Luftschlag in Somalia Europäer zerstören Waffenlager der Piraten

Mehrere Piratenboote wurden getroffen, ebenso Waffenlager: Die EU-Mission "Atalanta" hat erstmals Ziele auf somalischem Boden angegriffen. Die Militärs hatten die Gewohnheiten der Seeräuber über Wochen aus der Luft studiert - und dann zugeschlagen.

Pirat an der somalischen Küste: "Das sind gewöhnliche Kriminelle"
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Pirat an der somalischen Küste: "Das sind gewöhnliche Kriminelle"

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Der Angriff überraschte die Piraten in der Nacht. Im Schutz der Dunkelheit haben am frühen Dienstagmorgen die Seestreitkräfte der EU-geführten "Atalanta"-Mission Piratenstützpunkte an der somalischen Küste angegriffen. Die Attacke habe sich gegen mehrere Piratenboote an einem Strand in der Region Galmudug gerichtet, sagte Timo Lange, Mitarbeiter im Pressestab der Einsatzleitung im britischen Northwood.

Bei dem Luftschlag in dem nördlich der Hauptstadt Mogadischu gelegenen Gebiet seien mehrere Angriffsskiffs zerstört worden, erläuterte Lange. Das sind vier bis sieben Meter lange, offene Boote mit starken Außenbordmotoren, die bis zu 25 Knoten schnell übers Wasser jagen können. Die Piraten setzen diese auf den letzten Kilometern für die Angriffe auf Tanker und Containerschiffe ein. Zuvor werden die Skiffs häufig von sogenannten Dauen, langsameren Holzbooten von bis zu 25 Metern Länge, aufs offene Meer geschleppt.

Menschen wurden bei der Aktion nach derzeitigem Stand nicht verletzt, die Helikopter kehrten unversehrt zu ihren Schiffen zurück. Dies habe die genaue Luftüberwachung des Zielgebiets mit Hilfe von Hubschraubern und Aufklärungsflugzeugen ergeben, so Lange. Die Gewohnheiten der Piraten in Galmudug seien über Wochen aus der Luft studiert worden, um den Erfolg des Angriffs zu sichern und den Schutz der örtlichen Bevölkerung zu gewährleisten. Die Operation habe in voller Abstimmung mit der somalischen Übergangsregierung in Mogadischu stattgefunden.

Ob die angegriffenen Piraten Verbindungen mit den islamistischen Schabab-Milizen unterhielten, blieb zunächst unklar. "Die meisten Seeräuber sind nicht ideologisch motiviert", sagte Lange, "das sind gewöhnliche Kriminelle."

Ausgeführt wurde die nächtliche Aktion offenbar von mehreren Helikoptern, die von zwei Kriegsschiffen im Indischen Ozean gestartet waren. Die Bundeswehr war an der Attacke auf das Piratenlager nach eigenen Angaben nicht beteiligt. "Deutsche Kräfte nahmen nicht aktiv an der Operation teil", so ein Sprecher der Bundeswehr zu SPIEGEL ONLINE.

Immer neue Piratenangriffe

Derzeit sind im Rahmen der "Atalanta"-Mission neun Kriegsschiffe, darunter auch der deutsche Einsatzgruppenversorger "Berlin", vor Somalia im Einsatz. Laut der letzten Unterrichtung für den Bundestag führt die "Berlin" dabei eine Seeraumüberwachungsmission durch.

Neben der Bundeswehr sind Frankreich mit drei Schiffen, Spanien mit zwei und Italien, die Niederlande und Portugal mit jeweils einem Schiff vertreten. Alle zusammen verfügen über zehn einsatzfähige Helikopter, die für mögliche Angriffe auf die Piratenlogistik benutzt werden können. An Bord der "Berlin" befinden sich zwei Hubschrauber vom Typ "Sea King".

Im März beschloss die EU eine Ausweitung des "Atalanta"-Mandats. Nun ist die Piratenjagd auch an Land erlaubt. Angriffe aus der Luft auf Ziele wie Boote und Treibstofftanks an der somalischen Küste sind gestattet. Mit zwei wichtigen Einschränkungen: Angegriffen werden nur Ziele in maximal 2000 Metern Entfernung von der Küste. Außerdem dürfen diese nur aus der Luft attackiert werden, Bodeneinsätze bleiben grundsätzlich verboten.

Trotz der "Atalanta"-Mission reißt die Kette der Piratenangriffe in dem riesigen Seegebiet nicht ab. Erst am vergangenen Donnerstag hatten Piraten den griechischen Tanker "Smyrni" mit rund 135.000 Tonnen Öl und 26 Seeleuten an Bord im Arabischen Meer vor Oman gekapert. Der Überfall fand rund 800 Kilometer vor der somalischen Küste statt, in einer Region, die nicht von Kriegsschiffen überwacht wird. Eine thailändische Fregatte folgte der "Smyrni" zunächst noch, brach die Verfolgung aber ab, nachdem eine Lösegeldforderung bei der Reederei eingetroffen war.

Am vergangenen Freitag hatte die türkische Marine einen Kutter gestürmt, 14 Piraten vor der Küste Omans festgenommen und sieben jemenitische Seeleute befreit.

Die somalischen Piraten operieren wegen der internationalen Armada in immer größeren Distanzen vor der eigenen Küste, während die zivile Seefahrt ihrerseits immer weiter aufrüstet. Rund 80 Prozent der Schiffe im kenianischen Hafen Mombasa laufen inzwischen mit bewaffnetem Personal an Bord aus. Bis zu 120 Sicherheitsgesellschaften sollen ihre Dienste anbieten.

Mitarbeit: Matthias Gebauer und Horand Knaup



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insgesamt 47 Beiträge
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Niamey 15.05.2012
1. Ja, und die deutschen Soldaten
Zitat von sysopAFPMehrere Piratenboote wurden getroffen, ebenso Waffenlager, Menschen kamen offenbar nicht zu Schaden: Die EU-Mission "Atalanta" hat erstmals Ziele auf somalischem Boden angegriffen. Die Militärs hatten die Gewohnheiten der Seeräuber über Wochen aus der Luft studiert - und dann zugeschlagen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,833288,00.html
dürfen sich nicht aktiv beteiligen. Was für ein Land von Weicheiern sind wir inzwischen? Da bekommen die die einmalige Gelegenheit ein Manöver Live durchzuspielen und auf Material Schießübungen zu machen, aber nein, die Deutschen dürfen nicht. Die werfen dann später mal im richtigen Krieg mit Äpfeln und Birnen auf die "Feinde" weil sie nicht mehr schießen können.
Walther I. 15.05.2012
2. Immerhin....
....der Name "Einsatzgruppenversorger" läßt erwarten, daß unsere Jungs doch noch zum Zuge kommen.
MrStoneStupid 15.05.2012
3. So ist das okay
---Zitat--- Die Gewohnheiten der Piraten in Galmudug seien über Wochen aus der Luft studiert worden, um den Erfolg des Angriffs zu sichern und den Schutz der örtlichen Bevölkerung zu gewährleisten. Die Operation habe in voller Abstimmung mit der somalischen Übergangsregierung in Mogadischu stattgefunden. "Atalanta"-Mission greift Piraten in Somalia an - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,833288,00.html) ---Zitatende--- Gratuliere aber das muss weiterhin so gemacht werden. (imho)
petrasha 15.05.2012
4. optional
endlich...man hat dieses treiben zu lange "geduldet". es wurde zeit, ein zeichen zu setzen.
schlachtvieh 15.05.2012
5. Zwischen zwei und zehn Millionen Dollar ...
... zahlen Reeder an Piraten, um gekaperte Schiffe wieder freizubekommen. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/piraterie-somalische-regierung-verhaftet-loesegeld-transporteure-a-769418.html Was nützen wohl ein paar zerstörte Boote für ein paar tausend Dollar ?
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