Athen Krawalle bei Mazedonien-Kundgebung

Zehntausende Nationalisten haben in Athen gegen die geplante Ratifizierung der Namensänderung von Mazedonien in Nord-Mazedonien protestiert. Einige versuchten, in den Hof des Parlaments zu gelangen.

Ein Demonstrant attackiert Polizisten
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Ein Demonstrant attackiert Polizisten


Mit Schlagstöcken und Pfefferspray hat die griechische Polizei eine Gruppe von Rechtsextremisten daran gehindert, auf den Hof des Parlamentes in Athen vorzudringen.

Demonstranten skandieren Sprüche
AP

Demonstranten skandieren Sprüche

Die Demonstranten trugen griechische Fahnen und skandierten Sprüche wie "Politiker - Verräter". Sie schleuderten Steine und andere Gegenstände und Feuerwerkskörper auf die Beamten, berichteten Reporter vor Ort im Fernsehen.

Als einige Randalierer die Beamten mit Eisenstangen attackierten, setzten die Sicherheitsleute massiv Tränengas und Schlagstöcke ein. Tausende friedliche Demonstranten - darunter viele Familien - flohen in Panik. "Man kann hier nicht mehr atmen; überall breitet sich Tränengas aus", sagten Menschen im Fernsehen.

Zehntausende Demonstranten

Rechte und nationalistische Organisationen haben mit der Großkundgebung von Zehntausenden Menschen gegen die Namensänderung von Mazedonien in Nord-Mazedonien protestiert.

Proteste in Athen
REUTERS

Proteste in Athen

Ein entsprechendes Abkommen hatte der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras 2018 mit seinem Amtskollegen aus Skopje getroffen. Das Abkommen soll kommende Woche im griechischen Parlament abgesegnet werden. Daran war die griechische Regierungskoalition zerbrochen: Der Verteidigungsminister und Chef der rechtspopulistischen Partei "Unabhängige Griechen", Panagiotis Kammenos, war deswegen zurückgetreten. Anschließend überstand Tsipras knapp ein Misstrauensvotum.

Weil auch eine nordgriechische Provinz den Namen Mazedonien trägt (altgriechisch: Makedonia), sind mehr als 70 Prozent der Griechen Umfragen zufolge dagegen. Sie befürchten, das Nachbarland könne Gebietsansprüche an die nordgriechische Region Mazedonien stellen. Zudem sind sie der Ansicht, dass der Nachbarstaat, wenn er das Wort Mazedonien in seinem Namen behalte, das hellenische Kulturerbe an sich reiße.

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Das Parlament in Mazedonien hat das Abkommen trotz ähnlicher Reaktionen nationalistischer Kreise bereits ratifiziert. Bei erfolgreichem Abschluss auch in Athen soll Nord-Mazedonien Natomitglied werden und später auch der EU beitreten.

brt/dpa

insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
la-la-las 20.01.2019
1. Schlechte Recherche
Lieber Spiegel, ihre nördliche Provinz nennen die Griechen nicht nur in Alt-, sondern auch auf Neugriechischen "Makedonia" und eben nicht Mazedonia und wenn rund 80% der griechischen Bevölkerung gegen dieses Gesetzeswerk zwecks Namens-Kompromiss sind - welches tatsächlich viele zusätzliche Artikel bereithält welche weit über die angebliche Namensänderung hinausgehen und vielen obskur erscheinen - so erscheint es mir doch sehr, sehr gewagt diese Proteste als nationalistisch zu verunglimpfen, zumal daran auch viele SYRIZA-Wähler teilnehmen. Für nationale Interessen auf die Strasse zu gehen und Nationalismus gehen nicht automatisch zusammen...
zeichenkette 20.01.2019
2. Wie üblich...
Wundert einen nicht: Die üblichen Nationalisten und anderen Feinde Europas scheuen nicht davor zurück, selbst solche albernen Namensstreitigkeiten dazu zu nutzen, die Bevölkerung aufzuhetzen. Ist ja auch klar: Je kindischer, desto eher erreicht man damit Gefühle, Ängste und Frustration. Und viel kindischer als ein Streit darum, wer sich wie nennen darf, geht es ja wohl wirklich nicht mehr. Wenn DAS die Dinge sind, an denen sich die Gemüter erhitzen, wie soll man dann mit echten Problemen nüchtern umgehen? Es ist hoffnungslos, Europa ist am Ende, das Zeitalter der Aufklärung und Vernunft endgültig vorbei. Und die, die das bejubeln, werden sich noch sehr wundern.
cerberus66 20.01.2019
3. Mazedonien
Ein längst überfälliger erster Schritt Griechenlands für ein zivilisiertes Nachbarschaftsverhältnis zu Mazedonien. Sie können sich nicht in der Nachbarschaft aufführen wie die Axt im Walde und gleichzeitig europäische Solidarität einklagen.
Das Grauen 20.01.2019
4. Die haben Sorgen...
Die Wirtschaft ist am A*** und viele Bürger kommen kaum über die Runden, aber zehntausende gehen wegen einer Namensänderung des Nachbarlandes auf die Straße, die noch dazu das Ergebnis eines lange und mühsam ausgehandelten Kompromisses ist? Ich glaube, es liegt auch an dieser weitverbreiteten Lust am Protest, weswegen dies Land nicht wirklich vorwärts kommt. Nicht umsonst ist Griechenland ja in Europa führend bei Generalstreiks. Wenn diese menschliche Energie in produktivere Tätigkeiten fließen würde, könnte es allen besser gehen. Es ist eine griechische Tragödie.
kelcht 20.01.2019
5.
Zitat von la-la-lasLieber Spiegel, ihre nördliche Provinz nennen die Griechen nicht nur in Alt-, sondern auch auf Neugriechischen "Makedonia" und eben nicht Mazedonia und wenn rund 80% der griechischen Bevölkerung gegen dieses Gesetzeswerk zwecks Namens-Kompromiss sind - welches tatsächlich viele zusätzliche Artikel bereithält welche weit über die angebliche Namensänderung hinausgehen und vielen obskur erscheinen - so erscheint es mir doch sehr, sehr gewagt diese Proteste als nationalistisch zu verunglimpfen, zumal daran auch viele SYRIZA-Wähler teilnehmen. Für nationale Interessen auf die Strasse zu gehen und Nationalismus gehen nicht automatisch zusammen...
Sich wegen eines Kompromisses so gestört aufführen ist beknackt egal welchem Verein diese angehören und besonders gestört stechen wieder einmal die Nationalisten heraus.
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