Ernüchterung in Moskau: Atomgespräche mit Iran stocken

Die Verhandlungen mit Iran sind zäh. Gleich zu Beginn der Atomgespräche in Moskau ist klar: Teheran will auf keinen Vorschlag der fünf Uno-Vetomächte und Deutschland eingehen. Die Stimmung ist nach Angaben von Teilnehmern schlecht.

Ashton (l.) und Irans Chefermittler Dschalili (r.): Keine Fortschritte in Moskau Zur Großansicht
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Ashton (l.) und Irans Chefermittler Dschalili (r.): Keine Fortschritte in Moskau

Moskau - Es ist Irans letzte Chance, eine diplomatische Einigung im Atomstreit zu erreichen. Doch schon in der ersten Gesprächsrunde der fünf Vetomächte der Uno und Deutschland mit Vertretern Teherans wird deutlich, dass die Verhandlungen nicht vorankommen. Die Ernüchterung in Moskau ist groß.

Die Positionen Irans und der Sechser-Verhandlungsgruppe seien "komplex und schwer miteinander vereinbar", zitierte die russische Nachrichtenagentur Interfax Vizeaußenminister Sergej Riabkow. Ein Mitglied der iranischen Delegation bezeichnete die Atmosphäre bei den Verhandlungen mit der 5+1-Gruppe als "nicht positiv".

Die fünf Uno-Vetomächte und Deutschland drängen Iran dazu, Inspektionen in der Militäranlage Parchin in der Nähe Teherans zuzulassen. Dort gab es nach Meinung westlicher Geheimdienste Atomtests. Der Westen verdächtigt Iran, unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms an Atomwaffen zu arbeiten. Dies bestreitet Teheran.

Die Unterhändlerin der 5+1-Gruppe, EU-Außenministerin Catherine Ashton, und der iranische Verhandlungsführer Said Dschalili hatten ihre Gespräche am Montagvormittag eröffnet. Sie standen nach Angaben aus Delegationskreisen wenig später kurz vor dem Abbruch, weil beide Seiten auf ihren Positionen beharrten.

Die Europäische Union weigerte sich, ihre Sanktionen gegen Teheran aufzuheben. Das beschlossene Öl-Embargo werde wie geplant am 1. Juli in Kraft treten, kündigte ein Sprecher von Ashton an.

Auch Teheran beharrte weiter auf seiner Position: Die 5+1-Gruppe müsse Irans Recht auf ein ziviles Atomprogramm anerkennen. Dazu gehöre auch die Frage der Urananreicherung, sagte der iranische Chefunterhändler Dschalili. Dagegen verlangte Ashtons Sprecher erneut, dass Teheran die umstrittene Urananreicherung auf 20 Prozent einstellen müsse.

Teilnehmer berichteten, die Atmosphäre in den Gesprächen sei "nicht positiv" gewesen. Iranischen Delegationskreisen zufolge waren Ashton und Dschalili am Vorabend zum Essen verabredet. Das Treffen wurde aber ohne Begründung abgesagt.

Am Montagabend signalisierte Ashton Entgegenkommen: Es sei möglich, dass die Gespräche bis Mittwoch fortgeführt würden, sagte der Sprecher der EU-Außenbeauftragten nach Angaben russischer Agenturen in Moskau. "Die Verhandlungen sind schwierig, aber sie werden fortgesetzt." Die Verhandlungen sollen am Dienstag planmäßig weitergehen.

Westliche Diplomaten erklärten, falls die neue Gesprächsrunde keine Fortschritte erziele, werde vermutlich kein Folgetreffen mehr angesetzt. "Das Zeitfenster für Diplomatie ist endlich", sagte ein ranghoher US-Teilnehmer.

heb/dpa/AFP/dapd

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1. Selber schuld!
Heinz-und-Kunz 18.06.2012
Zitat von sysopGleich zu Beginn der Atomgespräche in Moskau ist klar: Teheran will auf keinen Vorschlag der fünf Uno-Vetomächte und Deutschland eingehen.
Es soll hinterher keiner sagen, sie wären nicht gewarnt worden.
2. Gegen Phobien helfen nur Pillen
Grafsteiner 18.06.2012
und nicht der Besitz eigener Atomwaffen.
3. Iran's letzte Chance
moon707 18.06.2012
Ich frage mich immer wieder, warum es eigentlich nur Iran's letzte Chance sein soll. Wenn, dann ist es wohl eher die letzte Chance des Westens. Iran besitzt bereits mehrere Atomsprengköpfe u.a. aus alten sowjetischen Beständen. Der Westen und Israel tappen hier in eine Falle !
4. Faszinierend
Manfred-M 18.06.2012
Zitat von sysopDie Verhandlungen mit Iran sind zäh. Gleich zu Beginn der Atomgespräche in Moskau ist klar: Teheran will auf keinen Vorschlag der fünf Uno-Vetomächte und Deutschland eingehen. Die Stimmung ist nach Angaben von Teilnehmern schlecht. Atom-Gespräche mit Iran stocken - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,839595,00.html)
Wie die deutschen Medien allesamt bereits in der Einleitung den Schuldigen für das Stocken der Verhandlungen kennen: Es sind die Iraner. Die sind nunmal immer Schuld. Die sind nicht nur Schuld daran, dass Israel über 200 Atomsprengköpfe verfügt, ja, die Iraner sind sogar Schuld daran, dass das im Westen niemand stört und dass Deutschland auch noch auf Kosten seiner Bürger atomwaffenfähige U-Boote zu liefern hat. Die sind Schuld daran, dass Saddam damals mit vom Westen freundlicherweise gelieferten Massenvernichtungswaffen iranische Zivilisten tötete, die sind Schuld daran, dass Afghanistan heute die größte Opiumproduktionsstätte der Welt ist, die sind Schuld daran, dass um Iran herum in jedem Land US-Truppen stationiert sind, die sind Schuld daran, dass man heute keinen Beweis für eine iranische Atombombe finden kann, sondern nur Spekulationen westlicher Geheimdienste, die Iraner sind auch Schuld daran, dass der Leiter der IAEA, der laut Wikileaks ein Schoßhund der Amerikaner ist und die Berichte der IAEA den Berichten westlicher Geheimdienste (statt eigenen Erkenntnissen) angepasst hat. Mal eine ganz andere Sache: Auch dem Medienkonsumenten ist ein Vorwurf zu machen. Hat sich jemals jemand unter den Lesern die Mühe gemacht die Meinung der Iraner direkt einzuholen (und gemeint sind nicht die Gucci-Perser im Westen)? Hier die Möglichkeit das zu thttp://irananders.de/home/news/article/faq-die-nuklearaktivitaeten-irans.html
5. Vorschlag?
Klaschfr 19.06.2012
Zitat von sysopDie Verhandlungen mit Iran sind zäh. Gleich zu Beginn der Atomgespräche in Moskau ist klar: Teheran will auf keinen Vorschlag der fünf Uno-Vetomächte und Deutschland eingehen. Die Stimmung ist nach Angaben von Teilnehmern schlecht. Atom-Gespräche mit Iran stocken - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,839595,00.html)
Es muss heißen "Bedingungen" der 5 +1! Die haben bereits vor Beginn der Verhandlungen auf stur geschaltet. Das war auch anzunehmen. Sie streben keinen Kompromiß an. Das ist nur Politik aus der alten Kiste. Und Deutschland ist sich nicht zu schade, bei diesem Blödsinn mitzumachen.
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