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Atom-Verhandlungen mit Iran: Die Uhr tickt, die Welt hofft

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Verhandler in Lausanne: Die selbst gesetzte Frist für ein Grundsatzabkommen läuft um Mitternacht ab Zur Großansicht
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Verhandler in Lausanne: Die selbst gesetzte Frist für ein Grundsatzabkommen läuft um Mitternacht ab

In Lausanne gehen die Verhandlungen um ein Atomabkommen mit Iran in die entscheidenden Stunden. Welche Folgen hätte eine Einigung - Entspannung im Nahen Osten oder ein nukleares Wettrüsten?

Zwölf Jahre dauerten die Verhandlungen über das iranische Nuklearprogramm, trotzdem kommt es in Lausanne auf Minuten an. Bis zuletzt feilschen die Verhandlungspartner um Details: die genaue Anzahl von Zentrifugen, den exakten Anreicherungsgrad von nuklearem Material, um Fristen und Formulierungen. Nun könnte sich Iran mit den fünf Uno-Vetomächten und Deutschland auf ein Atomabkommen einigen, in Lausanne hat am Morgen die wahrscheinlich entscheidende Gesprächsrunde begonnen.

Doch was würde das detailreiche Vertragswerk für das große Ganze bedeuten? Wie veränderte der Deal die Machtverhältnisse im Nahen Osten? Und wie dürften Irans Nachbarn reagieren?

  • Iran - Wie Rohani triumphiert

Der erfolgreiche Abschluss der Verhandlungen wäre ein Erfolg für den iranischen Präsidenten Hassan Rohani. Er war im Wahlkampf 2013 mit dem Versprechen angetreten, sein Land aus der Isolation zu führen und die Beziehungen zum Westen zu verbessern. Nun sieht es so aus, als würden er und Außenminister Mohammad Javad Zarif liefern. Das stärkt Irans Reformer gegenüber dem konservativen Lager, das auf Konfrontation mit dem Westen setzt.

Die internationalen Sanktionen haben der iranischen Wirtschaft geschadet, besonders der wichtigen Öl- und Gasindustrie. Deshalb kann Teheran derzeit zum Beispiel das große Gasfeld Südpars nicht effektiv ausbeuten. Mit Aufhebung der Strafmaßnahmen könnten wichtige Ausrüstungsgüter wieder importiert und Industrieanlagen modernisiert werden; Unternehmen aus Europa könnten im Land investieren. Iran hat mehrere Pipelines geplant, um Gas zu exportieren. Nun steigen die Chancen, dass diese Vorhaben auch umgesetzt werden.

Irans Außenpolitik dürfte sich durch einen Deal kaum verändern. Schon jetzt hat Teheran maßgeblichen Einfluss auf den Kurs der Regierungen im Libanon, in Syrien und im Irak. Zudem unterstützt das Regime die Huthi-Bewegung, die große Teile des Jemen kontrollieren. Im Irak verfolgen die USA und Iran im Kampf gegen den "Islamischen Staat" derzeit dieselben Interessen, in den Bürgerkriegen in Syrien und im Jemen kämpfen ihre Verbündeten gegeneinander. Daran wird auch das Atomabkommen nichts ändern.

  • Israel - Wie Netanyahu toben wird

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu war der größte Gegner eines Abkommens mit Iran. Den Beteuerungen aus Teheran, man strebe nicht nach Atomwaffen, glaubt er nicht.

Einen möglichen Militärschlag gegen Irans Nuklearanlagen müsste Israel nach Abschluss eines Abkommens gegen den ausdrücklichen Willen der USA durchführen. Das ist zwar unwahrscheinlich, angesichts des abgekühlten Verhältnisses zu Barack Obama aber auch nicht ausgeschlossen. Netanyahu verfügt selbst über ein Atomwaffenarsenal, das nicht von internationalen Beobachtern kontrolliert wird; mehrfach hat er seine Bereitschaft erklärt, im Alleingang gegen Iran zu handeln.

In den vergangenen Jahren sind mehrfach iranische Atomwissenschaftler und andere Mitarbeiter an Teherans Nuklear- und Raketenprogramm getötet worden. Zudem sabotierte 2010 der Computerwurm Stuxnet die Leittechnik in mehreren iranischen Anlagen. Höchstwahrscheinlich stecken israelische Geheimdienste dahinter. Teheran wird auch nach Abschluss eines Abkommens mit weiteren Sabotageakten rechnen müssen.

  • Saudi-Arabien - Wie das Königshaus um Einfluss ringt

Saudi-Arabien als größter regionaler Rivale Irans sieht das mögliche Abkommen mit großer Skepsis. Erst vor wenigen Tagen brachte das Königshaus die Entwicklung eigener Nuklearwaffen ins Spiel. Diesbezüglich hat Riad bereits Kontakte zur Atommacht Pakistan geknüpft.

Im vergangenen Jahr ließ Saudi-Arabien bei einer Militärparade bereits Mittelstreckenraketen auffahren, die auch Ziele in Teheran treffen könnten - und die mit Atomsprengköpfen bestückt werden können.

In den vergangenen Tagen hat die Golfmonarchie bereits deutlich gemacht, dass sie Irans wachsenden Einfluss in der arabischen Welt zurückdrängen will. Erst schmiedete Riad eine Koalition aus zehn sunnitischen Staaten, die eine Militäroperation gegen die von Teheran unterstützte Huthi-Miliz im Jemen startete.

Entscheidend wird sein, wie das Abkommen von Lausanne in den kommenden Monaten und Jahren umgesetzt wird. Wird sich Iran ans Vertragswerk halten und die versprochene Transparenz zeigen? Dann kann der Deal tatsächlich für eine teilweise Entspannung im Nahen Osten sorgen. Sollten sie hingegen die israelischen Zweifel an der Ehrlichkeit des Regimes bestätigen, droht tatsächlich ein nukleares Wettrüsten in der Region.

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insgesamt 53 Beiträge
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1. Chance
Mondaugen 31.03.2015
Der Abschluss des Abkommens böte zumindest die Chance auf konstruktivere Zusammenarbeit im Nahen Osten. Natürlich zeigt sich die Ernsthaftigkeit erst in der Umsetzung. Die Interessen der Mehrheit der iranischen Bevölkerung sind eben nicht Krieg und Zerstörung, sondern friedliche Weiterentwicklung des Landes. Ein saudisches Atomprogramm wäre bei der allgegenwärtigen Islamistengefahr in diesem Land dagegen höchst gefährlich.
2. Saudi-Arabien oder der Iran?
it--fachmann 31.03.2015
Das ist für uns eine historische Entscheidung Schwere Menschenrechtsverstöße begehen beide Staaten. Aber ich glaube über kurz oder lang, werden wir mit den Persern die zuverlässigeren Partner haben. Die Saudis geben sich zwar zwar zivilisiert und rechtstaatlich, sind es aber nicht. Willkürliche Verhaftungen, Enthauptungen und Amputationen nach islamischen Recht, sollten uns vorsichtig machen mit diesem Land. Iran hingegen hat schon vor tausenden von Jahren eine Deklaration der Menschenrechte veröffenlicht. Dieses Land ist entwicklungsfähig, obwohl dort zur Zeit verbohrte Mullas herrschen. Saudi-Arabien ist keinesfalls entwicklungsfähig. Es wird den selben Weg nehmen wie nun der Jemen, wenn das Öl mal ausgeht.
3. Hoffnung auf Entspannung
ingofischer 31.03.2015
Kann man nur hoffen, dass die Einigung eine Enspannung in den Beziehungen zum Iran und zur Stärkung der "westlich ausgerichteten" Regierung führt. Die Gefahr neuer Machtkämpfe in der Region um Einfluss und Rohstoffzugänge sehe ich jedoch ebenso wahrscheinlich.
4. Warum hofft die WELT?
Ureinwohner2.0 31.03.2015
Hat der Iran jemals in seiner jüngeren Geschichte (sagen wir mal 2000 Jahre) eines seiner Nachbarländer überfallen und mit Atombomben um sich geworfen oder chemische oder biologische Massenvernichtungswaffen in seinen Verteidigungskriegen angewendet? Soweit ich weiß NIE. Warum sollte also NUN die WELT HOFFEN? Ich kenne nur ein einziges Land, dass die A-Bombe im Krieg angewendet hat. Anfang August 1945; zwei mal auf Städte im Fernen Osten. Kennen Sie liebe Forumsteilnehmer auch dieses Land?
5. Sanktionen
hei-nun 31.03.2015
Ich bin zwar nach wie vor skeptisch, dass es noch klappt, würde aber ein Abkommen sehr begrüßen, da es die Welt sicherer machen würde. Aber eines muss ich auch mal loswerden: Dieses Abkommen war dann nur möglich, weil die Sanktionen gegen den Iran gegriffen haben. Das an die Adresse der vielen Sanktionsgegner (z. B. auch im Ukraine-Konflikt).
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Fläche: 1.648.195 km²

Bevölkerung: 79,476 Mio.

Hauptstadt: Teheran

Staatsoberhaupt und Religionsführer:
Ajatollah Ali Chamenei

Staats- und Regierungschef:
Hassan Rohani

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Uran und Atomwaffen
Uran
Uran eignet sich sowohl für die Energiegewinnung als auch für den Einsatz in Atomwaffen. Entscheidend ist der Grad der Anreicherung. Der Ausgangsstoff Uranerz besteht zu rund 99,3 Prozent aus Uran 238; das spaltbare Uran 235 macht nur etwa 0,7 Prozent aus. Für die Nutzung in Kernreaktoren muss der Anteil von Uran 235 auf drei bis fünf Prozent gesteigert werden, für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 85 Prozent notwendig.
Anreicherung
Uranerz wird nach dem Abbau zunächst zu einem gelblichen Pulver verarbeitet, dem sogenannten Yellowcake. Es dient zur Herstellung von Brennelementen für Reaktoren, kann aber zwecks Anreicherung auch in Uran-Hexafluorid (UF6) umgewandelt werden, das bis 56 Grad Celsius in kristalliner Form vorliegt und darüber gasförmig ist.

Die meisten Anreicherungsanlagen weltweit basieren auf der Gasdiffusion: Gasförmiges Uran-Hexafluorid wird durch halbdurchlässige Membrane gepresst, wobei sich das Uran 235 vom Rest trennt. Das Verfahren gilt inzwischen jedoch aufgrund seines hohen Energiebedarfs als veraltet.

Eine modernere Methode ist die Gaszentrifuge, an der auch in Iran experimentiert wird. Bei ihr macht man sich den Massenunterschied zwischen beiden Uran-Isotopen zunutze: Wird Uran-Hexafluorid in die Zentrifugen gegeben, sammeln sich die schwereren Uran-238-Moleküle bei bis zu 70.000 Umdrehungen pro Minute außen in den Zylindern, die Uran-235-Moleküle bleiben innen.
Einsatz in Atomwaffen
Für den Einsatz in Kernreaktoren genügt es bereits, wenn Uran 235 zu drei bis fünf Prozent in den Brennelementen angereichert ist. Ab 20 Prozent ist von hochangereichertem Uran die Rede. Für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 80 Prozent erforderlich, da sonst eine zu große Uranmenge notwendig wäre.

Uran 235 kam in der ersten jemals eingesetzten Atombombe, die am 6. August 1945 Hiroshima zerstörte, als Sprengstoff zum Einsatz. Die Sprengkraft lag bei rund 13 Kilotonnen TNT. Die Bombe, die drei Tage später auf Nagasaki abgeworfen wurde, erreichte 20 Kilotonnen TNT. In ihr kam allerdings nicht Uran zum Einsatz, sondern Plutonium 239, das per Neutronenbeschuss in Brutreaktoren aus Uran 238 gewonnen wird.
Fotostrecke
Iran: Der Streit um das Atomprogramm

Irans Atomprogramm
Streit
Iran unterzeichnete 1968 den Sperrvertrag für Atomwaffen . Dieser erlaubt die zivile Nutzung von Nuklearenergie und die dafür notwendige Forschung einschließlich der Urananreicherung .

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien kontrolliert die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags; sie erstellt regelmäßig Berichte über das iranische Atomprogramm .

Der Uno-Sicherheitsrat hat in seiner Resolution 1696 vom 31. Juli 2006 Iran erstmals aufgefordert, die Anreicherung von Uran einzustellen; Teheran weigert sich unter Berufung auf den Atomwaffensperrvertrag.

Als Vermittler tritt seit einigen Jahren auch die "EU-Troika" auf, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

Anlagen
Arak : geplanter Schwerwasserreaktor
Buschehr : Atomkraftwerk, im Mai 2011 nach mehrfachen Terminverschiebungen in Betrieb genommen - zunächst zu Testzwecken. Im September 2011 ging der Reaktor in Regelbetrieb, allerdings noch nicht auf voller Leistung
Isfahan : Forschungsreaktor
Jasd: Uranminen
Natans : Anlage zur Urananreicherung, angeblich mit 6000 Zentrifugen in Betrieb. Im Herbst 2009 gab Iran bekannt, nahe der Stadt Ghom eine zweite Anlage zur Urananreicherung zu besitzen.
Teheran : Forschungsreaktor
Geschichte
1974: Unter Beteiligung von Siemens beginnt bei Buschehr der Bau eines Kernkraftwerks.
1979: Nach der Revolution und der Ausrufung der Islamischen Republik wird das Atomprogramm nicht weiter betrieben.
1980-1988: Im Irak-Iran-Krieg wird der Atomreaktor in Buschehr mehrfach bombardiert und dabei schwer beschädigt.
Neunziger Jahre: Deals auf dem Schwarzmarkt mit Abdul Qadir Khan , Pakistans "Vater der Atombombe"
1995: Abkommen mit Russland zum Wiederaufbau des Atomreaktors von Buschehr
2002: Iranische Oppositionelle im Exil berichten über ein geheimes Atomprogramm.
2003: Iran unterzeichnet das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag (bislang aber nicht vom Parlament ratifiziert).
2006: Der Uno-Sicherheitsrat verlangt in seiner Resolution 1696 erstmals den Stopp der Urananreicherung .
Juli 2008: Iran droht bei einem Angriff auf seine Atomanlagen mit militärischen Gegenschlägen. Das Regime testet Schahab-3-Raketen, die auch Ziele in Israel erreichen könnten.
November 2008: Iran hat nach eigenen Angaben die Zahl seiner für die Urananreicherung benötigten Zentrifugen auf 5000 erhöht.
Juni 2009: Iran hat laut Internationaler Atomenergiebehörde IAEA weitere tausend Gaszentrifugen im Atomzentrum Natans in Betrieb genommen und bisher knapp 1,4 Tonnen niedrig angereichertes Uran produziert.
Mai 2010: Nach Verhandlungen mit dem brasilianischen Präsidenten Lula und dem türkischen Regierungschef Erdogan erklärt sich Iran bereit, schwach angereichertes Uran im Ausland zu tauschen. Wenig später kündigt Teheran an, an der umstrittenen Urananreicherung auf 20 Prozent festhalten zu wollen.
Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat, die EU und die USA beschließen neue Sanktionen gegen Teheran. US-Präsident Obama spricht von den bisher härtesten Sanktionen überhaupt - doch Beobachter bleiben skeptisch, ob die Strafmaßnahmen Erfolg bringen.
Sanktionen
Uno-Sanktionen: Verbot von Waffen- und Nuklearhandel, Einfrieren von Konten, Reisebeschränkungen, verhängt in Resolution 1737 (23.12.2006), Resolution 1747 (24.03.2007), Resolution 1803 (03.03.2008)

Sanktionen der USA: Vollständiger Handels- und Investitionsboykott, beruhend auf Executive Order 12959 von 1995, neue Sanktionen im Juni 2010

Sanktionen der EU: Einschränkungen für Handel und Investitionen, Einfrieren von Vermögen, Reisebeschränkungen, beruhend auf Verordnung (EG) Nr. 423/2007 des Rates (19.04.2007)

Nahost
Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärt, das israelische "Besatzungsregime" müsse "aus den Annalen der Geschichte verschwinden".
Israelische Politiker, darunter auch Kabinettsmitglieder, sprechen sich für präventive Militärschläge gegen Iran aus.
Personen
Said Dschalili , Atomunterhändler seit Oktober 2007
Yukiya Amano , Generaldirektor der IAEA
Der Verhandlungspoker um die Urananreicherung
Oktober 2009: Vertreter Irans, Deutschlands und der fünf Vetomächte im Sicherheitsrat kommen zu Atom-Gesprächen in Genf zusammen.
November 2009: Die IAEA kritisiert in einer Resolution die jahrelang geheim gehaltene iranische Urananreicherungsanlage bei Ghom. Teheran reagiert mit der Ankündigung, zehn neue Uran-Anlagen zu bauen.
Dezember 2009: Iran testet die Mittelstreckenrakete Sedschil 2. Diese habe größere Zielgenauigkeit als das Vorgängermodell Schahab 3.
2. Februar 2010: Ahmadinedschad zeigt sich bereit, auf einen Vorschlag der IAEA einzugehen, der eine Anreicherung iranischen Urans auf 20 Prozent im Ausland vorsieht. Wenige Tage später rudert er wieder zurück.
7. Februar 2010: Iran verkündet, man habe niedrig angereichertes Uran von 3,5 auf 20 Prozent gebracht und sei in der Lage, es auf 80 Prozent anzureichern. Damit könnten Atomwaffen hergestellt werden.
11. Februar 2010: US-Präsident Barack Obama kündigt als Reaktion umfangreiche neue Sanktionen gegen Iran an.
1. April 2010: Nach langem Widerstand gegen neue Sanktionen ist China bereit, sich an den Verhandlungen über den Text einer verschärften Uno-Resolution zu beteiligen.
25. April 2010: Zur Abwehr neuer Sanktionen besucht Irans Außenminister Manutschehr Mottaki Österreich. Gespräche mit dem Chef der IAEA, Yukija Amano, und Österreichs Außenminister Michael Spindelegger bringen jedoch keinen Durchbruch.
17. Mai 2010: Nach Verhandlungen mit Brasilien und der Türkei lenkt Iran ein und will Uran im Ausland anreichern lassen. Doch die internationale Gemeinschaft reagiert skeptisch auf die Ankündigung.
9. Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat beschließt schärfere Sanktionen gegen Iran. Sie beinhalten weitere Hürden für die iranische Finanzbranche und eine Ausweitung des Waffenembargos. Auch die USA und die EU setzen schärfere Maßnahmen gegen Iran in Kraft.
Januar 2011: Die Atomgespräche zwischen Iran und den westlichen Mächten in Istanbul scheitern. Teheran hatte weiterhin "ein Recht auf Urananreicherung" gefordert.
Republik Iran
Land
REUTERS
Die Islamische Republik Iran ist mit einer Fläche von rund 1,7 Millionen Quadratkilometern fünfmal so groß wie Deutschland. Das Land besitzt nach Russland die zweitgrößten Erdgasreserven der Welt, beim Erdöl steht Iran auf Platz drei und ist derzeit nach Saudi-Arabien der größte Produzent innerhalb der Opec.
Politik
dpa
Seit der Islamischen Revolution von 1979 haben der Revolutionsführer, aktuell Ajatollah Ali Chamenei (Bild), und der Wächterrat die größte Macht im Staat. Der Wächterrat kontrolliert die Kandidaten für Wahlen. Der Regierungschef ist der gewählte Präsident - seit August 2013 Hassan Rohani.
Leute
Corbis
Iran hat rund 75 Millionen Einwohner. Auf dem Uno-Index menschlicher Entwicklung (HDI) für 179 Staaten belegt Iran Platz 76 (Deutschland ist auf Platz 5). Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 73 Jahren (zum Vergleich: Die Lebenserwartung in Deutschland liegt bei 80 Jahren).
Wirtschaft
REUTERS
Die Wirtschaftsleistung pro Kopf betrug 2008 laut einer Schätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) rund 5200 Dollar. Begünstigt vom hohen Ölpreis wuchs die Wirtschaft zuletzt um etwa sechs Prozent. Neben der Arbeitslosenquote, die laut inoffiziellen Schätzungen bei etwa 30 Prozent liegt, ist die Inflation eines der größten wirtschaftlichen Probleme. 2008 soll sie bei fast 30 Prozent gelegen haben, für 2009 rechnet der IWF mit 25 Prozent. Im Jahr 2005 machten Teherans Ausgaben für das Militär laut Uno-Statistiken 5,8 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung aus (Deutschland: 1,4 Prozent).
Menschenrechte
REUTERS
Nach China ist Iran das Land, in dem die meisten Todesurteile vollstreckt werden. Laut Amnesty International wurden 2009 mindestens 388 Menschen hingerichtet, das waren 42 Hinrichtungen mehr als im Vorjahr. Der Uno zufolge saßen 2007 pro 100.000 Einwohner 214 Menschen im Gefängnis (in Deutschland sind es 95). Korruption ist in Iran weit verbreitet. Auf dem weltweiten Index von Transparency International nimmt Iran 2009 bei 180 beobachteten Staaten den 168. Rang ein (Deutschland: 14).

Chronik
Aufstieg von Mohammed Resa
AFP
Im Zweiten Weltkrieg gilt der monarchische Staat Iran als Freund der Achsenmächte. Britische und sowjetische Truppen besetzen daher 1941 das Land. Resa Schah muss abdanken. Die Alliierten inthronisieren seinen Sohn Mohammed Resa . Wegen seiner proamerikanischen Reformpolitik gerät der Schah erstmals 1963 in die Kritik von Ajatollah Ruhollah Chomeini, einem damals hochrangigen religiösen Führer, den die Regierung ein Jahr später in die Türkei abschiebt. Chomeini geht schließlich in den Irak. Dort bleibt er 13 Jahre und entwickelt er das Staatsmodell des islamischen Staates. Mit seiner repressiven Politik und seinem dekadenten Herrschaftsstil bringt der Schah eine wachsende Opposition aus sehr unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Schichten gegen sich auf.
Ajatollah Chomeini und die islamische Revolution
Getty Images
1978 mobilisieren Liberale und Konservative, Säkulare und Religiöse, Linke und Rechte Massenproteste gegen den Schah. Zur Leitfigur des Protests wird Ajatollah Chomeini. Den landesweiten Streiks und Massendemonstrationen in Teheran schließen sich Hunderttausende an. Armee und Polizei gehen teilweise brutal gegen die Demonstranten vor. Dennoch enden die Proteste mit dem Sturz des Schahs am 16. Januar 1979. Nach Chomeinis Rückkehr aus dem Exil in Frankreich, wohin er 1978 gedrängt worden war, spricht sich die Bevölkerung in einem Referendum für die Islamische Republik aus, deren oberster Führer der Großajatollah selbst wird.

Die Außenpolitik Chomeinis wendet sich vor allem gegen die USA und Israel. Am 4. November 1979 besetzen islamische Kräfte die amerikanische Botschaft und nehmen mehr als 50 Geiseln, die erst nach 444 Tagen wieder freikommen. Chomeini billigt die Aktion. Die Beziehungen zu den USA erreichen ihren Tiefpunkt. Unterstützt von den USA überfällt der Nachbarstaat Irak am 22. September 1980 Iran. In dem folgenden acht Jahre langen Krieg zwischen den beiden Ländern sterben etwa eine Million Menschen.
Phase der Islamisierung
REUTERS
Im Laufe des Kriegs treibt die Regierung die Islamisierung des Landes voran. Für Frauen gilt eine strenge Kleiderordnung, in öffentlichen Verkehrsmitteln die Geschlechtertrennung. Chomeini lässt linksgerichtete politische Häftlinge ermorden, vor allem Anhänger der Volksmudschahidin, die noch während der Revolution auf Seiten Chomeinis standen.

1989 stirbt der religiöse Führer. Der Expertenrat, ein Gremium aus höchsten religiösen Sachverständigen, ernennt Ajatollah Ali Chamenei zum Nachfolger. In den Folgejahren hat Iran stark unter zunehmender Korruption zu leiden. Die Liberalisierung der Wirtschaft bleibt weitgehend wirkungslos. Bereits 1995 verhängen die USA erste wirtschaftliche Sanktionen, weil Iran nach US-Auffassung den internationalen Terrorismus unterstützt.
Vom Reformer Chatami zum Hardliner Ahmadinedschad
AFP
Der als liberaler Geistlicher geltende Mohammed Chatami gewinnt 1997 die Präsidentschaftswahl. Seine innenpolitischen Reformbemühungen geraten allerdings ins Stocken, da er versucht, zu viele politische Lager zusammenzubringen, und die nach wie vor einflussreichen konservativen Hardliner erheblichen Widerstand leisten. Im Juni 2005 erobert der frühere Bürgermeister Teherans und konservative Hardliner Mahmud Ahmadinedschad das Amt des Präsidenten. Außenpolitisch sorgt er vor allem durch Vorantreiben eines Atomprogramms und harsche verbale Angriffe gegen Israel für Ärger. Infolge seiner Wiederwahl als Präsident im Sommer 2009 kam es wegen Unregelmäßigkeiten zu wochenlangen Massenprotesten, die teils brutal niedergeschlagen wurden. Zahlreiche Demonstranten wurden getötet, Hunderte Menschen verhaftet.
Entspannung gegenüber dem Westen
Bei der neuerlichen Präsidentenwahl im Sommer 2013 durfte Ahmadinedschad nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten. Es siegte der als gemäßigt geltende Kandidat Hassan Rohani, der seitdem mildere Töne nach außen anstimmt. Der Westen und Iran einigen sich im November auf einen "Gemeinsamen Aktionsplan" im Streit um das iranische Atomprogramm.

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