Grenzkonflikt mit Syrien: Türkei fürchtet Einsatz chemischer Waffen

Das syrische Regime erwägt den Einsatz chemischer Sprengköpfe gegen die Rebellen - das glauben zumindest türkische Sicherheitsbeamte. Dies soll mit ein Grund sein, warum Ankara "Patriot"-Abwehrraketen der Bundeswehr angefordert hat.

Starteinheit des Raketensystems "Patriot" der Bundeswehr: Möglicher Einsatz in der Türkei Zur Großansicht
dapd

Starteinheit des Raketensystems "Patriot" der Bundeswehr: Möglicher Einsatz in der Türkei

Brüssel - Die Zwischenfälle an der türkisch-syrischen Grenze reißen nicht ab, Ankara will seine Grenze verteidigen - bald auch mit Hilfe der Nato und der Bundeswehr. Deutschland ist zur Entsendung von Luftabwehrraketen vom Tpy "Patriot" bereit. Bis Weihnachten will man sich im Bundestag über die Details der deutschen Unterstützung entschieden haben.

Wie jetzt bekannt wurde, gibt es offenbar einen ganz konkreten Grund, warum die Türkei die Nato um Hilfe bat und einen Antrag auf Unterstützung per Raketenabwehr stellte: Türkische Beamte sagten dem britischen "Guardian", man habe Geheimdienstinformationen darüber, dass die syrische Regierung den Einsatz von Raketen in Erwägung ziehe, möglicherweise mit chemischen Sprengköpfen.

Den Beamten zufolge habe man glaubwürdige Beweise dafür, dass Assads Regime von Raketen und chemischen Waffen Gebrauch machen könnte, sofern es dem syrischen Militär nicht gelingt, die Rebellen durch Bombardement der besetzten Gebiete zurückzuhalten. "Wir haben Geheimdienstinformationen aus mehreren Quellen", sagte ein hochrangiger Beamter dem "Guardian". Zunächst habe Syrien die Infanterie auf die Rebellen gehetzt. Dabei hätten viele Männer ihr Leben verloren oder die Seiten gewechselt. Dann hätten sie Panzer geschickt, die von Anti-Panzer-Raketen getroffen wurden. "Jetzt ist die Luftwaffe an der Reihe. Sollte diese versagen, werden es Raketen werden. Vielleicht mit chemischen Sprengköpfen", so der Beamte. "Deshalb haben wir die Nato um Verteidigungshilfe gebeten."

Größere Bedrohung durch chemische Waffen

Der Einsatz von Raketen, insbesondere mit chemischen Waffenköpfen, wäre für die aber eine weitaus größere Bedrohung für die grenznahen Gebiete und Städte in der Türkei. Vor Kurzem hatte die Türkei offiziell die Nato um Hilfe mit "Patriot"-Abwehrraketen gebeten. Ein Bericht in der "New York Times" scheint die Befürchtungen der Türkei zu bestätigen: Demnach haben westliche Geheimdienste verdächtige Aktivitäten in der Nähe chemischer Waffenlager des syrischen Militärs ausgemacht. Laut CIA verfügt das Assad-Regime über Senfgas, Sarin und VX. "Die bewegen nicht nur Zeug herum", zitiert die Zeitung einen amerikanischen Beamte. "Das sind verschiedene Arten von Aktivitäten." Und diese sähen aus, als würden sie die Waffen auch benutzen.

Die "Patriot"-Raketenabwehrsysteme sind vor allem gegen syrische Raketen des in der einstigen Sowjetunion hergestellten Typs Scud-B gerichtet. Sie haben eine Reichweite zwischen 400 und 700 Kilometern und können nach Ansicht von Fachleuten sowohl mit konventionellen Sprengköpfen als auch mit chemischen oder biologischen Waffen bestückt werden.

Kommenden Dienstag beraten die Außenminister der Nato in Brüssel über den möglichen Einsatz deutscher, niederländischer und US-amerikanischer "Patriot"-Luftabwehrraketen. Das Bundeskabinett wird möglicherweise bereits zwei Tage später über ein deutsches Mandat für den Einsatz sprechen. Sollte es dazu kommen, werden die Systeme von einem Nato-Luftwaffenkommando in Ramstein in Rheinland-Pfalz aus gelenkt. Eine Staffel von "Patriot"-Abfangraketen besteht aus acht Spezialfahrzeugen. Auf jedem dieser Fahrzeuge werden acht Raketen zum Abschuss bereitgehalten. Für den Betrieb einer "Patriot"-Batterie werden etwa 85 Soldaten benötigt.

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1. Wie groß ist das Risiko?
pikeaway 02.12.2012
Zitat von sysopDas syrische Regime erwägt den Einsatz chemischer Sprengköpfe gegen die Rebellen - das glauben zumindest türkische Sicherheitsbeamte. Dies soll mit ein Grund sein, warum Ankara "Patriot"-Abwehrraketen der Bundeswehr angefordert hat. Assad-Regime in Syrien: Türkei fürchtet Einsatz von chemischen Waffen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/assad-regime-in-syrien-tuerkei-fuerchtet-einsatz-von-chemischen-waffen-a-870536.html)
Die Wahrscheinlichkeit dass Syrien die Türkei angreift, ist zur Zeit gering, es sei denn, die Warnungen von Banki Moon und Brahimi werden leichtfertigerweise nicht ernst genommen. Brahimi: “Either a political process that leads to the creation of a new Syria, with a new political dispensation that puts an end to the present tragedy, satisfies the legitimate aspirations of the Syrian people to dignity, freedom, democracy, social justice and equality between all its citizens and preserves the sovereignty and unity of the country,” he stated. “Or, Syria becomes a failed state with all the predictable, dire consequences for the people of Syria, for the entire region and for international peace and security.” http://www.un.org/apps/news/story.asp?NewsID=43644&Cr=syria&Cr1= Das Risiko steigt nur, wenn die Freunde Syriens sich nicht zur Unterstützung eines Dialogs zwischen den kämpfenden Parteien durchringt, also zudem Plan, auf dem man sich bereits in Genf geeinigt hatte. Auch die Türkei hatte diese Vereinbarung unterschrieben, handelt aber an vorderster Front gegen diese Vereinbarung durch "freien Grenzverkehr" für die Rebellen, für die Weiterleitung von Geld und Waffen an die Rebellen. AlKaida ist eingeschlossen. Der entscheidende Augenblick ist jetzt gekommen. Hören und sehen Sie Ban Ki Moon und Brahimi: http://webtv.un.org/watch/mr.-lakhdar-brahimi-briefing-on-syria-general-assembly/2000686447001/ Warum unterstützt Deutschland die Türkei in ihrem Unterfangen, die Situation weiter eskalieren zu lassen? „Es ist sehr viel einfacher, Leute in den Krieg zu schicken, als einen Krieg zu verhindern.“ Curtis Jackson (bekannt als "50 Cent")
2. Haben wir denn noch mehr als Panikmache auf Lager?
Dr.pol.Emik 02.12.2012
Das ist doch reine Reisserei und erinnert mehr und mehr an den damaligen Beginn des Irak Krieg. Und selbst wenn Syrien Chemiewaffen hätte, würde ich eher damit rechnen, dass die Terroristen damit die Türkei beschießen (Verzeihung Freiheitskämpfer muss ich sie ja in diesem falle nennen). Dann wird es die größte Presseaufgabe werden es Assad in die Schuhe zu schieben, um endlich die Legitimation zu haben dort dreinschlagen zu können, so meine Meinung. *USA und Al-Qaida zu Syrien einig, Morden geht weiter* (http://qpress.de/2012/02/12/usa-und-al-qaida-zu-syrien-einig-morden-geht-weiter/) … wer oder was soll denn in der Angelegenheit noch glaubwürdig sein. In Libyen hat man die Bagage schon geduldet und hofiert. Teilweise kommen von dort auch noch Waffen und Söldner. Alles mit Billigung „der Guten“. Hätten der Westen und viele arabische Staaten die dort den Sponsor machen, ihre Unterstützung unterlassen, dann würden womöglich noch viele Tausend Syrer leben. Den ausländischen Kräften ist aber das Leben der Syrer egal, sie wollen nur Assad zu Fall bringen. So bleibt es dann bei den allgemeinen Heucheleien von Menschenrecht, Demokratie und Freiheit … reiner Machtpoker auf dem Rücken der Menschen in der Region.
3. auch wenn
wolke4 02.12.2012
es manchen nicht ins eigene jahrzehntelang gepflegte antiimperialistische Weltbild passt, die Chance, vielleicht ein besseres Syrien, ohne Assad-Clan und ohne Bärtige, zu schaffen, hat der Weltsicherheitsrat vertan. Schlecht für den Rest der Welt, wenn im Sicherheitsrat Staaten sitzen, bei denen Zuhause selbst einiges im Argen ist.
4. Glauben
meinlieber 02.12.2012
Zitat von sysopDas syrische Regime erwägt den Einsatz chemischer Sprengköpfe gegen die Rebellen - das glauben zumindest türkische Sicherheitsbeamte. Dies soll mit ein Grund sein, warum Ankara "Patriot"-Abwehrraketen der Bundeswehr angefordert hat. Assad-Regime in Syrien: Türkei fürchtet Einsatz von chemischen Waffen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/assad-regime-in-syrien-tuerkei-fuerchtet-einsatz-von-chemischen-waffen-a-870536.html)
...heisst, nicht wissen! Was genau sind Sicherheitsbeamte?
5. Entweder ist das eine "Presseente"
KerKaraje 02.12.2012
Zitat von sysopDas syrische Regime erwägt den Einsatz chemischer Sprengköpfe gegen die Rebellen - das glauben zumindest türkische Sicherheitsbeamte. Dies soll mit ein Grund sein, warum Ankara "Patriot"-Abwehrraketen der Bundeswehr angefordert hat. Assad-Regime in Syrien: Türkei fürchtet Einsatz von chemischen Waffen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/assad-regime-in-syrien-tuerkei-fuerchtet-einsatz-von-chemischen-waffen-a-870536.html)
oder die Türkei wird immer lächerlicher. Warum soll Assad C-Waffen auf eigene Gebiete schiessen? Erstens: Diese Gebiete sind zwar von den Rebellen erobert worden, aber es wohnen dort immer noch Menschen, die - inzwischen - das Regime missen bzw. von den Rebellen auch nicht viel halten. Zweitens: Was soll der Einsatz von Waffen bringen, die ganze Gebiete unbewohnbar und unbenutzbar machen? Immerhin kämpft Assad darum, diese Gebiete wieder einzunehmen um sie zu beherrschen. Wenn die Türkei Sorge darüber hat, dass Assad zu C-Waffen greift hätte sie ihre Grenzen für die Rebellen in beide Richtungen dichtmachen müssen. Die Erfolge der Rebellen werden teilweise stark übertrieben dargestellt und überbetont indem ihre Rückschläge ignoriert werden. Al Jazeera und vielen anderen Quellen zufolge hat die syrische Armee seit Anfang Oktober nur einen Rückschlag nach der anderen erlitten. Zwischen den Zeilen kann man jedoch erkennen, dass einiges nicht stimmt. Beispiele: a) Am 10. Oktober wurde Maarat al Numan angeblich von den Rebellen eingenommen. Es hiess, der Nachschub für Aleppo laufe durch diese Stadt. Frage: Warum ist die Armee dann in Aleppo nicht zusammengebrochen? b) Nahe Maarat al Numan ist die wichtige Militärbasis Wadi Deif. Kurz nach der Einnahme der Stadt hiess es die Basis sei von drei Seiten "umzingelt" und könne nur noch aus der Luft versorgt werden. Die Rebellen verfügen seit Monaten über jede Menge schwere Luftabwehr-MGs, mit denen man landende Flugzeuge leicht abschiessen kann. Warum ist Wadi Deif unter diesen so günstigen Umständen nicht eingenommen worden? c) Diverse Flugfelder und militärische Flughäfen in Idlib und Aleppo sind von den Rebellen angeblich erobert oder zerstört worden. Es dürfte leicht sein, das anhand von Google Earth-Bildern oder ähnliches zu belegen. Wo sind die Beweise? d) Es heisst, die Armee sei nur noch auf dem Rückzug, sei "überdehnt" und kann noch nicht mal Damaskus ruhig halten. Gut, aber wie schafft sie es, angebliche Rebellenhochburgen wie Homs, Hama, Deraa oder die Provinzhauptstadt Idlib zu halten? e) Warum konnten die Rebellen ihre Erfolge in Deir al Zour nicht ausbauen? Sie haben doch mit Al Mayadeen und dem nahe Abu Kamal gelegenen militärischen Flughafen angeblich die wichtigsten Armeestützpunkte weit und breit eingenommen.
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