Athen - In Griechenland wird es in Zukunft eine Sondereinheit der Polizei geben. Sie soll sich rassistisch motivierte Gewalttaten aufklären, wie der griechische Minister für Bürgerschutz, Nikolaos Dendias, am Donnerstag mitteilte. Damit zieht Athen Konsequenzen aus Hunderten von Überfällen auf Migranten.
"Wir stehen vor der Gefahr eines sozialen Umsturzes", sagte der Minister im Parlament. Die unkontrollierte Migration und die rassistisch motivierte Gewalt könnten nicht geduldet werden, hieß es.
Die linke Opposition hatte zuvor kritisiert, dass Rechtsextremisten in den vergangenen Monaten in mehreren hundert Fällen Migranten aus Asien und Afrika überfallen hätten. Aus fast allen Regionen des Landes wurden Überfälle auf Migranten gemeldet.
Erst Mitte August hatten Rechtsextreme einen 19-jährigen Migranten aus dem Irak erstochen.Griechenland geht seit zwei Wochen mit einem massiven Polizeiaufgebot gegen illegale Einwanderer vor. Nach offiziellen Angaben kontrollierten die Beamten Tausende Ausländer. Fast 2000 Menschen ohne Aufenthaltserlaubnis wurden festgenommen und in Auffanglager gebracht.
Die Angriffe auf Migranten werden vor allem von rassistischen Gruppierungen angefeuert. Die Hetze rechtsradikaler richtet sich zudem auch gegen Polizeibeamte. Am Donnerstag haben Dutzende Anhänger der rassistischen griechischen Partei "Goldene Morgenröte" die Polizei in der Hafenstadt Korinth mit Steinen angegriffen. Viele trugen schwarze T-Shirts mit dem Logo der rechtsextremistischen Partei. Die Randalierer protestierten gegen die Unterbringung von Migranten in einer Kaserne in der Stadt, wie das griechische Fernsehen berichtete.
Auch ein Parlamentsabgeordneter der "Goldenen Morgenröte" beteiligte sich an dem Angriff. Die Rechtsextremisten, aber auch viele Einwohner Korinths wehren sich gegen die Migranten in ihrer Stadt. Der Bürgermeister Alexandros Pneumatikos sagte, er werde "keinen Müll mehr von der Kaserne holen und auch Strom und Wasserleitungen kappen". Die Polizei hatte am Donnerstag 300 Migranten ohne Aufenthaltserlaubnis in die Kaserne gebracht.
Griechenland ist seit längerem Anlaufpunkt für Migranten. In den vergangenen zehn Jahren haben mehr als eine Million Menschen dort Zuflucht gesucht.
kha/dpa
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
| alles zum Thema Finanzkrise in Griechenland | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH