Vorbild für Europa Uno-Flüchtlingskommissar lobt deutsche Asylpolitik

Deutschlands Kommunen sind mit der Unterbringung von Asylbewerbern überfordert. Uno-Flüchtlingskommissar Guterres findet die deutsche Asylpolitik dennoch vorbildlich.

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Berlin - Überfüllte Heime, provisorische Zeltstädte und Containerdörfer: Viele Städte und Gemeinden sind mit der Unterbringung von Asylbewerbern überfordert. Uno-Flüchtlingskommissar António Guterres findet die deutsche Asylpolitik trotzdem vorbildlich: "Deutschland spielt eine führende Rolle beim Flüchtlingsschutz und dient als positives Beispiel, dem andere europäische Staaten folgen können", sagte er der "Welt".

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Heft 36/2014
Die hektische Suche nach einem entschleunigten Leben

Zuvor hatten die Innenminister von Bayern, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen vor einer Überforderung der Länder bei der Aufnahme von Flüchtlingen gewarnt. Der Städte- und Gemeindebund fordert, den Posten eines EU-Flüchtlingskommissars zu schaffen und ein staatliches Bauprogramm für neue Flüchtlingseinrichtungen zu starten. "Ich bin kein Pessimist, aber die Wahrscheinlichkeit, dass die Flüchtlingszahlen noch viel stärker sprunghaft steigen, als wir es uns bislang vorstellen können, ist hoch", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg.

Im Juli beantragten in Deutschland fast 20.000 Menschen Asyl, so viele wie seit mehr als 20 Jahren nicht. Insgesamt werden in diesem Jahr wohl 200.000 Flüchtlinge in die Bundesrepublik kommen. Die Drittstaatenregelung hindert viele an der Einreise nach Deutschland: Die EU-Vereinbarung besagt, dass ein Flüchtling nur in dem EU-Land Asyl beantragen kann, das er zuerst betritt.

Beinahe jeden Tag fischt die italienische Küstenwache im Mittelmeer verzweifelte Menschen aus seeuntüchtigen Booten. In der Westtürkei warten nach Schätzungen der griechischen Küstenwache rund 100.000 Migranten auf eine Gelegenheit, nach Griechenland und damit in die EU zu kommen. Allein am Wochenende griff die Küstenwache 399 Flüchtlinge auf, die von Schleusern von der türkischen Küste zu den griechischen Inseln gebracht worden waren. Eine Arbeitsgemeinschaft europäischer Journalisten hat ermittelt, dass es mehr als 23.000 Menschen sind, die in den vergangenen 14 Jahren auf der Flucht nach Europa ums Leben gekommen sind.

Das gemeinsame europäische Asylsystem sei ein ambitioniertes Vorhaben, so Uno-Flüchtlingskommissar Guterres. Er kritisierte, dass es innerhalb der Europäischen Union große Differenzen beim Umgang mit Flüchtlingen gebe: "Eines der Hauptthemen bleiben die sehr unterschiedlichen Asylpraktiken der EU-Mitgliedstaaten." Wie diese aussehen und mit welchen Mitteln die EU versucht, Flüchtlinge abzuschrecken, lesen Sie im aktuellen SPIEGEL.

vet/Reuters/dpa

insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
paul-48 01.09.2014
1. Es gibt in Deutschland viele leerstehende.......
ehemalige Kasernen, wo junge DEUTSCHE bis vor wenigen Jahren ihren Wehrdienst geleistet haben! Was wir nicht brauchen ist eine weitere unflexible Einrichtung und staatliches Bauprogramm für neue Flüchtlingseinrichtungen! Kasernen notwendigerweise sanieren, Kosten dafür sowie für Unterbringung auf Bund & Länder umverteilen und schnellstens zurück in deren Heimat! Schließlich werden dort arbeitswillige Männer und Frauen benötigt um Aufbauhilfen/Investitionen/Spenden DAFÜR zweckgebunden zu verwenden wofür diese gedacht sind! Keinesfalls jedoch wie in den zurückliegenden Jahren OHNE Einschränkungen üblich, dass damit Korruption und Waffenkauf gefördert wird!
Mannheimer011 01.09.2014
2. SpiegelTV gestern
Italien winkt seine Flüchtlinge einfach nach D durch, sehr schlau. Warum werden Züge nicht VOR der Grenze kontrolliert. Wenn die EU etwas lobt, sieht das der deutsche Bürger garantiert anders. Dieses Forum wird garantiert geschlossen oder gelöscht. Und dann wundert man sich, warum die Bürger AfD wählen?!
tobiash 01.09.2014
3. Widersprüche noch und nöcher, ....
.... denn letztendlich ist die deutsche Asylpolitik relativ vorbildlich. Kein Wunder, dass António Guterres diese dann auch lobt, schließlich kennt er die Asylunterkünfte anderer EU-Länder wie Griechenland oder Spanien. Was das dauernde Gejammere von Prob Asyl umso unverständlicher erscheinen lässt. Wem es wirklich um die Sicherheit vor politischer Verfolgung geht, dem ist die Art der Unterbringung erst mal egal, zumal es nur für einen recht überschaubaren Zeitraum ist. Wen es allerdings dahin zieht, wo es die höchsten Sozialleistungen und die liberalsten Drogengesetze gibt, der ist in DE natürlich deutlich besser dran, als in GR oder ES. Seltsam nur, dass es alle nach DE zieht, obwohl wir angeblich doch allzu schlecht mit den Asylanten umgehen.
remmbremmerdeng 01.09.2014
4.
Zitat von paul-48ehemalige Kasernen, wo junge DEUTSCHE bis vor wenigen Jahren ihren Wehrdienst geleistet haben! Was wir nicht brauchen ist eine weitere unflexible Einrichtung und staatliches Bauprogramm für neue Flüchtlingseinrichtungen! Kasernen notwendigerweise sanieren, Kosten dafür sowie für Unterbringung auf Bund & Länder umverteilen und schnellstens zurück in deren Heimat! Schließlich werden dort arbeitswillige Männer und Frauen benötigt um Aufbauhilfen/Investitionen/Spenden DAFÜR zweckgebunden zu verwenden wofür diese gedacht sind! Keinesfalls jedoch wie in den zurückliegenden Jahren OHNE Einschränkungen üblich, dass damit Korruption und Waffenkauf gefördert wird!
Absolut richtig! Ich kann mir bloß vorstellen, daß da wieder selbsternannte Anwälte der Menschlichkeit auftreten und es als "unzumutbar" titulieren werden, daß traumatisierte Flüchtlinge in ehemaligen Militäreinrichtungen untergebracht werden. Allen Diskussionen über Zeltlager für Flüchtlinge zum Trotz - ich bin mir sicher, daß die Unterbringung dem internationalen Vergleich jederzeit standhält. Eine Unterbringung für Flüchtlinge muß aber stets so gestaltet sein, daß allen klar ist, daß dies nur ein vorübergehender Zustand ist - eine dauerhafte Komfortierung führt dazu, daß der Antrieb zum Rückkehren torpediert wird. Heißt, wenn ich Flüchtlinge aus der 3.Welt mit allem westlichen Komfort ausstatte, darf ich mich nicht wundern, wenn die nicht mehr nach Hause wollen.
mm71 01.09.2014
5.
Leider ist ein Lob von der Uno kein gutes Zeichen...
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