Assads Cousin Der Milliarden-Bluff des Herrn Machluf

Er ist eine Hassfigur für viele Syrer, der mächtigste Geschäftsmann des Landes und Cousin von Präsident Assad: Der Milliardär Rami Machluf hat offenbar seinen Rückzug angekündigt, will sich nur noch für wohltätige Zwecke engagieren. Was steckt wirklich hinter der Volte?

DPA

Damaskus/Istanbul - Einer der einflussreichsten syrischen Unternehmer und Cousins von Präsident Baschar al-Assad soll sich nach massiven Protesten gegen die Regierung und ihre Vetternwirtschaft aus der Geschäftswelt zurückziehen. Der zur Präsidentenfamilie gehörende syrische Milliardär Rami Machluf will einen Teil seines Vermögens für wohltätige Zwecke spenden - das berichtet zumindest das syrische Staatsfernsehen.

Der Cousin von Baschar al-Assad, der bisher als mächtigster Geschäftsmann des Landes galt, wolle sich künftig allgemeinnützigen Zwecken widmen und sein Geld für Wohltätigkeits- und Entwicklungshilfeprojekte verwenden.

Beobachter sehen in dieser Ankündigung einen Versuch, der Protestwelle gegen Präsident Baschar al-Assad die Spitze zu nehmen. Denn aus Sicht der Demonstranten, die seit drei Monaten in dem arabischen Land für mehr Demokratie auf die Straße gehen, steht Machluf für Raffgier und Korruption.

Machluf besitzt ein weit verzweigtes Firmenkonglomerat. Der 41-Jährige gilt in der Opposition als Symbol der Korruption in der syrischen Führung und der Exzesse. Immer wieder waren Büros seiner Mobilfunkfirma Syriatel angezündet worden.

Sein 40-Prozent-Anteil an Syriens größtem Mobilfunkkonzern werde nun an die Börse gebracht und der Gewinn unter anderem an Hinterbliebene derjenigen verteilt, die bei den Protesten ums Leben gekommen seien, hieß es laut syrischer Nachrichtenagentur Sana.

Sanktionen von EU und USA

Machluf ist nicht nur ein Verwandter, sondern auch ein enger Vertrauter Assads, die beiden sind seit ihrer Kindheit Freunde. Unter dem Präsidenten baute er ein weit verzweigtes Wirtschaftsimperium auf, einige seiner Unternehmen sind de facto Monopole.

Er kontrolliert Telekom-, Luftfahrt-, Öl-, Bau-, Import- und Immobilienfirmen. Die USA werfen ihm Korruption vor und halten seit mehreren Jahren Sanktionen gegen ihn aufrecht, die Europäische Union zog im Mai nach. Machluf hat alle Vorwürfe von sich gewiesen.

Bis vor drei Monaten, also vor Beginn der von den Umstürzen in Tunesien und Ägypten inspirierten Proteste in Syrien, wäre Kritik an dem Tycoon undenkbar gewesen. Die offizielle Meldung über seinen Rückzug wurde am Vorabend der für Freitag zu erwartenden neuen Proteste herausgegeben - offenbar in der Hoffnung, dass die Demonstranten dies als Zugeständnis werten.

Doch aus den Reihen der Regierungsgegner waren bereits Stimmen zu vernehmen, die sich unbeeindruckt zeigten. Auf den Websites der Opposition wurde die Ankündigung, dass Machluf seine Anteile an der Mobilfunkfirma Syriatel verkaufen und den daraus resultierenden Gewinn spenden will, als "unglaubwürdiges Theater" bezeichnet.

Armee schießt auf Widerstandshochburgen

Die Assad-Führung versucht seit einem Vierteljahr die Proteste niederzuschlagen. Nach Angaben von syrischen Menschenrechtsgruppen wurden bislang 1300 Zivilisten und mehr als 300 Soldaten und Polizisten getötet. Vor allem im Norden hat die Armee eine regelrechte Offensive gegen Widerstandshochburgen gestartet. Tausende Syrer sind deshalb auf der Flucht, viele haben sich über die Grenze gemacht und harren derzeit in Flüchtlingslagern in der Türkei aus.

Ein Augenzeuge aus der syrischen Stadt Maarat al-Noaman berichtete dem arabischen TV-Sender al-Dschasira, die Armee habe alle Zufahrtstraßen blockiert und bereite sich offensichtlich auf eine größere Operation in der Stadt vor. Dort hatte es zuletzt große Proteste gegen das Regime gegeben.

amz/Reuters/dpa/dapd



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RIFU 17.06.2011
1. Es ist...
doch immer das gleiche. Nachdem die Herrschaften sich jahrelang das Geld angeeignet haben, werden sie,wenn ein Machtwechsel abzusehen ist, entweder religiös- z.B. Saddam- werden wohltätig- z.B. Aristide in Haiiti- oder wechseln die Seiten, wie in Libyen. Hauptsache, das ergaunerte Blutgeld bleibt einem erhalten. Das hilft dann auch später dabei, sich ev. freizukaufen oder ein komfortables Exil zu organiieren. Es ist zum Kotzen...
Regulisssima 17.06.2011
2. doch immer das gleiche
Zitat von RIFUdoch immer das gleiche. Nachdem die Herrschaften sich jahrelang das Geld angeeignet haben, werden sie,wenn ein Machtwechsel abzusehen ist, entweder religiös- z.B. Saddam- werden wohltätig- z.B. Aristide in Haiiti- oder wechseln die Seiten, wie in Libyen. Hauptsache, das ergaunerte Blutgeld bleibt einem erhalten. Das hilft dann auch später dabei, sich ev. freizukaufen oder ein komfortables Exil zu organiieren. Es ist zum Kotzen...
In der Tat, immer das gleiche: Erst raffen sie, was nicht niet- und nagelfest ist, dann terrorisieren sie ihre Umgebung und wenn es eng wird, wollen sie als seriöse politische Kraft wahrgenommen werden, obwohl sie von Politik ohne Gewalt gar nichts verstehen.
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