfangraketen besteht aus acht Spezialfahrzeugen. Auf jedem dieser Fahrzeuge werden acht Raketen zum Abschuss bereitgehalten. Für den Betrieb einer "Patriot"-Batterie werden etwa 85 Soldaten benötigt.


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