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Nach Urteil gegen Manning: Assange wirft Obama Sicherheitsextremismus vor

Julian Assange wettert gegen den Schuldspruch des WikiLeaks-Informanten Bradley Manning. Der Prozess sei unfair und ein Beispiel für einen nationalen Sicherheitsextremismus der US-Regierung gewesen. Auch Amnesty International und ein Reporter-Netzwerk kritisierten das Urteil.

London - Nach dem Schuldspruch für den WikiLeaks-Informanten Bradley Manning durch ein US-Militärgericht hat Julian Assange die Regierung von Präsident Barack Obama hart kritisiert. Das kurzsichtige Urteil sei Ausdruck eines Sicherheitsextremismus und schaffe einen gefährlichen Präzedenzfall. Es müsse aufgehoben werden. Manning hingegen sei "die wichtigste journalistische Quelle, die die Welt jemals gesehen hat", sagte der Gründer der Internet-Enthüllungsplattform in London.

Am Dienstag hatte das US-Militärgericht in Fort Meade den 25-jährigen Manning in 20 von 22 Anklagepunkten schuldig gesprochen. Überraschend wurde er jedoch vom am schwersten wiegenden Punkt "Unterstützung des Feindes" freigesprochen. Manning wurde unter anderem wegen Spionage, Geheimnisverrats, Computerbetrugs und Diebstahls für schuldig erklärt. An diesem Mittwoch wird die Verkündung des Strafmaßes erwartet. Manning drohen bis zu 136 Jahre Haft.

Assange sitzt selbst seit über einem Jahr in der ecuadorianischen Botschaft in der britischen Hauptstadt fest und fürchtet, beim Verlassen der Botschaft festgenommen und in die USA ausgeliefert zu werden. Er bestätigte nicht, dass Manning tatsächlich der Lieferant Hunderttausender geheimer Botschaftsdepeschen war, sondern sprach konsequent von der "angeblichen" Quelle. WikiLeaks habe nie seine Quellen preisgegeben und sie stets geschützt, sagte Assange.

Gegen die Militärgerichtsbarkeit der USA erhob Assange schwere Vorwürfe. Der Prozess sei nicht fair gewesen. "Die Regierung hielt Bradley Manning in einem Käfig, zog ihn nackt aus und isolierte ihn, um ihn zu brechen" - ein Vorgang, der von einem Uno-Sonderberichterstatter als Folter verurteilt worden sei. Sowohl die Anwälte von WikiLeaks als auch die von Manning würden nicht ruhen, bis der Schuldspruch aufgehoben sei, kündigte Assange an.

Kritik von Reporter ohne Grenzen

US-Präsident Obama habe mehr Spionageprozesse gegen Whistleblower veranlasst als alle vorhergehenden Amtsinhaber, sagte der WikiLeaks-Gründer. In seiner Zeit als Präsidentschaftskandidat im Jahr 2008 habe er das Whistleblowing noch als einen Akt des Mutes und des Patriotismus gerühmt. Er habe seine eigenen Worte von damals zum Gespött gemacht, denn nun sei zum ersten Mal ein Whistleblower der Spionage schuldig gesprochen worden. Die Manning vorgeworfenen Taten seien jedoch zweifellos heldenhaft.

Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International reagierte mit Kritik auf das Urteil. Im Kampf um die nationale Sicherheit habe die US-Regierung mit dem Prozess gegen Manning die falschen Prioritäten gesetzt. "Es scheint, dass er das Richtige tun wollte: rechtswidriges Verhalten der Regierung mit glaubwürdigen Beweisen aufdecken."

Der Schuldspruch sei eine Warnung an alle Whistleblower und bedrohe die Zukunft des investigativen Journalismus, teilte die US-Sektion des Reporternetzwerks "Reporter ohne Grenzen" mit. "Wir sind immer noch besorgt über die abschreckende Wirkung für die Presse, besonders für Reporter, die über Themen zur nationalen Sicherheit berichten", sagte ein Vertreter.

fdi/Reuters/dpa

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1.
bergeron 31.07.2013
Zitat von sysopREUTERS/Sunshine Press ProductionsJulian Assange wettert gegen den Schuldspruch des WikiLeaks-Informanten Bradley Manning. Der Prozess sei unfair und ein Beispiel für einen nationalen Sicherheitsextremismus der US-Regierung gewesen. Auch Amnesty International und ein Reporter-Netzwerk kritisierten das Urteil. http://www.spiegel.de/politik/ausland/assange-kritisiert-manning-urteil-und-wirft-obama-extremismus-vor-a-913989.html
Recht hat er. Anstatt Prozesse gegen Menschen zu führen, die sich gerade machen, sollten die USA erstmal den auf Guantanamo Inhaftierten rechtsstaatliche Prozesse gewähren.
2. Freiheit für Bradley Manning!!!
Blaumilchvor, 31.07.2013
Manning ist eben kein Verräter und Spion, er ist ein Aufklärer und die Bevölkerung Amerikas und der Welt haben das Recht zu erfahren welche Schweinereien diese Regierung ohne Rücksicht begeht. Amerika reiht sich ein in die Reihe der Unrechtsstaaten die ihre "Feinde" genauso gnadenlos verfolgt und verurteilt wie Diktaturen die sie doch immer so gerne in die von ihnen vorgegebene Freiheit führen. Vorsätzlicher Mord an Zivilisten, Angriffskriege, Folter und andere Menschenerchtsverletzungen, dass alles ist kein moralisches Problem für diese Nation wenn es gilt eigene Interessen durchzusetzen. Wenn jemand aber wie Herr Snowden oder wie in diesem Fall Herr Manning begangenes Unrecht an die Öffentlichkeit bringt, dann schlägt dieser Staat mit voller Härte zu! Wahrscheinlich weil sie ihre Schweinereien selbst nicht ertragen können. Dafür kommen Präsidenten und Helfershelfer die nachweislich gegen Völkerrecht verstoßen, ohne UN-Mandat einen Angriffskrieg geführt und dadurch tausende Menschen auf dem Gewisen haben völlig ungeschorren davon. Hier stimmt was nicht in dieser Welt in denen man die Mörder belohnt und die Heiligen hängt!
3.
c++ 31.07.2013
Wenn diese Geheimnisse Verbrechen sind, die aufgedeckt werden, kann man kaum von Verrat sprechen, sondern eher von Bürgerpflicht. Die USA haben sich endgültig verabschiedet aus der Tradition des Landes, das für Frieden und Freiheit steht, für Bürgerrechte und freie Presse. Auch der Letzte muss erkennen, die USA, wie wir sie einst bewundert haben, existieren nicht mehr. Ich sehe da Parallelen zur Spiegel Affäre http://de.wikipedia.org/wiki/Spiegel-Affäre Die Folge war eine Stärkung der Demokratie in Deutschland. Bleibt zu hoffen, dass auch durch die USA ein Ruck geht und die Menschen sich auf die demokratischen Traditionen ihres Landes besinnen und dem Machtwahn Obamas ein Ende machen, der immer mehr zum Putin der USA wird
4.
SysLevel 31.07.2013
Zitat von sysopREUTERS/Sunshine Press ProductionsJulian Assange wettert gegen den Schuldspruch des WikiLeaks-Informanten Bradley Manning. Der Prozess sei unfair und ein Beispiel für einen nationalen Sicherheitsextremismus der US-Regierung gewesen. Auch Amnesty International und ein Reporter-Netzwerk kritisierten das Urteil. http://www.spiegel.de/politik/ausland/assange-kritisiert-manning-urteil-und-wirft-obama-extremismus-vor-a-913989.html
A. meinte sicher, M. sei die wichtigste Quelle für ihn persönlich gewesen, denn ohne die von M. illegal kopierten Daten hätte sich A. nicht so intensiv in den Medien suhlen können.
5.
wahlossi_80 31.07.2013
Die untergehende Supermacht hat Geheimnisse, deren Bekanntmachung die nationale Sicherheit in der Tat gefährden würde. Kennte die Welt nämlich die ganzen Schandtaten der USA, würden sie von aller Welt als Schurken- und Terrorstaat gesehen werden.
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